Drei Wettkämpfe bereits abgesagt

Triathlon-Bundesliga steht für KSV Baunatal auf der Kippe

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Ein Foto aus der vergangenen Saison: So nah wie hier im Juli kommen sich Trainer Martin Busch (Mitte) und die Triathleten (von links) Dario Ernst, Florian Drexler, Hendrik Münstermann, Maurice Herwig, Tamas Papp und Betreuerin Vanessa Dabek derzeit nicht. 

Natürlich haben sich die Triathleten von Team Brille 1 des KSV Baunatal auf die Debüt-Saison in der Bundesliga gefreut. Eigentlich sollte diese Anfang Juni starten, aufgrund der Corona-Pandemie steht sie jetzt aber auf der Kippe. Von fünf Wettkämpfen sind drei bereits komplett abgesagt – zwei in den Herbst verschoben.

„Es ist schade, aber es trifft die meisten anderen Bundesliga-Vereine viel härter als uns“, sagt KSV-Trainer Martin Busch. Und meint damit vor allem die Finanzen. Denn gerade die Topvereine hätten zwar Etats im sechsstelligen Bereich, aber auch mehrere Sportler aus Australien und Neuseeland im Team, die mit Arbeitsverträgen ausgestattet sind. „Das haben wir nicht“, sagt Busch. Beim KSV sind neben Maurice Herwig, Dario Ernst, Florian Drexler, Silas Schmitt und Paul Weigand mit einem Algerier und zwei Ungarn zwar drei Ausländer – aber keiner bekäme Gehalt. „Wir zahlen nur den Flug, die Kosten vor Ort und den Einteiler“, sagt Busch.

Da die Flüge noch nicht gebucht waren, entstanden bisher keine Kosten. Im Gegensatz zu anderen Vereinen, die ihre Sportler für eine ganze Saison eingeflogen und Wohnungen für sie gemietet haben. Außerdem seien die Spitzenteams von Großsponsoren abhängig, und in der derzeitigen Situation seien die Zahlungen noch fraglich. Daher glaubt Busch, dass mehrere der 18 Bundesliga-Teams finanzielle Probleme bekommen könnten.

Aus sportlicher Sicht geht der Coach davon aus, dass, wenn überhaupt, nur ein Wettkampf in der Bundesliga stattfinden wird: die Deutsche Meisterschaft im September in Saarbrücken. „Ich denke, es wird auch keine Auf- oder Absteiger geben. Für uns ist das gut, so haben wir mehr Zeit, weitere Sponsoren zu suchen, und uns personell zu verstärken.“ Außerdem haben die Baunataler, die das jüngste Team in der Bundesliga stellen, Zeit, sich weiter zu entwickeln.

Aber wie sieht das Training des Bundesliga-Teams derzeit aus? „Dort sind meine Triathleten aktuell im Standby-Modus“, sagt Busch und fügt hinzu: „Wir bräuchten sechs, sieben Wochen Zeit, bis sie in Topform wären.“ Das heißt aber nicht, dass sich seine Schützlinge derzeit ausruhen. Sie trainieren dennoch 15 bis 22 Stunden in der Woche. Entweder laufen sie in der Natur oder trainieren das Radfahren. „Aber auf gar keinen Fall zusammen. Jeder trainiert individuell“, sagt Busch.

Auf dem Rad gebe es zwei Möglichkeiten. Die harten, kurzen Intervall-Einheiten absolvieren die Baunataler zu Hause auf der Rolle. „Sie treffen sich dann auch mal virtuell“, sagt Busch. Über das Internet absolvieren Radsportler in einem Programm Strecken zusammen – quasi in einer virtuellen Welt. Die längeren Einheiten für die Grundlagenausdauer bestreiten die Nordhessen dann aber allein draußen – bis zu drei Stunden dauert hier eine Einheit.

Und wie ist es mit dem Schwimmen, in Zeiten, in denen die Bäder geschlossen sind? „Beim Schwimmen sind wir tiefenentspannt“, sagt der Trainer. Im Wasser seien sie derzeit nicht. Dafür hat er seinen Sportlern ein Video mit Ausgleichs-Übungen zusammengestellt. Wenn es wärmer sei, werden sie dann im Freiwasser trainieren. „Aktuell macht das aber keinen Sinn, es schwächt nur das Immunsystem. Mir ist wichtiger, dass meine Sportler gesund sind.“ Erst ab 18 Grad Wassertemperatur rät er seinen Triathleten, eine halbe bis dreiviertel Stunde im Neoprenanzug zu trainieren. Ab 21 Grad seien dann auch – ebenfalls im Anzug – Intervall-Einheiten mit Pausen vertretbar. „Es trifft uns beim Training nicht so hart wie andere Sportler, deren Sportstätten geschlossen sind“, sagt Busch.

Bei der ungewissen Lage scheinen die Baunataler erst mal im Standby-Modus bleiben zu müssen. Und die Bundesliga-Saison steht weiter auf der Kippe.

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