Tischtennis: Vorschläge von Vereinen schwer umzusetzen

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Johannes Schultheiß (links) und Marc Hannes, TTC Lax.

Wie kommen die Vorschläge des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) zur eingeschränkten Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs an der Basis an? Wir haben uns umgehört.

Hans-Karl Schäfer ist Mitglied des TTC Lüdersdorf und seit vielen Jahren in verschiedenen Positionen als Tischtennis-Funktionär auf Verbandsebene tätig. Nach einer längeren gesundheitlich bedingten Zwangspause hatte der 76-Jährige gerade wieder angefangen, Punktspiele zu bestreiten - bis ihm und allen anderen Sportlern Corona in die Quere kam.

„Ich werde erst wieder am Training oder Wettkampfbetrieb teilnehmen, wenn ich geimpft bin“, legt er sich fest, „obwohl in meinem Alter jedes Jahr Pause doppelt, dreifach oder sogar noch mehr zählt.“

Zu den Vorschlägen des DTTB sagt er: „Meine private Meinung ist, dass es grundsätzlich gut ist, wenn man sich Gedanken macht, wie es weitergeht.“ Aber er habe den Eindruck, dass das vorgelegte Konzept eher auf höherklassig spielende Mannschaften zugeschnitten und für viele Vereine nicht umsetzbar sei.

Wenn nur eine begrenzte Zahl von Tischen aufgestellt werden dürfe, würden die Spieler viel zu wenig Trainingszeit bekommen. Die Spieler der ersten Mannschaften eines Klubs müssten dann beim Training Vorrang bekommen, was problematisch werden könne.

Wegen wechselnder Schichtdienste müssten auch die geforderten Trainingspläne Woche für Woche umgeschrieben werden. „Vielleicht ist es besser“, sagt Schäfer, „wir fangen erst im Januar wieder an mit Punktspielen und stellen die Saison dann aufs Kalenderjahr um.“

Marc Hannes trägt das Trikot des Verbandsliga-Rückkehrers TTC Lax Bad Hersfeld. Er hat manchen der unterbreiteten Vorschläge des Verbandes als Scherz empfunden, zum Beispiel, „die Platten draußen in den Wind zu stellen“. Vieles hält er nicht für durchführbar. Im Laxer Spiellokal dürften wahrscheinlich nur zwei Tische aufgebaut werden. „Damit brauchen wir erst gar nicht anfangen“, sagt er. Vier Tische seien das Minimum.

Und dass Mannschaften bei Auswärtsspielen keine Fahrgemeinschaften bilden dürfen, hält er für abwegig. „Wir fahren doch nicht mit sechs Autos los“, sagt er und ist gespannt, welche Vorgaben für den Sport in naher Zukunft aus der Politik kommen.

Tischtennis-Kreiswart Alexander Schäfer, der mit seinem TTV Weiterode gerade aus der Verbandsliga abgestiegen ist, glaubt, dass die Vorstellungen des DTTB nur schwer umzusetzen sind: „Wir haben in unserem Verein zwischen 40 und 50 aktive Mitglieder. Wenn wir nur zwei Boxen aufbauen dürfen, dann reicht das nicht. Damit können wir unseren Mitgliedern nicht gerecht werden.“

Er habe Verständnis dafür, dass besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden müssen. „Aber hier fehlt mir ein bisschen der Bezug zur Praxis.“ Mit dieser Ansicht stehe er beim TTV nicht alleine da. Viele würden sich schwer tun, bei der Ausübung ihres Hobbys so massiv eingeschränkt zu werden.

Peter Luckhardt spielt seit 54 Jahren Tischtennis beim Schenklengsfelder TTC Landeck. 25 Jahre war er Kreiswart. Noch heute schlägt der 70-Jährige in der 1. Kreisklasse für seinen Verein auf.

Als er die Vorschläge des Verbandes gelesen hat, musste er erst einmal grinsen, erzählt er. Dass sich alle daran halten werden, kann er sich jedenfalls nicht vorstellen. Trotzdem: „Es ist besser, als gar kein Konzept zu haben.“ Schließlich solle ja bald wieder losgehen mit Tischtennis.

Für seinen TTC könne er sich ungeachtet der vorgeschlagenen Maßnahmen für die Erwachsenen einen brauchbaren Trainingsbetrieb vorstellen. In der Turnhalle der Schenklengsfelder Grundschule könnten vier Platten gestellt werden. Das genüge, da sich der Andrang in den Übungsstunden in Grenzen halte. Quirlige Kinder an die neuen Regeln zu gewöhnen, sei schwieriger, ahnt er.

Peter Luckhardt fürchet allerdings, dass vielen Spielern nicht gefallen werde, auf die die Geselligkeit zu verzichen. Nach dem Training zu duschen und dann gemeinsam ein Bier zu trinken - das gehöre in den meisten Vereinen einfach dazu. Und das sehe das erarbeitete Konzept leider nicht vor. Fotos: thomas Walger

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