Tennisturnier im Bergpark

Wilhelmshöhe Open: 20-jähriger Brasilianer Luz triumphiert

+
Kann es kaum fassen: der siegreiche Brasilianer Orlando Luz. 

Novum in der Geschichte der Wilhelmshöhe Open: Zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Tennisturniers sicherte sich ein Brasilianer den Sieg auf der Anlage des KTC Bad Wilhelmshöhe.

Orlando Luz schlug seinen Landsmann Joao Souza nach zwei Stunden und 25 Minuten 6:4, 4:6, 6:3. Damit nahm der 20-Jährige Revanche für die Niederlage am Vorabend im Doppel. Da unterlag Luz mit Partner Marcelo Zormann gegen das brasilianisch-spanische Duo Souza und David Vega Hernandez 1:6, 4:6. Wir blicken auf dieser Seite auf die Finalspiele und ziehen eine Bilanz der 21. Turnier-Auflage.

Das Einzel-Finale

Als es geschafft war, ging Orlando Luz erst mal zu Boden. Die Hände schlug er dabei vor Freude vors Gesicht. Ja, der 20-Jährige war sichtlich gerührt, als er das rein brasilianische Endspiel gegen Joao Souza mit 6:4, 4:6, 6:3 zu seinen Gunsten entschieden hatte. „Ich habe die ganze Woche gut gespielt und bin jetzt einfach nur überglücklich. Joao war ein starker Gegner“, erklärte Luz später. 

Direkt nach dem Endspiel war er kurz mit dem Handy in der Hand vom Sandplatz verschwunden: Er musste die frohe Kunde erst einmal seinen Liebsten übermitteln. Viel Zeit blieb ihm dafür aber nicht – Moderator Wilhelm Holz erwartete ihn schnell zurück auf dem Feld zur Siegehrung.

Das war um 16.30 Uhr. Bereits um kurz nach 13 Uhr hatten Luz und sein zehn Jahre ältere Kontrahent angefangen. Allerdings war die Begegnung nach dem zweiten Satz wegen Regens für eine halbe Stunde unterbrochen worden. Was dem Youngster durchaus geholfen hat.

Denn vor der Pause war es nicht gut für Luz gelaufen. Im zweiten Satz lag er zunächst 2:0 vorn und hatte die Chance, auf 3:0 zu erhöhen. Eine Vorentscheidung bahnte sich an – doch er ließ die Gelegenheit aus. Auch weil sich Souza, die ehemalige Nummer 69 der Weltrangliste, auf seine kämpferischen Qualitäten besann und zusehends weniger leichte Fehler produzierte. Dabei merkte man dem 1,93-m-Hünen vor 700 Zuschauern nicht an, dass er bereits das zwölfte Spiel innerhalb von acht Tagen bestritt: acht Einzel, vier Doppel. Da er die Anmeldung zu dieser Veranstaltung verpasst hatte, war ihm die Qualifikation nicht erspart geblieben. „Das Finale war das härteste Match“, befand Souza, der recht schnell wieder lachen konnte.

Im ersten Satz hatte sein Gegner aus dem südbrasilianischen Carazinho dominiert. Wenn man so will, dann hatte Luz, was aus dem Portugiesischen übersetzt Licht heißt, einige lichte Momente: starker Rückhand-Return, kluge Stoppbälle. Die Besucher kamen aus dem Klatschen teilweise kaum heraus. Nur logisch, dass der 20-Jährige den Satz für sich entschied.

Im Schlussdurchgang knüpfte Luz an die Leistung aus dem ersten Abschnitt wieder an – jetzt setzte er wiederholt seine knallharte Rückhand ein. Beim Stand von 4:3 nahm er dem Routinier den Aufschlag ab – und krönte sich kurz darauf zum ersten brasilianischen Sieger an der Burgfeldstraße.

Es war der rauschende Abschluss einer Woche, die gar nicht gut begonnen hatte. Gegen den deutschen Qualifikanten Tim Seibert hatte er beim 4:6, 6:1, 6:3 dicht vor dem Erstrunden-Aus gestanden. Jetzt kniete er auf dem sandigen Boden des Centre Courts und brauchte einige Augenblicke, um seinen Turniersieg zu realisieren. 

Siegreich im Doppel: David Vega Hernandez (vorn) und Joao Souza.

