Yannick Hanfmann bringt so schnell nichts aus der Ruhe

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Voll konzentriert: Mit einer knallharten Rückstand sicherte sich Yannick Hanfmann in Wilhelmshöhe den Sieg.

Kassel. Die 19. Auflage der Wilhelmshöhe Open ist Geschichte. Mit dem Sieg von Yannick Hanfmann ging das höchstdotierte ITF-Tennisturnier in Deutschland am Sonntag zu Ende.

850 Zuschauer waren beim Einzelfinale auf der Anlage des ausrichtenden KTC Bad Wilhelmshöhe dabei - so viele wie noch nie bei der Veranstaltung an der Burgfeldstraße.

Der Sieger

Er stieß einen kurzen Freudenschrei aus und breitete die Arme aus wie ein Adler seine Flügel. Es schien, als wollte der Karlsruher Yannick Hanfmann die ganze Welt umarmen, nachdem er das Endspiel beim Tennis-Weltranglistenturnier Wilhelmshöhe Open gegen den Grünberger Julian Lenz zu seinen Gunsten entschieden hatte. 7:6 (7:5) und 6:1 hieß es nach 79 gespielten Minuten.

Dabei hatte Lenz, der vor allem in der Anfangsphase stabiler wirkte, über weite Strecken des ersten Satzes Vorteile gehabt. Der Mittelhesse führte 4:2 und hielt auch im Tiebreak alle Trümpfe in der Hand, als er mit 4:0 vorn gelegen hatte. „Yannick ist aber immer drangeblieben“, lobte Lenz seinen Kontrahenten. Dieser behielt auch im letzten Spiel des ersten Durchgangs die Nerven und behauptete sich. „Das schafft man nur, wenn du das nötige Selbstvertrauen hast. Ich habe mir gesagt: Erkämpfe dir in Ruhe Punkt für Punkt. Das hat geklappt“, erklärte der 24-Jährige aus Baden. Ein Satzgewinn für die Moral.

Fortan wurde Hanfmann immer sicherer und zog schnell auf 3:1 im zweiten Abschnitt davon. Bezeichnend für seine zeitweilige Überlegenheit: Er nahm dem Gegner das Aufschlagsspiel nicht einfach mit Glück ab - sondern zu null.

Die 850 Zuschauer auf der Anlage des gastgebenden KTC Bad Wilhelmshöhe erkannten, in welcher Situation Lenz steckte und versuchten, ihn mit rhythmischem Klatschen aufzumuntern. Allein es nützte nichts. Bezeichnend: Ein Doppelfehler brachte dem 23 Jahre alten Hessen einen 1:5-Rückstand ein. Kurz darauf machte Hanfmann nach einem langen Ballwechsel mit einer knallharten Rückhand den Erfolg perfekt.

Umgerechnet 3250 Euro kassierte der Karlsruher für den Triumph in Kassel. Zudem werden ihm 35 Weltranglistenpunkte gutgeschrieben. Zuletzt wurde Hanfmann auf Position 500 geführt. Mittlerweile ist er schon 470., die beste Platzierung in seiner Karriere.

Und wenn er so weiter macht, dann wird er in den kommenden Wochen noch ein weiteres Stück nach vorn rücken.

Das Siegerinterview

Herr Hanfmann, zweiter Turniersieg in Folge, zum dritten Mal in Serie in einem Endspiel - wohin soll das noch führen?

Yannick Hanfmann: Ich bin ziemlich müde. Die nächste Woche mache ich frei.

Das heißt?

Hanfmann: Ich fahre nach Hause und spiele ein paar Tage mal weniger Tennis. Aber Urlaub ist das nicht. Das gibt es gar nicht.

Und danach?

Hanfmann: Dann geht es weiter zum Turnier nach Italien.

Sie haben ja auch einen echten Lauf.

Hanfmann: Es fühlt sich wirklich gut an, ich habe mein Spiel gefunden. Ich kann mir zwar vornehmen, dieses oder jenes Turnier gewinnen zu wollen. Letztlich geht es aber darum, sich zu verbessern.

Wie stehen die Chancen, Sie noch mal in Kassel spielen zu sehen?

Hanfmann: Es hat mir hier super gefallen. Das Organisationsteam, die Platzwarte - alle haben einen Superjob gemacht. Dennoch müsste ich es mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen, wenn ich hierher zurückkehren würde.

Inwiefern?

Hanfmann: Denn das würde bedeuten, dass ich immer noch keine ganz großen Turniere spiele.

Impressionen vom Tennisturnier in Wilhelmshöhe

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