Wiedereinstiegskonzept

Tischtennisspieler stehen vor eine "Not-Saison“

+
Andreas Hain, HTTV-Präsident.

Die heimischen Tischtennisspieler und -spielerinnen müssen sich auf  beschränkte Trainingsmöglichkeiten und eine Saison ohne Doppel einstellen.

Still ruht der Plastik-Ball. Bereits am 1. April haben die heimischen Tischtennisspieler - und Spielerinnen ihre Saison beendet, Auf- und Abstiege geregelt und jedes Training einstellen müssen. „Turniere, Einzelmeisterschaften oder Ranglistenspiele wird es in diesem Jahr wohl nicht mehr geben“, vermutet Reiner Richardt-Stock, Ressortleiter Jugendsport im hessischen Tischtennis-Verband (HTTV). Der Vorsitzende der TTF Knüll Oberaula hofft, dass zumindest bald wieder trainiert werden kann und Serienspiele möglich sind.

In der Corona-Krise jedoch nur unter besonderen Rahmenbedingungen, die der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) in einem zweistufigen Wiedereinstiegs-Konzept erarbeitet hat. Für eine Sportart, in der sich die Spielpartner am Tisch mindestens 2,74 m voneinander entfernt befinden und die somit keine Kontaktsportart ist.

Das Konzept sieht für das Training vor, dass kein Doppel oder Mixed gespielt wird und sich nur wenige, fest eingeteilte Trainingspartner in der Halle aufhalten. Jeder bringt beim Aufschlag seinen eigenen Ball ins Spiel. Bevor das nächste Duo - nach zehnminütiger Durchlüftungspause - in die Halle kommt, muss der Tisch desinfiziert sein. Umkleideräume und Duschen werden nicht genutzt. Die Vereine müssen Zeitpläne erstellen, damit sich möglichst wenig Personen im Training treffen.

„Das sollte machbar sein, wenn etwa um 19 Uhr zwei miteinander trainieren und um 20 Uhr die nächsten“, erklärt Andreas Hain. Der HTTV-Präsident sieht ein Problem darin, dass beide Akteure den Ball anfassen müssen (siehe Hintergrund). Das könnte mit markierten Bällen, die nur je ein Spieler berührt, gelöst werden: „So könnten wir sogar Verbandsspiele bestreiten.“

Für die Wettkämpfe, die regulär Ende August beginnen würden, sind weitere Vorgaben zu beachten. So darf es keine Fahrgemeinschaften bei der Anreise zu den Spielen geben. Und Doppel wird es nicht geben, egal ob Dreier-, Vierer- oder Sechsermannschaften. „Der Trend geht in oberen und unteren Klassen ohnehin zu Vierer-Teams, man könnte diesen Schritt jetzt vorziehen“, schlägt Reiner Richardt-Stock vor. Wobei der Wettkampf-Ablauf (Spieler, Coaching, Mannschaftsbank, Schiedsrichter) so gestaltet werden sollte, dass Abstandsgebot und Hygiene-Regeln immer eingehalten werden können.

Individuelle Anreise nicht drin

„Die Trainings-Empfehlungen wären für uns umsetzbar, aber zu den Auswärtsspielen mit sechs Autos anzureisen, geht gar nicht“, erklärt Felsbergs Hessenligakapitän Dirk Heimel. Zudem rückt die Hallengröße in den Fokus - mit bitteren Konsequenzen. „Die Abstandsregeln bedeuten für die Dorfgemeinschaftshäuser und die kleinen Turnhallen das Aus“, befürchtet Kurt Richter. Der Udenborner Abteilungsleiter hält darüber hinaus das geforderte Ballabwischen für übertrieben. Kreisjugendwart Alexander Rauer ist skeptisch, ob die geringe Teilnehmerzahl im Training praktikabel ist: „ Es gibt Vereine in unserem Kreis, die vier oder fünf Nachwuchsteams haben. Dürfen dann nur die Besten ran und was wird aus den Anfängern?“

Umstellen müssen sich auch die Trainer, die oft in mehreren Hallen und mit unterschiedlichen Gruppen arbeiten. Für sie gilt: Abstand halten, Mundschutz tragen und keine Bewegungskorrekturen oder Hilfestellungen geben. Dass das „Balleimer-Training“ und der Einsatz des Tischtennis-Roboters tabu sein sollen, findet Lehrwart und Trainer Ola Einarsson unnötig. Und hält auch etwas größere Trainingsgruppen für machbar: „ Wenn wir vier Tische möglichst weit voneinander entfernt aufbauen und mit Banden abgrenzen, ist das kein Risiko.“

Was allen fehlt, ist Planungssicherheit. Also ist Rantasten angesagt. „Wir stehen vor einer Not-Saison und werden die Wettspielordnung anpassen und ergänzen müssen“, erwartet der Neukirchener Richardt-Stock erst wieder 2021/22 eine „normale“ Verbandsrunde.(zrh)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.