Zollstock-Interview

Thorsten Bauer: Lauftraining und Lust auf Liverpools Titel

Auf Distanz: Der Rekordtorjäger des KSV Hessen, Thorsten Bauer (rechts), und Sportredakteur Frank Ziemke trafen sich zum Gespräch am Auestadion.
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Auf Distanz: Der Rekordtorjäger des KSV Hessen, Thorsten Bauer (rechts), und Sportredakteur Frank Ziemke trafen sich zum Gespräch am Auestadion. Foto: ANDREAS FISCHER

Distanz wahren, aber dennoch im Gespräch bleiben: Im Zollstock-Interview äußert sich diesmal "Fußballgott" Thorsten Bauer, Idol des KSV Hessen Kassel.

Nichts läuft normal. In Coronazeiten trifft das auch auf das Arbeiten in der Sportredaktion zu. Mit Akteuren des heimischen Sports haben wir uns zu Zollstock-Gesprächen verabredet – damit der Abstand gewahrt bleibt. Diesmal steht Thorsten Bauer Rede und Antwort. Der frühere Stürmer des KSV Hessen Kassel ist Rekordtorjäger der Löwen und wird von den Fans immer noch als „Fußball-Gott“ – so der damalige Schlachtruf für Bauer – geadelt. Bauer ist heute Regional-Geschäftsführer der Barmer Kassel.

1. Was nervt am meisten in diesen Tagen?

Der ständige Bezug zu Corona im Privaten wie Beruflichen. Vor allem bei Whats-App nerven all diese Videos, Challenges, Kettenbriefe und, und, und. Ganz ehrlich: Ich muss nicht ständig sehen, wie lange jemand Klopapier jonglieren kann. Für meine Kinder tut mir leid, dass sie ihre Freunde nicht treffen können. Ich merke auch, dass sie deshalb derzeit nicht richtig ausgelastet sind.

2. Was ist die größte Herausforderung?

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ich bin im Büro, meine Frau arbeitet im Homeoffice. Unsere beiden Töchter sind zuhause. So sehr ich die beiden liebe, ich beneide meine Frau derzeit nicht.

3. Was überrascht?

Positiv, wie viele Menschen sich richtig gut an die Kontaktsperre halten. Negativ aber leider auch, dass es immer noch Menschen gibt, die das komplett ignorieren und dabei auch noch ihre gute Kinderstube vergessen. Das ist mir unbegreiflich.

4. Wie sieht es mit dem eigenen Sporttreiben aus?

Mir fehlt das Montags-Training in der La-Ola-Halle mit der KSV-Traditionsmannschaft und das mit meiner Alt-Herren-Truppe von Vollmarshausen/Wellerode. Mir fehlen die Spiele, zumal wir derzeit auf einem Aufstiegsplatz stehen. Aber: Ich gehe so viel Laufen wie lange nicht. Dazu kommen Radtouren mit der Familie. Und weil ich gerade auch gefastet habe, wiege ich derzeit sogar etwas weniger als am Ende meiner aktiven Laufbahn.

5. Und wie sieht es mit dem TV-Konsum aus?

Der hält sich in Grenzen. Klar, es kommt ja kein Sport im TV. Wenn, dann gucke ich Kinderfilme mit meinen Töchtern. Und mit meiner Frau schaue ich die Serie „Haus des Geldes“ auf Netflix.

6. Wie viele Rollen Klopapier haben Sie zu Hause?

Tatsächlich einige Rollen. Als die Regale ständig leer waren, hat meine Frau irgendwann Panik bekommen und mich losgeschickt. Wir würden also sicher ein paar Tage ohne neue Käufe überleben (lacht).

7. Mit wem würden Sie aktuell am wenigsten tauschen wollen?

Definitiv mit den Politikern. In deren Haut möchte ich nicht stecken. All das Abwägen müssen mit den Sorgen um unsere Gesundheit auf der einen und unserer Wirtschaft auf der anderen Seite – da kannst du es doch nie allen recht machen. Ehrlicherweise muss ich auch sagen: Mit Ärzten, Pflegern, Krankenschwestern könnte ich nicht tauschen. Diese Verantwortung zu tragen, dazu immer in der Gefahr, sich selbst anzustecken, diese Menschen verdienen unseren höchsten Respekt.

8. Gibt es etwas, dass Sie auch angenehm finden?

Man fährt in diesen Tagen etwas runter, muss sich nicht ständig verabreden, unterwegs sein. Dafür besinnt man sich auf die Familie. In der Beziehung ist das für die Kinder, glaube ich, grade eine tolle Zeit. Wir sind viel im Wald unterwegs oder auf dem Rad. Ich genieße das.

9. Wie groß ist die Lust auf Normalität?

Einfach unglaublich groß. Es wäre schön, wenn Kinder wieder in die Kita oder die Schule gehen können, dass sie ihre Großeltern wieder sehen – und das nicht nur auf Sicherheitsabstand am Gartenzaun. Es gibt aber auch ganz banale Dinge. Wenn mein Lieblings-Verein Liverpool nach 30 Jahren die verdiente Meisterschaft feiern könnte, würde mir das viel bedeuten. Genauso wichtig wäre mir der Aufstieg des KSV Hessen, selbst wenn es vielleicht nur am Grünen Tisch ist.

10. Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als Erstes tun?

Sofort ein Eis essen gehen. Und mir ein Live-Spiel ansehen statt einer Konserve. Wenn es nicht im Stadion geht, dann wenigstens am TV.
Steckbrief
Thorsten Bauer
Alter
: 42
Wohnort: Lohfelden
Verein: KSV Hessen Kassel
Privates: Verheiratet, zwei Kinder.

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