Der 22-Jährige spielt für den TTC Bad Homburg

Nils Hohmeier aus Echte hat es in die 1. Tischtennis-Bundesliga geschafft

Tischtennisprofi Nils Hohmeier vom TTC OE Bad Homburg im Einsatz.
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Bei drei von sechs Bundesliga-Partien war Nils Hohmeier für seinen TTC OE Bad Homburg im Einsatz. Ein Sieg gelang ihm noch nicht. Dennoch ist der Profi aus Echte bisher sehr zufrieden.

Nils Hohmeier hat sich seinen Traum erfüllt. Der 22-Jährige aus Echte ist Tischtennisprofi und spielt mittlerweile in der 1. Bundesliga.

Echte - Statt auf dem Sportplatz oder in der Turnhalle zu trainieren, verbringt ein Großteil der Amateursportler die Freizeit aktuell in den heimischen vier Wänden. Notgedrungen, denn aufgrund der Coronapandemie ist die Saison überwiegend zunächst bis zum 31. Dezember unterbrochen.

Dies gilt nicht für Nils Hohmeier. Der Tischtennisprofi aus Echte steht weiterhin voll im Saft. Wir hatten die Gelegenheit, zwischen zwei Trainingseinheiten mit dem Spieler des Erstligisten TTC OE Bad Homburg in seiner Wahlheimat Düsseldorf zu sprechen.

Herr Hohmeier, seit dem 6. September und der 1:3-Heimniederlage gegen den TTC Neu-Ulm läuft für Ihren Verein die erste Saison in der 1. Bundesliga der Vereinsgeschichte. Vermissen Sie es, regelmäßig aufgestellt zu werden?

Nils Hohmeier: Zunächst einmal freue ich mich riesig, in der 1. Liga spielen zu dürfen. Es ist vollkommen normal, dass ich in meiner ersten Saison dort noch nicht jedes Spiel bestreite. Bislang war ich in drei der sechs Partien dabei. Das ist gar nicht so wenig, finde ich. Natürlich vermisse ich es, an jedem Wochenende am Tisch zu stehen, doch mit meinen bisherigen Einsatzzeiten bin ich sehr zufrieden.

Einmal kamen Sie auch schon als Spitzenspieler der Reserve in der Oberliga Hessen zum Einsatz. War das Mitwirken geplant?

Hohmeier: Da in der 1. Mannschaft nur drei Spieler aufgestellt sein müssen, wollte es der Verein sehr gern, dass Maksim Grebnev und ich auf dem Meldebogen der Reserve stehen. Eine Woche vor der Partie gegen Biebrich wurde ich gefragt, ob ich spielen könnte, denn einige Stammspieler der Zweiten standen nicht zur Verfügung. Für mich war das kein Problem. Es war ein wichtiges Match, das wir 9:3 gewonnen haben.

Sind weitere Partien für Sie in der 2. Mannschaft vorgesehen?

Hohmeier: Aktuell erst einmal nicht, denn die Oberliga-Saison ist bis zum 31. Dezember unterbrochen. Sollte am Ende ein Relegationsspiel um den Aufstieg oder eine ähnlich wichtige Begegnung anstehen, wäre ich der Letzte, der nicht aushelfen würde.

Zurück zur 1. Bundesliga. In drei der sechs Begegnungen kamen Sie zum Einsatz und mussten jeweils eine Niederlage einstecken. Wie groß ist die Enttäuschung, noch kein Spiel gewonnen zu haben?

Hohmeier: Zunächst einmal teilen wir als Mannschaft die Enttäuschung, noch keinen Sieg eingefahren zu haben. Schließlich verlieren wir gemeinsam. Jeder von uns hat schon knappe Spiele verloren. Ich habe in meinen ersten Matches einen guten Eindruck hinterlassen. Auswärts musste ich schon zweimal gegen die gegnerischen Spitzenspieler Benedikt Duda und Steffen Mengel antreten. Ich kann mir wenig vorwerfen. Die Enttäuschung hält sich deshalb auch in Grenzen.

Gegen Tomas Polansky kamen Sie immerhin in den Entscheidungssatz.

