Tischtennisspieler Klaus Scherb: "Man muss schon verrückt sein"

Unnachahmlich: So kennt man Tischtennisspieler Klaus Scherb. Am Sonntag wird er in der Schauenburghalle beim Neujahrsturnier des TTC Elgershausen an den Start gehen. Foto:  Hofmeister/nh

Kassel. Er ist sicher der prominenteste Teilnehmer beim 53. Tischtennis-Neujahrsturnier des TTC Elgershausen in der Schauenburghalle: Wenn Ex-Zweitligaspieler Klaus Scherb am Sonntag ab 11 Uhr an den Start geht, dann liegt sein vierter und bislang letzter Triumph in Hoof bereits zehn Jahre zurück.

Damals gewann der mittlerweile 53-Jährige im Felsberger Team mit Uwe Krahn die Konkurrenz. Aber nicht nur daran erinnert sich Scherb im Interview.

Herr Scherb, warum wäre unser Gespräch fast noch ausgefallen? 

Klaus Scherb: Beim Silvesterlauf in Kaufungen habe ich mir eine Oberschenkelverhärtung zugezogen, weil es kalt war und ich mich die Berge ziemlich hochquälen musste. Nach Krankengymnastik geht es jetzt aber wieder. Und weil ich aufgrund meiner hohen Spielklasse oft nicht in Schauenburg antreten durfte, freue ich mich umso mehr, dass ich mit Julian Koch und vielleicht auch Marco Hilgenberg ein Team der SVH bilden kann.

Ihren ersten von vier Siegen in Schauenburg feierten Sie bereits 1978. Welche Erinnerungen haben Sie noch daran? 

Scherb: Ich weiß noch, dass ich erst 17 Jahre alt war und es einer meiner ersten Turniersiege bei den Senioren war. Gemeinsam mit meinem damaligen Partner Gerhard Quink aus Besse haben wir die Etablierten richtig überrascht.

Was macht denn den Reiz des Neujahrsturniers aus? 

Scherb: Natürlich die Tradition. Als ich 1978 das erste Mal dort gespielt habe, war es bereits ein etabliertes Turnier. Zudem bietet es den Teams eine gute Möglichkeit, sich zu Jahresbeginn auf die Rückrunde vorzubereiten.

Eine Besonderheit ist auch, dass immer wieder bis in die Nacht und den frühen Morgen hinein gespielt wird. Was sind Ihre Durchhaltetipps? 

Scherb: Wenn du dieses Turnier gewinnen willst, darfst du nicht zu früh mit Kaffee, Cola und Schokolade anfangen, sondern eher Vollkornprodukte und Müsli-Riegel zu dir nehmen. Als ich mit Uwe Krahn bis um vier Uhr morgens gespielt habe, hast du natürlich mal einen Tiefpunkt um 1 oder 2 Uhr. Und niemand wird erwarten, dass du nachts um 4 Uhr dein bestes Tischtennis spielst. Mein Tipp lautet daher: Auf keinen Fall in den Pausen hinlegen, sondern rumlaufen, warmhalten und sich immer mal wieder andere Spiele anschauen.

Herrscht dort eine besondere Atmosphäre? 

Scherb: Auf jeden Fall. Man muss schon verrückt sein, wenn man zwischen 1 und 4 Uhr in der Nacht Tischtennis spielt. Aber es hat seinen Reiz.

Und Sie werden am Sonntag von fast jedem Tischtennisspieler in der Halle erkannt werden. Dauern die Gespräche dann länger als Ihre Spiele? 

Scherb: Nein, ich bin während eines Turniers nicht so kommunikativ. Wenn ich antrete, dann will ich mit meinem Partner auch das beste Tischtennis spielen und mich darauf konzentrieren.

Im vergangenen Jahr haben Sie das letzte Oberliga-Spiel für die SVH bestritten. Bereuen Sie diesen Schritt? 

Scherb: Nein, ich habe ja verletzungsbedingt aufgehört. Aber ich werde nun in der Rückrunde die zweite Mannschaft der SVH unterstützen, die sich in der Hessenliga in Abstiegsnot befindet. Für drei Spiele habe ich meine Zusage gegeben. Prinzipiell genieße ich aber die neue Freiheit, und im Sommer werde ich wieder mehr Motorrad fahren.

Auf dem Handy wird Sie dann keiner stören, weil Sie nämlich keines haben... 

Scherb: Das finden viele Leute seltsam, aber für meine Freunde reicht einfach der Festnetzanschluss. Wenn ich nicht da bin, rufe ich zurück. Auch mit sozialen Netzwerken habe ich nichts am Hut. Fürchterlich finde ich zum Beispiel, was in Tischtennis-Foren im Internet teilweise an Gerüchten und Halbwahrheiten verbreitet wird.

Am Sonntag können Sie sich dann ein Handy von einem Ihrer Teamkollegen leihen. Wen würden Sie denn nach einem möglichen fünften Turniersieg als Erstes anrufen? 

Scherb: Ich würde meine Frau anrufen und Sie fragen, ob Sie mit uns noch zum Essen kommt. So wie 2005. Nachdem Uwe Krahn und ich gewonnen hatten, luden wir auch unsere Frauen zum Essen ein. In der Kasseler Pizzeria Boccaccio haben wir dann den großen Pokal auf den Tisch gestellt, und nach und nach kamen unsere unterlegenen Gegner zur Tür herein. Die haben dann gesehen, wie wir alten Männer feiern – nicht mehr so doll, sondern ganz stilvoll mit unseren Frauen beim Italiener.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.