Von Kämpfen und Krämpfen: Unsere Top 5

Wilhelmshöhe Open: Tennis-Größen und ihre besonderen Momente in Kassel

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Da fliegt schon mal der Schläger durch die Luft: Der spätere chilenische Weltranglistenfünfte Fernando Gonzales machte in Wilhelmshöhe auf sich aufmerksam.

Kassel. In dieser Woche findet zum 19. Mal das Weltranglistenturnier Wilhelmshöhe Open statt. Einige Spieler, die später im Tenniszirkus für Aufsehen sorgten, waren schon in Kassel auf den Plätzen des KTC Wilhelmshöhe im Einsatz und hinterließen dort nachhaltige Eindrücke. Unsere Top 5 aus 18 Jahren Wilhelmshöhe Open:

Nur noch unter Schmerzen: Michael Berrer lieferte sich ein unfassbares Duell mit einem Luxemburger.

1. Kampf und Krampf:  Fragen Sie mal eines der älteren Mitglieder im Club, welches Match ihm in den vergangenen 18 Jahren am meisten in Erinnerung geblieben ist? Es gab zwar einige packende Endspiele, aber ein Halbfinale aus dem Jahr 2001 stellt alles auf der von vielen Bäumen im Bergpark umgebenen Anlage in den Schatten: Der Stuttgarter Michael Berrer, später immerhin mal Nummer 42 in der Weltrangliste, lieferte sich mit Mike Scheidweiler aus Luxemburg einen so intensiven Vergleich, dass beide in der entscheidenden Phase des dritten Satzes teilweise unter Krämpfen litten. Scheidweiler musste teilweise sogar die Aufschläge von unten machen, weil ihm die Puste ausging. Dann schaffte er aber dank eines wahren Kraftakts noch einen 6:7 (6:8), 6:2 und 7:5-Erfolg.

2. Ein gutes Auge:  Schon viele Tennis-Fachleute waren als interessierte Beobachter an der Burgfeldstraße zu Gast: Patrik Kühnen, Michael Kohlmann und 1999 auch ein gewisser Klaus Hofsäß. Demhemaligen deutschen Damen-Bundestrainer, der zu dieser Zeit die Talente aus dem Mercedes-Benz-Juniorteam von Boris Becker betreute, fiel ein junger Spieler besonders auf. „Der Junge dort wird mal was“, sagte er über das Talent, das auf dem Centre Court bis ins Halbfinale vorstieß. Der 18-Jährige kam aus Chile, hieß Fernando Gonzales, wurde später Nummer fünf der Weltrangliste und holte drei olympische Medaillen – unter anderem Gold im Doppel.

Sorgte an der Burgfeldstraße für Furore: Dustin Brown (rechts) gewann 2008 im Doppel mit Stefan Seifert.

3. Der Rasta-Mann: Ihn hatte 2006 in Wilhelmshöhe niemand wirklich auf der Rechnung. Klar, er war nur Qualifikant. Er hieß Dustin Brown, kam aus Celle und hatte die jamaikanische Staatsangehörigkeit. Danngab allerdings dieser 21-Jährige mit den Rastazöpfen einem Spieler nach dem anderen das Nachsehen und zog ins Endspiel ein. Erst der Slowake Lukas Lacko konnte den Siegeszug des jungen Mannes aus Celle stoppen: 3:6, 6:3, 6:4. Heute rockt Brown, inzwischen ein deutscher Publikumsliebling, die Plätze auf der ATP-Tour und kann unter anderem Siege über den spanischen Superstar Rafal Nadal vorweisen. 2008 entschied er zusammen mit Stefan Seifert die Doppel-Konkurrenz in Kassel für sich.

Klaus Hofsäß

4. Drama im dritten Durchgang: Dass sich zwei Spieler ein mitreißendes Spiel liefern, kommt im Tennis oft vor. Was Martin Spöttl aus Österreich bei seiner Begegnung 1998 mit dem Argentinier Andres Schneiter passierte, ist da schon außergewöhnlich. Er führte im dritten Satz 5:1 und 40:30, hatte also einen Matchball. Dann riss bei seinem Schläger die Saite – es war bereits das zweite Mal an diesem Nachmittag, dass sein Material nicht mitspielte. Sein Ersatz hielt danach auch nur jeweils einen Ballwechsel. Jetzt hatte er keinen weiteren Schläger mehr, die restlichen waren allesamt zum Bespannen beim Chefbesaiter Bernd Trageser. So half sein Trainer aus. Doch mit dessen Racket kam er so gut zurecht wie ein Fußballer, wenn er mit einem Rugby-Ei ein Dribbling machen soll. Beim Stand von 5:6 bekam er eien seiner Schläger zurück, verlor aber dennoch im Tiebreak.

5. Aus gegen Außenseiter: Das ist doch? Ja, das ist er. Karsten Braasch, ehemaliger deutscher Weltklassespieler, war 1999 auf derlage des KTC an Nummer eins gesetzt. Und dann das: In der ersten Runde scheiterte der Mann aus Marl an einem Karlsruher, der eigentlich an der Uni von Birmingham/Alabama Psychologie studiert. 6:3, 6:3 gewann Martin Woisetschläger. Braasch zeigte sich als fairer Verlierer, blieb den Zuschauern jedoch nur so in Erinnerung: Das war doch? Ja, das war er.

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