15-Jährige Sophie Klee im Interview

Junges Tischtennis-Talent aus Niestetal nimmt an Deutscher Meisterschaft teil 

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Ein Ass an der Platte: Tischtennis-Talent Sophia Klee startet zum dritten Mal bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren – mit 15 Jahren.

Kassel. Die Niestetalerin Sophia Klee (15) nimmt an der Deutschen Tischtennis-Meisterschaft in Wetzlar teil – und das bereits zum dritten Mal.

Sie tritt ab Samstag in Einzel, Doppel und Mixed an.

Sophia, wie müssen wir uns das vorstellen: Hängt ein Poster von Timo Boll in deinem Zimmer?

Nein. Ich habe zwar Vorbilder, aber ich bin ziemlich offen und nicht auf eine Person festgelegt. Im Tischtennis kann ich mir von vielen Topspielern etwas abgucken. Klar, Timo gehört dazu, aber auch die chinesischen Spitzenspieler. Dabei achte ich viel auf mentale Dinge und gucke, in welchen Situationen sie welche Schläge einsetzen. Es geht mir weniger um die Technik. Die ist Sache der Trainer.

Boll spielt seine letzte Deutsche Meisterschaft – das könnte die letzte Gelegenheit für ein Selfie sein.

Timo läuft mir ständig über den Weg. Da frage ich nicht mehr nach einem Foto. Anders war es, als ich acht Jahre war und ihn zum ersten Mal getroffen habe. Da war das ein Riesenthema. Heute duzen wir uns, kennen uns gut. Das ist wie in einer kleinen Familie.

Wie gehen denn die alten Hasen mit euch jüngeren Spielern um?

Bei solch einem Turnier sprechen wir gar nicht groß miteinander, selbst wir Jugendlichen untereinander nicht. Grundsätzlich aber wirst du nicht abgestempelt im Sinne von: Du bist eine Generation unter mir. Ich bin zwar erst 15 und doch schon 15, je nach Blickwinkel. Denn es kommt eine neue Generation nach.

Das klingt schon kurios. Wenn Du mit 15 kein klassischer Nachwuchs mehr bist, wer ist es dann?

Ich bin Jahrgang 2003, die nächste Generation sind die Jahrgänge von 2004 runter bis 2010. Ich gehöre mittlerweile zu den Jugendlichen und nicht mehr zu den ganz Kleinen, die bei Turnieren alles machen müssen.

Und warum darfst du dann schon so lange bei den Senioren starten?

Im Tischtennis ist die Top-Szene eher klein. Es gibt zehn gute Senioren und dann kommen schon die Jugendlichen, die mit ihnen auf gleicher Höhe sind. Deshalb sind bei einer Deutschen Meisterschaft auch viele Jugendliche dabei. Für uns geht es aber weniger um Platzierungen, sondern darum, Erfahrungen zu sammeln. Denn es ist gut, gegen Erwachsene zu spielen. Aus diesen Duellen kann ich viel mitnehmen: Sie spielen taktisch anders. Ich kann mir einiges abgucken, und das hilft mir, in den entscheidenden Phasen eines Spiels besser zu sein.

Du bist im Jugendbereich auch bei internationalen Turnieren unterwegs – welchen Stellenwert hat da die Deutsche Meisterschaft?

Je älter ich werde, umso wichtiger wird sie. Bei solch einem Turnier kannst du nur gewinnen. Denn man kann für eine Überraschung sorgen. Als ich zum Beispiel bei meinem ersten Start gleich Dritte im Doppel geworden bin, war das schon eine kleine Sensation. Denn wir waren zwölf und 13 Jahre alt. Überhaupt ist es toll, die ganze Atmosphäre und das Drumherum zu genießen. Beim Einlaufen etwa, da gibt’s eine Feuershow. Das ist schon toll.

Hast du dir bestimmte Ziele gesetzt?

Ich bin an Position 13 gesetzt. Da wäre es schon cool, wenn ich meine Setzung erfüllen könnte. Aber alle aus den Top 16 spielen keine Gruppenphase, und die ist eigentlich gut zum Aufwärmen. So gehe ich gleich kalt an den Tisch. Da kommt es also auch ein bisschen auf die Auslosung an. Insgesamt aber will ich einfach gutes Tischtennis spielen.

Wie sehen die Tage rund um ein solches Turnier aus, auch mit Blick auf die Schule?

Die Schule sehe ich nicht so oft. Ich habe 60 Fehltage pro Halbjahr. Ich bin froh um jeden Tag, den ich tatsächlich in der Schule bin. Aber so lange ich gut in der Schule bin, ist das alles zu schaffen. Ich bin oft bei internationalen Turnieren, bei Lehrgängen, mal auf Länderspielreise. Den Stoff arbeite ich dann nach.

Da brauchst Du vermutlich ziemlich viel Disziplin, oder?

Ja, auf jeden Fall. Aber ich spiele Tischtennis seit meinem vierten Lebensjahr. Ich liebe es und bin immer dabei geblieben. Und ich weiß ja, wofür ich all das mache: Mein Ziel ist Olympia. 2020 in Tokio kommt noch zu früh, Aber die Sommerspiele 2024, die sind das Fernziel.

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