Harte Strafen gegen südhessischen TV Nauheim – Keine Fälle aus dem Kreis bekannt

Mauschelei im Tischtennis

Ausgespielt: Lange Sperren verhängte das Tischtennis-Verbandssportgericht gegen Spieler und einen Funktionär wegen Manipulationen bei einem Turnier im Rahmen des VR-Cups. Archivfoto: dpa

Kassel. Die Sache hatte in Südhessen für reichlich Wirbel gesorgt. Und das Sportgericht des Hessischen Tischtennis-Verbandes (HTTV) auf den Plan gerufen. Es verhandelte in der Angelegenheit gegen mehrere Spieler und den Abteilungsleiter eines Klubs und sprach drastische Strafen aus. Worum ging es?

Der Sachverhalt

Laut Auffassung des Gerichts unter Vorsitz von Hans-Karl Schäfer hatten sich zehn Spieler von Bezirksligist TV Nauheim (Kreis Groß-Gerau) und dessen Abteilungsleiter bei einem Turnier im Rahmen des VR-Cups darauf verständigt, den Ranglistenwert (TTR-Wert) eines ihrer Spieler zu steigern. Dieser soll als eigentlich chancenloser Außenseiter gegen andere Teilnehmer, die in der Rangliste weit vor ihm standen, gewonnen haben. Der Nauheimer sammelte so 96 Punkte. Damit sollte sein Verbleib in der ersten Mannschaft gesichert werden.

Zudem waren nach Ansicht des Gerichts nur Spieler in der Halle, die dem TV Nauheim angehörten, dorthin wechseln wollten oder ihm verbunden waren. Das Gericht war überzeugt, dass besagte Spiele nicht stattgefunden hatten.

Die Strafen

Gegen den Spieler F. verhängte das Gericht eine Sperre von 18 Spielen und eine Geldbuße von 300 Euro. Der für den Teilnehmerkreis und das Turnier verantwortliche Nauheimer Spieler wurde für 15 Spiele gesperrt. Der Abteilungsleiter des Klubs muss zwölfmal aussetzen und darf zwei Jahre lang kein Amt im Klub bekleiden. Acht Spieler müssen neunmal zuschauen.

Die Bewertung

Hans-Karl Schäfer, der Vorsitzende des Verbandssportgerichts aus Wildeck-Obersuhl, hält die von den Volks- und Raiffeisenbanken gesponserten VR-Cups grundsätzlich für eine tolle Sache - gerade zur Überbrückung der langen Sommerpause. Doch da bei diesen Turnieren keine Oberschiedsrichter anwesend sein müssen, seien Manipulationen möglich. „Der HTTV-Vorstand wird sich mit dem Thema beschäftigen“, kündigt Schäfer an. Diese sind laut Schäfer in Südhessen auch verbreiteter als im nördlichen Landesteil. Schäfer ist sich aber der Tatsache bewusst, dass es auch bei offiziellen Veranstaltungen wie Kreisranglisten-Spielen leicht möglich ist, bei Ranglistenpunkten zu betrügen. „Aber das ist ganz schwer nachzuweisen.“ Dass es zu den Strafen gegen den TV Nauheim kommen konnte, bezeichnet er als Glücksfall. Einer der an der Manipulation Beteiligten hatte bei Facebook Urlaubsbilder aus Spanien gepostet - just zu der Zeit, als er eigentlich am Nauheimer Turnier teilgenommen haben sollte.

Von Wolfgang Bauscher und Thomas Walger

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