Pfarrer Klaus-Jürgen Fackiner spielt seit seiner Jugend Tischtennis – und schimpft dabei auch mal

Konzentration und ein kurzes Gebet

Spielt seit seiner Kindheit Tischtennis, von Beruf ist er Pfarrer: Klaus-Jürgen Fackiner. Foto:  Kaliske

Willersdorf. „Gerald, Du Schafskopf!“ Ein leicht verschlagener Ball lockt diese laut ausgesprochenen Worte aus dem Mund von Gerald Fackiner. Die derbe Selbstkritik ist gut zu hören von allen in der Reddighäuser Sporthalle am Lehmberg. Dort läuft gerade das allerletzte Saisonspiel der Tischtennis-Kreisliga Süd zwischen dem SV Reddighausen III und dem TSV Bottendorf/Willersdorf.

Schimpfen über sich selbst

Dass auch mal ordentlich geschimpft wird, wenn es nicht so läuft, das ist durchaus üblich, bestätigt Klaus-Jürgen Fackiner. Der ältere Bruder der Fackiners ist Diakoniepfarrer und steht seit seiner Kindheit an der Platte. „Da zeigt man auch Emotionen“, sagt der 59-jährige Willersdorfer und stellt aber im gleichen Atemzug klar: „Tischtennisspieler schimpfen so nur über sich selbst, es gibt kein böses Wort zum Gegner.“

Pfarrer und Fluchen, das passt ja irgendwie auch nicht zusammen. Dabei ist der Vorsitzende des Diakoniewerkes in Korbach, der als Gemeindepfarrer noch die Orte Armsfeld und Hundsdorf betreut, beim Tischtennis eben ein Sportler wie jeder andere auch. „Schitte“ flucht er denn auch mal leise, wenn sein Ball weit über den Tisch hinaus am Gegner vorbeifliegt. „Es ist nicht so, dass Pfarrer mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind für den Tischtennis-Sport.“

Das Doppel, das er an diesem Abend mit seinem zehn Jahre jüngeren Bruder Gerald bestreitet, haben die Fackiners relativ problemlos in drei Sätzen gewonnen: 11:6, 11:8, 11:9. „Das war der erste Streich“, sagt Klaus-Jürgen zufrieden. Der fast 1,90 Meter große Sportler beschreibt sich selbst als „Defensiv- bis Allround-Spieler“. „Ich spiele einen Angriff eher mit Topspin als mit harten Schlägen. Ich kann mir defensiv auch helfen“, erläutert Klaus-Jürgen Fackiner. Mit Gerald klappt das Doppel gut. „Mein Bruder spielt aggressiver als ich. Ich versuche Kontrolle ins Spiel zu bringen. Und er muss die Bälle dann verwerten“, sagt Klaus-Jürgen. Was so einfach klingt, ist so leicht allerdings nicht.

Abwartend steht Klaus-Jürgen Fackiner seinen Gegnern am Tisch in der blauen Trainingsjacke und der kurzen Hose gegenüber. Unter dem Tisch steht eine kleine Flasche Apfelschorle, am Querstreben hängt ein grünes Handtuch, um sich auch einmal die Schweißtropfen von der Stirn zu wischen. „Tischtennis ist ein Konzentrationssport, kurze Gebete bisweilen eingeschlossen“, sagt der Pfarrer.

Auffallend beim sportlichen Geistlichen ist sein ungewöhnlicher Aufschlag. Weit außen am rechten Eck des Tisches stehend, wirft Fackiner den Ball hoch in die Luft, geht tief in die Knie, um ihn dann blitzschnell flach über das Netz dem Gegner zu servieren. So mancher Punkt ist ihm da sicher. „Sorry, aber das kann man als eine meiner Stärken bezeichnen“, gibt Fackiner bescheiden zu.

Im mittleren Paarkreuz ist Klaus-Jürgen Fackiner nicht nur an diesem Abend eine Bank für seine Mannschaft. Sein ruhiges und unaufgeregtes Spiel bringt ihm diesmal in seinen beiden Einzeln zwei sichere Dreisatz-Siege. „Ich habe einen Hang zu abwartendem Spiel. Und ich versuche, Schwächen bei meinem Gegner zu finden“, beschreibt er seinen Stil.

Die Hauptsache zum Schluss

Nach gut zwei Stunden steht ein 9:3-Gesamterfolg seiner Mannschaft zum Saisonabschluss zu Buche. Kurz vor dem Ende hatte Fackiner noch das Nesthäkchen des Teams, den 45-jährigen Marco Scheerer, angefeuert. Dann wurde der obligatorische Bierkasten in die Halle gebracht. „Jetzt kommt die Hauptsache“, sagt Fackiner und lacht. Der Mann hat auch Humor und kann auf seine langjährige Erfahrung bauen. „Tischtennis ist eine schöne Abwechslung. Solange es gesundheitlich geht, spiele ich noch“, fügt er abschließend hinzu.

Von Hans Dreier

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