Beste Zeit in der 2. Liga

Tischtennis-Ass Peter Beck ist der Mann der filigranen Spieleröffnung

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Ein kämpfender Mannschaftsspieler: Peter Beck, einer der Garanten der Besser Rückkehr in die Oberliga. 

Seit 40 Jahren macht Peter Beck den gleichen Aufschlag. Wirft den Tischtennisball fast bis unters Hallendach, wartet bis er sich wieder senkt, um ihm dann – leicht verdeckt – einen kaum lesbaren Effet zu geben.

„Der Aufschlag, ist der einzige Schlag, den ich selbst bestimmen kann“, beschreibt Besses Oberliga-Spieler die Wichtigkeit seiner ganz speziellen Spieleröffnung. Natürlich, gesteht der Routinier, wäre ein ähnlicher Effet auch bei einem niedrigeren Anwurf möglich. „Doch“, weiß Mannschaftskamerad Sebastian Pfaff, „irritiert es einen schon, wenn der Ball so lange in der Luft ist.“

Außerdem: Ein solcher Aufschlag nutzt sich nie ab. Auch nach über 800 Meisterschaftsspielen nicht, die der Routinier in Folge (d.h.ohne auch nur eins zu verpassen) bisher bestritten hat. Die Härte seines Vorhand-Topspins hat dagegen mit den (vielen) Jahren etwas nachgelassen. Zudem erlauben die neuen Plastikbälle weniger Rotation, so dass Becks Ballwechsel mittlerweile etwas länger dauern. Was nichts daran ändert, dass der mittlerweile 58-Jährige ein Dauerbrenner der ganz besonderen Art ist. Und einer der Garanten der Besser Rückkehr in die Oberliga.

Optimale Arbeitsteilung

Im Einzel (mit einer 16:7-Bilanz) und noch mehr im Doppel (10:4). Da kommt es mit Leon Wicke zu einer optimalen Arbeitsteilung: Der erfahrene Linkshänder bereitet mit seiner gefährlichen Vorhand, die dem Ball – in der herabfallenden Phase getroffen – eine Vorwärtsrotation verleiht, vor und das Nachwuchstalent, laut Kapitän Pfaff ein „kompromissloser Angriffsspieler“, vollendet mit seinem knallharten Schuss.

Der muss sich auch auf ziemlich krumme Rückschläge des Gegners einstellen, denn natürlich greift sein Partner auch im Doppel auf seine gefährlichen und schwer zu retournierenden Aufschläge zurück.

Von Bundesliga-Spieler Stumper gelernt

Die hat Peter Beck einst in Ulm vom späteren Bundesliga-Spieler Rudi Stumper gelernt. „Abgeguckt“ wie er selbst sagt. Erstmals unter semiprofessionellen Bedingungen d.h. fast täglichem, systematischen Training, nachdem er bei seinem Heimatverein TTC Ehingen das Tischtennisspielen gelernt und dort sehr schnell und erfolgreich sein Talent offenbart hatte.

Beim Oberligisten setzte sich diese Entwicklung fort. Der Fünfte der Süddeutschen Junioren-Rangliste von 1980 blieb beim SSV im Einzel anderthalb Jahre ungeschlagen (50:0) und wechselte als Nummer 1 der Ulmer zum TTC Frickenhausen – seinem nächsten Karriereschritt. Beim Zweitligisten spielte (und wohnte) er zusammen mit Ulf Thorsell, 1980 Team-Europameister mit Schweden (u.a. mit Einzel-Weltmeister Stellan Bengtsson).

Bis auf 80. Platz geklettert

„Meine besten Jahre“, blickt Beck mit Stolz zurück. Schließlich kletterte der Halb-Profi in der deutschen Rangliste auf Platz 80, erzielte mehrfach im unteren Paarkreuz die beste Bilanz im Unterhaus. Erinnerungen an seine Frickenhausener Zeit kamen bei seinem dreijährigen Regionalliga-Engagement beim TSV Eintracht Felsberg (2001 bis 2004) auf. Dort habe Manager Gerhard Jericho „mit seinem Herzblut und seinen finanziellen Mitteln“ für ein ähnlich angenehmes Umfeld gesorgt.

Seit 2004 wandelt Peter Beck mit seinem TSV Besse zwischen Oberliga und Regionalliga bzw. (nach der Ligareform) zwischen Oberliga und Hessenliga. Aus dem Einzelkämpfer ist mittlerweile ein kämpfender Mannschaftsspieler geworden („Wenn es keine Teams gäbe, würde ich mit Tischtennis aufhören“), der seine Mitspieler anfeuert und berät. Der an der Platte immer alles gibt: „Das habe ich mir in der 2. Liga angeeignet und nie wieder abgelegt.“ So hängt er sich nach wie vor in jede Partie rein, als wäre es seine Letzte. Doch die ist noch lange nicht in Sicht.

Von Ralf Ohm

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