Harte Strafen gegen südhessischen TV Nauheim – Keine Fälle aus dem Kreis bekannt

Mauschelei im Tischtennis

Dieter Salmen

Kassel. Die Sache hatte in Südhessen für reichlich Wirbel gesorgt. Und das Sportgericht des Hessischen Tischtennis-Verbandes auf den Plan gerufen. Es verhandelte in der Angelegenheit gegen mehrere Spieler und den Abteilungsleiter eines Klubs und sprach drastische Strafen aus. Worum ging es?

Der Sachverhalt

Laut Auffassung des Gerichts unter Vorsitz von Hans-Karl Schäfer hatten sich zehn Spieler von Bezirksligist TV Nauheim (Kreis Groß-Gerau) und dessen Abteilungsleiter bei einem Turnier im Rahmen des VR-Cups darauf verständigt, den Ranglistenwert (TTR-Wert) eines ihrer Spieler zu steigern. Dieser soll gegen andere Teilnehmer, die in der Rangliste weit vor ihm standen, gewonnen haben. Der Nauheimer Spieler, angeblich auch Sponsor der Abteilung, sammelte so 96 Punkte. Damit sollte sein Verbleib in der ersten Mannschaft gesichert werden. Zudem waren nach Ansicht des Gerichts nur Spieler an der Platte, die dem TV Nauheim angehörten, dorthin wechseln wollten oder ihm verbunden waren. Das Gericht kam zur Überzeugung, dass besagte Spiele nicht stattgefunden hatten.

Die Strafen

Gegen den Spieler F. verhängte das Gericht eine Sperre von 18 Spielen und eine Geldbuße von 300 Euro. Der für den Teilnehmerkreis und das Turnier verantwortliche Nauheimer Spieler wurde für 15 Spiele gesperrt. Der Abteilungsleiter des Vereins muss zwölf Spiele lang aussetzen und darf zwei Jahre lang kein Amt im Klub bekleiden. Acht weitere Spieler müssen neunmal aussetzen. Die illegal gewonnen Ranglistenpunkte werden gestrichen. Revision hat bisher keiner der Verurteilten beantragt.

Der Kreis-Tischtenniswart

Kreis-Tischtenniswart Günter Wedekind reagiert überrascht und mit Unverständnis auf die Vorkommnisse. „Was soll das? Da wird eine gute Sache wie der VR-Cup ausgenutzt“, sagt er. „Theoretisch geht das immer, wenn man sich auf offiziellen Turnieren zum Betrug verabredet. Aber mir ist kein Fall aus der Region bekannt“, erklärt Wedekind und gibt zu Bedenken: „Das macht wenn überhaupt nur bedingt Sinn. Einer gewinnt Punkte dazu, aber andere verlieren sie.“

Die Vereinsfunktionäre

Ob bei den VR-Turnieren häufiger manipuliert wird, vermag Dieter Salmen, Abteilungsleiter der SVH Kassel nicht zu beurteilen: „Schwer zu sagen. Wer weiß was passiert, wenn einer mal ein paar Punkte braucht.“

Norbert Buntenbruch, in gleicher Funktion beim GSV Eintracht Baunatal tätig, sieht es so: „Der Fall Nauheim ist eher einmalig. Betrugsversuche wären dumm. Es kommt doch alles raus.“

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