Manfred Moll prägt Tischtennis in Niestetal seit einem halbem Jahrhundert

Seit 50 Jahren Trainer

Da fühlt er sich wohl: Trainer Manfred Moll (in Rot) beim Tischtennis-Training des SC Niestetal mit Sophia Klee (sitzend, jetzt Bad Driburg), Yang Henrichs, VerbandstrainerTobias Kirch (SC Niestetal) sowie Trainer Patrick Ruhland (hinten). Foto: Hedler

Niestetal. Eine Trainerlizenz hat Manfred Moll nie gemacht. „Warum?“, hat der Tischtennis-Trainer immer gefragt, wenn das Thema zur Sprache kam. „Die Erfolge sind doch auch so da.“ Seit 50 Jahren (!) steht Moll in den Sporthallen in Niestetal und gibt sein Wissen an Kinder und Jugendliche weiter. „1000 Spielerinnen und Spieler habe ich bestimmt begleitet“, rechnet der 74-Jährige, der meist mehr als 25 Wochenstunden ehrenamtlich in sein Hobby investiert hat.

1967 war er angesprochen worden, ob er nicht mal bei der Jugend des TSV Heiligenrode helfen könne. Vorkenntnisse als Trainer hatte er nicht, nur die Erfahrung aus seiner Aktiven-Zeit in Elgershausen. Trotzdem sagte er zu. „Am Freitag darauf war der eigentliche Trainer weg. Ich war allein mit den Kindern. Das war der Beginn meiner Trainer-Karriere“, erinnert sich Moll schmunzelnd.

Nach Heiligenrode hatte es ihn der Liebe wegen verschlagen: Seine Frau Bärbel war hier heimisch. Und Moll wurde es auch: Als der Hausbau bevorstand, sagte er dem Bürgermeister, dass er einen Bauplatz nahe der Sporthalle benötige. Den hat er bekommen. So waren die Wege zum Training und zu den Spielen kurz. „Mir hat die Arbeit mit den Kindern von Anfang an Spaß gemacht, und schnell kamen die ersten Erfolge“, sagt Moll.

Viele Talente hat er entdeckt: Björn Ungruhe etwa, der unter seinen Fittichen Deutscher Schülermeister im Doppel wurde und später in der zweiten Bundesliga für den TSV Jahn spielte. „Obwohl es mir schwerfiel musste ich ihm dazu raten, den Verein zu wechseln, um sich weiterzuentwickeln“, sagt Moll, dem die individuelle Entwicklung seiner Schützlinge wichtiger war als der eigene Verein. Auch Sebastian Vasel, Noah Weber und Sophia Klee, Jugend-Europameisterin im Doppel, hat Moll lange Jahre trainiert und gefördert.

„Tischtennis ist alles für mich.“

Manfred Moll

„Natürlich entwickelt man einen Blick für Talente“, sagt der gelernte Stahlbau-Schlosser. „Aber bei dem ein oder anderen habe ich mich auch verschätzt und mich dann entschuldigt, weil ich vorher gedacht hatte: Das wird nix.“

Geld hat er für seine Arbeit nie genommen, Fahrt- und Materialkosten selbst getragen, Kontakte zu Kindergärten und Schulen hergestellt, Kinder zum Training abgeholt und zu Wettkämpfen begleitet - oft bis spät in die Nacht.

Heute zwingt Moll eine Herz-Erkrankung zum Kürzertreten. Doch neue Projekte reizen ihn nach wie vor: So ist er froh, dass die Fusion der TSG Sandershausen und des TSV Heiligenrode zum SC Niestetal gute Früchte trägt. Einmal pro Woche trainiert er Flüchtlinge, um einen Beitrag zur Integration zu leisten. „Tischtennis ist alles für mich“, sagt er. Wahrscheinlich ist er der dienstälteste Trainer des Deutschen Tischtennis-Bundes. Aber weil er nicht mit einer Trainer-Lizenz gelistet ist, werden darüber keine offiziellen Statistiken geführt.

Von Carina Wegener

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