Interview

Tobias Klöppner über Geisterspiele: „Das war Wahnsinn – und surreal“

Leere Tribünen: Das hat Tobias Klöppner schon erlebt - auch in Baunatal.
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Leere Tribünen: Das hat Tobias Klöppner schon erlebt - auch in Baunatal. Foto: A. FISCHER/NH

„Geisterspiele in Bundesliga-Stadien? Alles schon erlebt,“ hat Tobias Klöppner geschrieben. Also befragten wir den früheren Torwart des Fußball-Hessenligisten KSV Baunatal. 

„Geisterspiele in Bundesliga-Stadien? Alles schon erlebt1“ Das schrieb Tobias Klöppner kürzlich scherzhaft unter ein WhatsApp-Status-Bild. Es zeigte ihn als Torwart des KSV Baunatal vor leeren Rängen im Mainzer Bruchwegstadion. Wir haben den 42-Jährigen angesichts des heiß diskutierten Neustarts der Fußball-Bundesliga mit Geisterspielen gefragt, wie es ist, in einem Erstliga-Stadion zu spielen, das quasi leer ist.

3. August 2013: Voller Vorfreude starten Sie als Hessenliga-Meister mit dem KSV Baunatal in die Regionalliga. Im Mainzer Bundesliga-Stadion. Gegen die Reserve der Nullfünfer gab es ein 1:4. Vor 300 Zuschauern. Wie war das?

Dass so viele Zuschauer da waren, hätte ich rückblickend gar nicht gedacht. Ich erinnere mich noch, dass der Platz super war – zwar knüppelhart, aber total eben. Und es war enorm beeindruckend für die Mannschaft. Viele Jungs haben Selfies gemacht. Das ging mir aber richtig auf den Sack. Ich bin darum auch in der Kabine laut geworden.

Nach dem Heim-Derby vor 8000 Fans gegen den KSV Hessen (0:2) ging es dann zum Spiel beim 1. FC Kaiserslautern II. Beim 1:3 im Fritz-Walter-Stadion waren 180 Zuschauer.

Das war noch krasser als in Mainz. Gefühlt saßen nur die Torwart-Trainer Michael Gibhardt von uns und Gerry Ehrmann vom FCK auf der Tribüne. Das Stadion – eine WM-Arena – an sich ist eine Sensation. Als Kind war ich Köln-Fan, fand aber Lautern und Gerry Ehrmann überragend. Mein Traum war es, einmal auf den legendären Recaro-Sitzen dort zu sitzen.

Das hat geklappt, oder?

Ja, nicht ganz so, wie ich mir das als Kind erträumt hatte. Aber ich bin dann in mich gegangen, und das war schon geil, dort auf der Bank zu sitzen. Ansonsten war es von der Atmosphäre katastrophal – es hallte wie in einer Halle. Man kam aus der Kabine mit dem Lift hoch. Und dann war das riesige Stadion leer. Das war Wahnsinn – und surreal.

Waren solche Partien vor fast leeren Rängen für Sie besonders unangenehm oder schwierig?

Eigentlich nicht. Mich hat nie wirklich interessiert, ob ich vor 10 oder vor 1000 Zuschauern spiele. Ich habe gar nicht richtig wahrgenommen, wie viele Leute drum herum stehen. Als Torwart habe ich nur auf den Ball geguckt. Und sowieso habe ich bei Spielen auf Dorfplätzen, wo die Leute mitunter direkt hinter einem stehen und einen auch schon mal beleidigen und mit Stöckchen stoßen, viel schwierigere Situationen erlebt als in Stadien.

Sind Geisterspiele also eher für die Trainer als für die Spieler eine Herausforderung?

Tobi Nebe und ich haben früher viel drüber gesprochen, was die Trainer in der ersten und zweiten Liga so an der Seitenlinie vollziehen. Für mich ist das immer relativ lächerlich. Man kann zwar den Hampelmann machen, aber letztlich hört auf dem Feld keine Sau, was man da reinbrüllt. Das ist vor allem Show. Jetzt ist das natürlich aber die große Chance für die Trainer. Sie können von außen nun richtig Einfluss nehmen. Ich denke aber, dass das die Spieler das ziemlich nerven wird.

Wieso?

Die Spieler werden sich wundern, dass sie auf einmal den Trainer hören. Ich weiß noch, wie unsere Spieler auf solche Kommentare von außen reagiert haben. Wenn man gelobt wird, ist es natürlich toll, aber mitunter gibt es nach Fehlern auch Kritik, die man nicht hören will, die einem peinlich ist. Da schämt man sich schon – zumal es ja auch alle anderen hören werden.

Wenn die Bundesliga wieder mit Geisterspielen starten sollte – werden Sie sich das ansehen und dann an die Regionalliga-Partien mit Baunatal bei Profi-Reserven zurückdenken?

Nein. Ich schaue mir seit 1996 im Prinzip keinen Profi-Fußball mehr im Fernsehen an. Das ist nicht meine Welt. Lieber sehe ich Fußball auf dem Dorf. Oder Spiele in der Verbandsliga oder in der Hessenliga. ZUR PERSON

Tobias Klöppner (42) bestritt für den OSC Vellmar (Oberliga) und den KSV Baunatal (Regionalliga) insgesamt 208 Viertliga-Partien. Der Torwart war als B-Jugendlicher einst von seinem Heimatklub Tuspo Mengeringhausen zum KSV Hessen Kassel gewechselt. In Vellmar spielte „Klöppi“ sechs Jahre, in Baunatal sieben, war die letzten fünf Jahre auch Spielertrainer im Duo mit Tobias Nebe. Der Werkzeugmechaniker-Meister und Brummi-Fan ist aktuell Sportlicher Leiter, Torwarttrainer und Ersatztorwart bei Verbandsligist CSC 03 Kassel. Klöppner wohnt mit Ehefrau Andrea, Tochter Emily (13) und Sohn Tony (8) in Bad Arolsen-Mengeringhausen (Waldeck/Frankenberg).

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