Ingo Häusler spielt seit Jahrzehnten Tischtennis und will jetzt Jüngeren Platz machen

Meister mit 80 Jahren

Meister in der 1. Kreisklasse Nord: Die Tischtennis-Spieler vom TSV Eintracht Felsberg III: Marco Schultze (von hinten links), Ingo Häusler, Stefan Zeinar, Holger Bartholomäus. Carsten Weber (vorne von links), Lothar Hanse, Rudi Kuhn und Klaus Otto. Fotos: Schneider

Felsberg. Das schafft nicht jeder. Seit sieben Dekaden spielt Ingo Häusler Tischtennis. Zum Abschluss seiner Karriere wurde der 80-Jährige mit dem TSV Eintracht Felsberg III Meister in der 1. Kreisklasse und schaffte damit den Aufstieg in die Kreisliga.

Häusler kam im letzten Saisonspiel gegen Niedervorschütz II zum Einsatz, machte mit seinen Gegnern, die er teils seit Jahrzehnten kennt, kurzen Prozess und sagte dann: „Jetzt ist es an der Zeit, jüngeren Spielern Platz zu machen.“ So ganz genau weiß der seit 53 Jahren verheiratete Ehemann gar nicht, wie viele Spiele er in seiner 70 Jahre lang andauernden Tischtennis-Karriere absolviert hat. „Es könnten so ungefähr 1500 gewesen sein. Bestimmt habe ich mehr Partien gewonnen als verloren“, sagt der 80-Jährige und lacht dabei verschmitzt.

Ihn zu erreichen ist gar nicht so einfach. Der vierfache Großvater ist viel unterwegs, sitzt für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung und fährt gerne Motorrad. Interessant: Trotz seines hohen Alters ist der Felsberger ziemlich modern aufgestellt. Über die App whatsapp hält er Kontakt zu seinen drei Kindern (50 Jahre, 47 und 36) und zur Mannschaft, im Quizduell (Nickname: kant1935) lehrt er der jüngeren Generation das fürchten.

Aufgewachsen in Taura bei Leipzig flüchtete seine Familie 1951 aus der DDR. Sein Vater wurde enteignet und Häusler hätte in dem sozialistischen Staat keine Chance gehabt, Ingenieur zu werden. So kam die Familie nach Hann.Münden. In Südniedersachsen schloss der damals 16-Jährige seine Lehre als Edelpelz-Zurichter ab, ging zum TTC Hann.Münden, spielte dort bis zur Verbandsklasse und studierte ab 1963 an der Uni Kassel Ingenieurswesen. Im Tischtennis verließ sich der Akademiker schon damals auf seinen geliebten Barna-Schläger, rüstete auch während seiner Karriere nie auf den Schaumgummi-Schläger um.

„Ballwechsel gibt es bei mir nicht viele. Ich knüppel immer drauf.“

Ingo Häusler, sieht sich als Angriffsspieler.

Weil er seine Spiele immer schnell beendet und nach Hause will, kam es einmal fast zu einem Punktverlust seiner Felsberger Mannschaft, für die er seit 1990 spielt. Kapitän Marco Schultze erinnert sich: „Ingo war schon wieder fertig. Wir mussten aber noch ins Doppel. Ich musste ihn dann aus dem Auto holen. Er wollte gerade losdüsen.“ Auch ansonsten ist Häusler viel in Bewegung, mit dem Motorrad (1100er BMW/95 PS) fuhr er zu seiner Tochter – bis nach Schottland. Der Klavierspieler hält sich fit, geht mit seiner Frau Gudrun Wandern, schläft gerne lange und isst viel Fisch.

Vielleicht das Geheimrezept für ein sportliches, langes Leben. Aber auch die geistige Bewegung kommt bei dem Tischtennis-Spieler nicht zu kurz. Derzeit liest er „1812: Napoleons Feldzug in Russland“. Zweimal im Jahr gibt Häusler zudem philosophische Seminare in Hofgeismar. Nun geht der dreimalige Aufsteiger (mit Hann.Münden, Spangenberg und Felsberg) erstmal in die Tischtennis-Rente.

Oder doch nicht? „Ich bleibe Reserve-Spieler. Wenn die Mannschaft mich braucht, bin ich über whatsapp zu erreichen“, sagt Häusler und muss schon wieder los.

Von Daniel Schneider

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