Hohmeier: Wir sind gleich alt und kennen uns noch aus der gemeinsamen Jugendzeit. Ich hatte mir schon etwas ausgerechnet, wenngleich Tomas sehr gut in Form ist und auch schon den Weltklasse-Mann Hugo Calderano bezwungen hat. Ich war kurz vor dem Sieg, habe aber noch in fünf Sätzen verloren. Am Ende entschieden Kleinigkeiten.

Was nehmen Sie aus den drei Einzeln mit?

Hohmeier: Ich wusste vorher, dass das Niveau viel höher als in der 2. Bundesliga sein würde. Es hört sich vielleicht komisch an, aber trotz der bisherigen Niederlagen sind wir in der Klasse nicht falsch aufgehoben. Als junge Mannschaft befinden wir uns auf einem guten Weg. Die Ergebnisse haben allerdings auch gezeigt, dass noch ein weites Stück und viel Training vor uns liegen.

Welche Unterschiede haben Sie im Vergleich zur 2. Bundesliga ausgemacht?

Hohmeier: Die 1. Liga ist deutlich professioneller. Das gilt sowohl für die Spielbedingungen als auch für das gesamte Drumherum. Die Medienwirksamkeit ist ebenfalls eine andere. Bei unserer Partie in Düsseldorf war beispielsweise der Hessische Rundfunk mit einem Fernsehteam vor Ort. Der Hauptunterschied sind aber die Spieler, denn schließlich steht jetzt ein Timo Boll vor dir. Das Niveau ist einfach brutal hoch.

Fünf Begegnungen stehen in der Hinrunde noch auf dem Programm. Gegen wen werden Sie dabei sein?

Hohmeier: Das weiß ich nicht. Und selbst wenn ich es wüsste, würde ich es jetzt nicht sagen (lacht). Unser Trainer Tobias Beck entscheidet immer kurzfristig - meistens so ein oder zwei Tage vor dem Spiel - wer in die Box gehen darf. Ich gehe aber davon aus, dass ich noch weitere Einsätze in diesem Jahr bekommen werde.

Aktuell besitzt Ihr Klub als Tabellenschlusslicht die rote Laterne. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es nicht nach nur einem Jahr wieder zurück in das Bundesliga-Unterhaus geht?

Hohmeier: Wir hatten bislang ein wirklich schweres Programm. Siege konnten da nicht zwangsläufig erwartet werden. Die entscheidenden Wochen stehen aber nun an. Am kommenden Samstag spielen wir in Fulda. Die ebenfalls noch sieglose Mannschaft aus Grenzau haben wir am 6. Dezember zu Gast. Das wird ein ganz wichtiges Spiel für uns.

Die Coronapandemie ist und bleibt wohl auch noch einige Monate das Thema schlechthin. In wieweit hat Covid 19 Ihr Leben verändert?

Hohmeier: Da internationale Turniere so gut wie gar nicht stattfinden, reise ich deutlich weniger. Im Profisport läuft das Training einigermaßen normal weiter. Wir sind nicht eingeschränkt. Das Schlimmste ist aber, dass keine Zuschauer bei unseren Spielen sein dürfen. So macht es natürlich auch viel weniger Spaß. Außerdem sind die fehlenden Einnahmen für viele Vereine existenziell bedrohlich.

Das Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende entgegen. Welchen Wunsch haben Sie persönlich und sportlich für 2021?

Hohmeier: Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn irgendwann wieder Fans in die Halle dürfen. Natürlich muss es die Lage erlauben. Sportlich möchte ich gerne über diese Saison hinaus in der 1. Bundesliga weiterspielen. Bislang habe ich meinen zum Ende der Saison auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert.

Woran scheiterte denn die Unterschrift?

Hohmeier: Niemand weiß so recht, wo es aufgrund der Coronapandemie hingeht. Deshalb haben die Gespräche auch noch nicht begonnen. Fest steht aber, dass ich mich in Bad Homburg sehr wohl fühle und super glücklich bin, wie alles läuft. Ich glaube und hoffe, dass ich dort auch mindestens noch ein drittes Jahr spielen kann. (Marco Steinbrenner)

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