Unser Spiel: Todenhäuser Jugendmannschaft schafft vor Rekordkulisse die Pokal-Überraschung

Die verrückten fünf Minuten

Geschafft: die TTC Jugendlichen (v.l.) Kai Luca-Ponzer, Jonas Pfaff, Jona Henrich und Valentin Best bejubeln ihren Pokalcoup. Foto: ohm

Frielendorf. Fünf Minuten waren es. Fünf Minuten, die einem packenden Pokal-Duell nach über zwei Stunden die Krone aufsetzten. Fünf Minuten, die über Sieg oder Niederlage im bisher wohl wichtigsten Spiel der Tischtennis-Jugend des TTC Todenhausen entschieden. Fünf Minuten, die die Turnhalle der Palmbergschule in Frielendorf endgültig in einen Hexenkessel verwandelten. Fünf Minuten, in denen sich die Stille atemloser Spannung während der Ballwechsel mit rauschendem Jubel danach abwechselte.

Eine Dramaturgie der ganz besonderen Art, die Teufelskerl Jona Henrich mit seinem schwer erkämpften 3:2-Sieg gegen Edin Donlagic ausgelöst hatte. Die Partie der Nummer eins des TTC gegen den Spitzenspieler von SV Eiche Offenbach, die intensiver kaum hätte geführt werden können. Denn: Nur das kleinste Nachgeben am Tisch, ein zu kurz oder zu hoch returnierter Ball hatte prompt den Punktgewinn des Rivalen zur Folge. Wie im fünften Satz beim 10:7 für den Gästespieler, als Jona nicht nur seine, sondern die Niederlage seiner gesamten Mannschaft vor Augen hatte, weil das 3:0 von Valentin Best gegen Yassine El Ghazouani dann nicht mehr in die Wertung gekommen wäre. „Daran haben ich gar nicht gedacht, sondern mich allein auf mein Spiel konzentriert“, erklärte der 14-Jährige sein Erfolgsrezept, mit dem er drei Matchbälle abwehrte und seinen ersten selbst zum 12:10 verwandelte.

Statt 1:4 am Ende 4:3

Statt 1:4 also 3:3 – und auf einmal winkte die unverhoffte Chance, den Favoriten wirklich aus dem Wettbewerb zu werfen. Genau da lag Kai Luca Ponzer am Nebentisch mit 4:7 im fünften Durchgang gegen Alessandro Felser zurück. Und nutzte den Rückenwind des Husarenstücks seines Kameraden, um den Entscheidungssatz doch noch zu drehen. „Das Spiel musste ich holen, sonst wäre Jonas toller Sieg ja umsonst gewesen“, stellte der 15-Jährige überglücklich fest, geherzt von seinen Mannschaftskameraden und seiner stolzen Mutter Tanja.

„Wie ein Märchen“ empfand Trainer Hoffmann diese unglaubliche Wende, „denn eigentlich hatten wir die Partie ja schon verloren.“ Erwartungsgemäß war der Jugend-Verbandsligist nämlich beim heimischen Bezirkspokalsieger nach den ersten drei Einzeln mit 2:1 in Führung gegangen, wobei nur Jona Henrich gegen El Ghazouani punkten konnte. Danach gewannen Donlagic/Felzer auch noch gegen Ponzer/Pfaff mit 3:1 das Doppel. Alles im Rahmen, wie Betreuer Marc Luckhardt beteuerte, für den jeder Punkt gegen diesen „starken Gegner“ ein Gewinn war - ohne zu ahnen, dass daraus vier und damit ein unverhoffter Triumph wurde.

Unglaubliche Stimmung

Immerhin: Dass seine Jungs gut drauf waren, stellte Marc Hoffmann schon beim Einspielen fest. Aber auch beeindruckt von der „Rekordkulisse“ von über 60 Zuschauern, wovon selbst die erste Herrenmannschaft der Todenhäuser nur träumen kann. „Spitze“ fand das Jonas Pfaff, während Valentin Best „schon etwas mehr Druck als sonst“ spürte. Aber auch die große Freude, „wenn einem alle zujubeln.“

Die Gäste, die mit zwei B-Schülern - laut Trainer Lukas Bruno zwei der derzeit besten ihres Jahrgangs in Hessen - und einem Jugendlichen angetreten waren, ließ das lange Zeit kalt. Bis sie das Spiel doch noch aus der Hand gaben, weil sich die Gastgeber von ihrem eigenem Publikum mitreißen ließen. „Die unglaubliche Stimmung hat‘s ausgemacht“, sagte Jona Henrich. Auch Kai-Luca Ponzer war berauscht davon: „Das werden wir nie vergessen.“ In der Hoffnung, dass es in der zweiten Runde auf Hessenebene wieder ein Heimspiel gibt.

Von Ralf Ohm

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