Die Doppel-Entscheidung

Es hatte schon etwas Fantastisches, was die Vier am Samstagabend in Kassel boten. Nein, es geht nicht um den Auftritt einer Stuttgarter Band im Auestadion, sondern um das Doppel-Finale auf dem Centre Court des KTC Bad Wilhelmshöhe. Joao Souza aus Brasilien und sein spanischer Partner David Vega Hernandez lieferten sich ein packendes Duell mit Souzas Landsleuten Orlando Luz und Marcelo Zormann. Anders als in der Musikwelt hieß es allerdings hier nicht: Vier gewinnt. Den Sieg holten sich der 30-jährige Souza und der sechs Jahre jüngere Vega Hernandez durch einen 6:1, 6:4-Erfolg. 

Dabei sorgte vor allem der Spanier für die spektakulären Momente: starke Returns, perfekte Volleys und ein paar raffinierte Passierschläge. Was eine Zuschauerin zu dem Kommentar trieb: „Das sind ja wahre Künstler.“ Tatsächlich bewiesen alle vier Spieler großes Ballgefühl. Den ersten Satzball wehrten Luz/Zormann nach einer kleinen Rallye ab, bei der jeder Akteur gefühlt mindestens viermal quer durchs eigene Feld laufen musste. Kurz darauf setzte sich dennoch das an Position vier gesetzte brasilianisch-spanische Duo durch. Im zweiten Durchgang war es vom Ergebnis her noch enger. Ein frühes Break gab Souza/Vega Hernandez jedoch die nötige Sicherheit, um die Begegnung zu gewinnen. „Es war eine tolle Woche hier in Kassel“, resümierte Vega Hernandez, „ich bin sehr glücklich über unseren Erfolg.“ Dass er im Einzel in der ersten Runde an seinem Doppel-Partner Souza gescheitert war, hatte er am Samstagabend fast vergessen. Am Abend der fantastischen Vier

Die Bilanz

as Lob kam aus berufenem Munde. „Die Wilhelmshöhe Open sind das beste Future-Turnier, bei dem ich je mitgespielt habe“, sagte Marcelo Zormann. Zwar hatte der Brasilianer gerade mit seinem Landsmann Orlando Luz das Doppel-Finale verloren, es war ihm aber dennoch ein großes Bedürfnis, dem Veranstalter ein dickes Kompliment zu machen. Dass das ITF-Tennisturnier auf der Anlage des KTC Bad Wilhelmshöhe bei den Spielern ungemein beliebt ist, war schon eigentlich klar, bevor die Begegnungen überhaupt begannen. Denn zum ersten Mal seit vielen Jahren blieb keiner der 64 Qualifikationsplätze frei. Mehr noch: Die Verantwortlichen mussten sogar zwölf Akteure wieder nach Hause schicken. Im Vorjahr hatten lediglich 45 Spieler gemeldet. Zudem gingen diesmal 16 Doppel an den Start – auch das gab es schon länger nicht mehr. „Wir hatten schon vor dem Finalwochenende einige Duelle, die vom Niveau her auch ein Endspiel hätten sein können“, erklärte Turnierdirektor Eberhard Engelmann zufrieden. 

Eberhard Engelmann (Turnierdirektor)

Erfreulich war darüber hinaus der Zuschauerbesuch: Etwa 3200 Fans kamen auf die Plätze an der Burgfeldstraße. Wenn Engelmann und sein Team ab heute die nächste Auflage vom 14. bis 21. Juli 2019 vorbereiten müssen, wird dies nicht ganz so entspannt geschehen. Der Hintergrund: Die International Tennis Federation (ITF) hat einige grundlegende Änderungen angekündigt. So wird der Sieger im nächsten Jahr keine 35 Weltranglistenpunkte, sondern deutlich weniger bekommen. Allerdings wird es noch eine andere Wertung geben, die es vor allem jungen Spielern erleichtern soll, den Einstieg in das schwierige Profigeschäft zu schaffen. 2020 soll das Teilnehmerfeld noch anders zusammengestellt werden: unter anderem weniger Qualifikanten, dafür fünf feste Plätze für Nachwuchsstarter. 

Die Macher der Wilhelmshöhe Open denken allerdings auch darüber nach, den nächsten Schritt zu machen – vom ITF-Future- zum ATP-Challenger-Turnier. „Dann bräuchten wir noch mehr finanzielle Mittel“, betont Engelmann. Das Preisgeld müsste von bisher 25 000 Dollar (etwa 21 300 Euro) auf 46 000 Dollar (etwa 39 200 Euro) steigen. Zudem wären noch mehr Helfer erforderlich. Schon in der ersten Runde werden bei einem Turnier dieser Güte Schiedsrichter und Ballkinder benötigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.