Nachspielzeit

Erwachen,Verzicht undErinnerung

Rainer Henkel

Mit dem Wiederbeginn des Trainings in verschiedenen Sportvereinen, aber auch mit der Erinnerung an ein längst vergangenes Großereignis befasst sich unsere heutige Nachspielzeit.

Der Sport erwacht aus seiner Schockstarre. Das ist allenthalben zu beobachten. Noch immer sind ein Lauf allein oder zu zweit im Wald, ein Fahrradtrip in der Abstand haltenden Kleingruppe oder eine kleine Inliner-Tour eine gute Idee. Aber schon wird im Tennis, im Tischtennis, in der Leichtathletik auch in der größeren Gruppe wieder trainiert. Fußballer und Handballer müssen sich noch gedulden, hoffen und bangen noch aufgrund von Funktionärsentscheidungen, wissen noch nicht, wann sie sich wieder im Zweikampf begegnen dürfen, geschweige denn, wann ein erster Anpfiff ertönt. Aber die Zeit, in der nicht nur der Sport, sondern das gesamte Leben gelähmt erschien, sie scheint sich dem Ende zuzuneigen. Das würde Rückfälle nicht erträglicher machen. Aber es gibt Hoffnung.

Doch auch, auf was Sportfans in diesem Sommer verzichten müssen, wird nach und nach greifbarer. In wenigen Tagen wäre die Fußball-Europameisterschaft angepfiffen worden. Ein gigantisches Turnier in zwölf Stadien – mehr an den Interessen des Kommerzes als an denen der Spieler und der Fans ausgerichtet. Geschaut und mitgefiebert hätte ich trotzdem gern.

Wie auch bei den Olympischen Spielen in Tokio. Die Geschichte des Schenklengsfelders Günter Kothe, der einst 1972 das olympische Feuer durch Bad Hersfeld trug, hat mich daran erinnert, wie ich selbst als Achtjähriger Olympia 1972 am Schwarz-Weiß-Fernseher erlebt habe. Fiebernd mit Sprinterin Heide Rosendahl und der 16-jährigen Ulrike Meyfarth, aber auch geschockt nach einem blutigen Attentat, das die heiteren Spiele zu schlimmen Spielen machte und das ich in jenem Alter in seiner Tragweite noch nicht erfassen konnte.

Der Sport hat, bei aller Kritik an übertriebener Heldenverehrung und nervigem Kommerz, jene schlimme Krise überwunden und sich als Wert erwiesen, der Völker verbinden kann.

Schönes Wochenende

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.