Mit Sperrholz fing es an

Tischtennis-Enthusiast Hanskarl Emmerich feiert 90. Geburtstag

+
Heimische Tischtennis-Asse vor 50 Jahren: Horst Dörrbecker, Dr. Hanskarl Emmerich (beide ESV Jahn) und Norbert Nüdling (FSK Lohfelden). Das Foto wurde im Oktober 1969 bei den Bezirksmeisterschaften aufgenommen.

Kassel – Wer in Nordhessen etwas mit Tischtennis zu tun hat, der wird auch schon einmal Hanskarl Emmerich begegnet sein. Seit er 1959 seine Lehrerstelle an der Kasseler Albert-Schweitzer-Schule antrat, ist er hier zuhause und im Tischtennis präsent. Heute wird Dr. Hanskarl Emmerich 90 Jahre alt.

Klaus Scherb war 17 Jahre alt, als er beim ESV Jahn mit Emmerich in der „Ersten“ spielte, da war dieser schon fast 50. So dürfte Scherb genau der richtige sein, um Emmerich kurz und prägnant zu beschreiben. „Intelligent und weltoffen“, sagt er. „Ökonomisch, schlau, analysierend und ehrgeizig im Tischtennis.“ Setzt man sich mit Hanskarl Emmerich an einen Tisch und spricht mit ihm über vorgestern, gestern und heute, dann weiß man genau, was Scherb meint.

Der erste Schläger

Eigentlich war Emmerich Fußballer, in Wölfershausen an der Werra, heute ein Ortsteil von Heringen. „Fußball war meine Welt“, sagt er. Dann entdeckte er per Zufall das Tischtennis für sich und machte es zu seiner Sache. Es muss wohl 1948 gewesen sein, da ließ er sich von seinem Cousin, einem Schreiner, aus Sperrholz den ersten Schläger bauen. Als Belag diente damals erst Schmirgelpapier, später Schuhsohlengummi. Irgendwann wurde dann in Bad Hersfeld in einem Haushaltswarengeschäft der erste richtige Schläger gekauft. 1949 holte Emmerich den ersten Titel, er wurde Vereinsmeister des TV Heringen und Tischtennis-Enthusiast.

Prominenter Gegner

1956 war es, bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften, Emmerich kam als unbeschriebenes Blatt bis ins Finale. Sein Gegner war Hans Tietmeyer, der spätere Bundesbankpräsident. Tietmeyer spielte mit der DJK Köln in der Oberliga und wurde mit der Universität Köln Mannschaftsmeister. Im Einzel unterlag er Emmerich, der für die Uni Marburg spielte.

Die Spielweise

Emmerich ist grundsätzlich Linkshänder, kann „aber auch mit rechts was machen“. Beim Einspielen täuschte er schon mal den Gegner, wenn er mit Rechts begann. Von der Spielweise her ist er ein Verteidigungsspieler, „Sicherheit geht über alles, da wird geduldig gelöffelt“, sagt Emmerich. Doch er brachte auch Finessen ins Spiel: „Ein fieser Vorhand-aufschlag mit Seitwärtsrotation, die Wolfhager Sichel.“ So genannt, weil er einem Wolfhager Spieler diesen Trick einmal beibrachte.

Die Schule

„Mein Beruf hat mir immer Spaß gemacht“, sagt Emmerich, der an der Kasseler Albert-Schweitzer-Schule Englisch und Französisch unterrichtete. „Wenn ich montags zum Unterricht kam und hatte am Wochenende gewonnen, dann konnte es passieren, dass die Schüler aufstanden und applaudierten“, erinnerte er sich. Eigentlich logisch, dass er eine Tischtennis-AG anbot und auch TT-Turniere organisierte. Geplant war in der Familie Emmerich in Wölfershausen eigentlich nicht, dass der Sohn Hanskarl Lehrer wurde. Bergmann war vorgesehen, nicht ungewöhnlich in den Orten an der Werra, wo der Kalibergbau zuhause war. Emmerich musste sich schon durchsetzen, um Abitur zu machen und zu studieren.

Heute

Im Mai 2018 war Emmerich etztmals beim Training beim TTC Burhasungen in der Halle in Zierenberg. „Im Seniorenleistungszentrum“, sagt er und lacht. Er gehört zu den Initiatoren, Training unter Gleichen aus allen Vereinen. Doch dann machten die Knie nicht mehr mit, Schmerzen, OP und als Folge die Einstellung der Aktivitäten am Tisch. Nicht ganz, denn als Schiedsrichter bei den SVH-Spielen sitzt Emmerich, für den Vereinstreue ganz oben steht, noch nah am Geschehen. Ansonsten muss heute Spazierengehen als sportliche Betätigung reichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.