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Interview mit Handball-Nationalspielerin Xenia Smits - „Thema ist für uns als Mannschaft abgeschlossen“

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Von: Björn Mahr

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Führungspersönlichkeit: Xenia Smits.
Führungspersönlichkeit: Xenia Smits. © IMAGO/WOLF-SPORTFOTO

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft startet Samstag in die Handball-EM. Über das Turnier und die Vorwürfe gegen den früheren Bundesliga-Trainer André Fuhr haben wir mit Xenia Smits gesprochen.

Kassel – Der vorletzte EM-Test bescherte den deutschen Handballerinnen in Tatabanya einen 31:20-Kantersieg gegen Gastgeber Ungarn. Heute steigt dort ab 18 Uhr (live bei Sport 1) mit einer Partie gegen Rumänien die Generalprobe für das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch.

Die EM beginnt für die DHB-Auswahl am Samstag ab 20.30 Uhr (sportdeutschland.tv) im montenegrinischen Podgorica mit einem Spiel gegen Polen. Wir haben vor dem letzten Test mit Rückraumakteurin Xenia Smits über das Turnier, aber auch über die schweren Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Bundesliga-Trainer André Fuhr gesprochen.

Der EM-Start rückt näher. Inwieweit konnte die Mannschaft überhaupt schon den Fokus für den Turnierstart finden?

Wir haben eine intensive Trainingswoche in Großwallstadt hinter uns. Jetzt sind wir in Ungarn und richten das Augenmerk auf die letzten Einheiten und Testspiele. Danach legen wir den Fokus immer mehr auf die Europameisterschaft – zunächst mannschaftsintern, dann gegnerbezogen.

Wie schwierig war der Beginn der Vorbereitung?

Es ist immer nicht leicht, sich zusammenzufinden, wenn die Spielerinnen aus vielen verschiedenen Vereinen kommen. Diesmal lag der letzte Lehrgang allerdings nur drei Wochen zurück. Trotzdem muss der Bundestrainer erst mal alle Spielerinnen auf das gleiche Level bringen. Einige haben in ihren Klubs viel, andere wenig gespielt. Es gilt auch wieder, die Taktik zu verinnerlichen. Das gelingt uns aber recht schnell.

Sie gehören zu den erfahrenen Kräften. Waren Sie in den vergangenen Tagen besonders gefordert?

(schmunzelt) Stimmt, ich bin auch Mitglied des Mannschaftsrates und habe etwas mehr Erfahrung mit dem neuen Bundestrainer. Deswegen kann ich schon bestätigen, dass ich durchaus mehr gefordert war. Zumal ich vielleicht auch etwas schneller verstehe, was er von uns erwartet. Da kann ich der einen oder anderen Kollegin schon ein bisschen helfen.

Sie haben in Blomberg unter jenem Trainer gearbeitet, dem jetzt psychische Gewalt vorgeworfen wird. Wie gehen Sie mit der Situation um?

Wir haben darüber als Mannschaft zu Beginn des Lehrgangs noch einmal ausführlich gesprochen. Das war notwendig und gut.

Was erhoffen Sie sich vom Verband?

Der DHB hat eine unabhängige Kommission ins Leben gerufen. Damit ist das Thema für uns als Mannschaft vor der EM abgeschlossen. Wir starten selbstbewusst ins Turnier und machen uns dazu keine Gedanken mehr.

Was wünschen Sie sich für den Start ins Turnier?

Erst mal so viele Punkte wie möglich in der Vorrunde – und dann hoffentlich mit einem positiven Gefühl in die Hauptrunde gehen.

Wie schätzen Sie die Gruppengegner Polen, Montenegro und Spanien ein?

Das sind alles Teams, die wir schlagen können, die aber auch uns bezwingen können. Montenegro ist Mit-Ausrichter, gegen solche Mannschaften ist es nie leicht. Und von Spanien ist durch die WM im vergangenen Jahr ein kleiner Beigeschmack hängen geblieben. Dennoch müssen wir liefern. Wir freuen uns auf die Aufgaben.

Als Profi in Bietigheim sind Sie durchaus erfolgsverwöhnt. Inwiefern hilft es, wenn der Bundestrainer und einige Spielerinnen aus Bietigheim kommen?

Es ist egal, aus welchem Verein die Spielerinnen kommen – es ist immer ein kleiner Vorteil, wenn einige Akteurinnen oft zusammenspielen. Dass Markus Gaugisch auch unser Klubtrainer ist, ist ganz praktisch. Dadurch wissen wir, was er mit taktischen Maßnahmen erreichen möchte und was er von uns erwartet. Das macht es leichter, gewisse Vorgaben umzusetzen. Mit einer Vereinskameradin in der Nationalmannschaft auf dem Feld zu stehen, löst immer auch ein paar heimatliche Gefühle aus und gibt Vertrauen.

Bietigheimerinnen sind durch die vielen Titelgewinne in der Saison 2021/22 erfolgsverwöhnt. Hilft das auch?

Ja und nein. Wir sind hier eine ganz andere Gruppe. Es bringt allerdings Erfahrungen mit sich, die wir nutzen können – gerade in wichtigen Partien.

Was trauen Sie dem deutschen Team zu?

Wenn wir an uns glauben und die Vorrunde gut überstehen, dann können wir in einen Flow kommen. Und dann stehen uns alle Türen offen.

Zur Person

Xenia Smits (28 Jahre) gab 2014 ihr Debüt im Handball-Nationalteam der Frauen. Seither bestritt sie 87 Länderspiele. Die Halblinke spielt für den amtierenden Deutschen Meister, Pokalsieger und European-League-Gewinner SG BBM Bietigheim. Zuvor stand sie in Diensten von Metz (Frankreich) und Blomberg-Lippe. Die in Belgien geborene Smits kam als Jugendliche ins Nachwuchsleistungszentrum der HSG Bad Wildungen – ohne ein Wort deutsch zu sprechen. Von 2020 bis 2022 spielte ihre Schwester Munia für Wildungens Vipers. 

Von Björn Mahr

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