Leichtathletik-Trainer hält nichts von virtuellen Wettkämpfen

Triebstein: Nur ein Notnagel

Der schwedische Stabhockspringer Armad Duplantis nach einem Erfolg im Stabhochsprung.
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Der schwedische Stabhockspringer Armad Duplantis nach einem Erfolg im Stabhochsprung. Jetzt (März 2020) hat er einen virtuellen Wettkampf gewonnen

Hersfeld-Rotenburg – Die Leichtathleten steigen wieder ins Training ein.

Cheikh-Idriss Gonschinska, Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, hat kürzlich in einem Interview in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) erklärt, der Verband arbeite an einem Konzept, Deutsche Meisterschaften ohne Zuschauer auszutragen. Sie soll nun am 8. und 9. August in Braunschweig stattfinden – jedoch ohne Mittelstreckenwettkämpfe.

Aber auch virtuelle Duelle seien durchaus denkbar. Die Weltklasse-Stabhochspringer Armand Duplantis (Schweden), Renaud Lavillenie (Frankreich) und Sam Kendricks (USA) lieferten sich unlängst einen Dreikampf in ihren jeweiligen Gärten und übertrugen diesen im Netz. Sind solche Aktionen denkbar für eine Sportart, die auch ohne die derzeitigen Schwierigkeiten schon mit schwindenden Zuschauerzahlen und Nachwuchsmangel kämpfen muss?

Martin Triebstein, Trainer des TV Hersfeld, hat dazu eine klare Meinung: „Mit solchen Aktionen retten wir die Leichtathletik bestimmt nicht.“ Ein solcher Stabhochsprung-Dreikampf sei ein Gag – „aber wer schaut sich das denn an im Internet? Die Frau oder Freundin des Athleten, die Trainer und eine Handvoll Fans. Das ist nur ein Notnagel für ein paar Profis, um sich zu präsentieren.“

Bei allen technischen Disziplinen, so führt Triebstein, selbst Deutscher Meister im Dreisprung der M 50, aus, gehöre das rhythmische Klatschen des Publikums vor dem Versuch des Athleten unbedingt dazu. Und das gebe es eben nur live im Stadion.

Auch unter den derzeitigen eingeschränkten Möglichkeiten sieht Triebstein gute Möglichkeiten für die Athleten, sich auf den Sportplätzen zu messen. „Dann muss die Weitsprunggrube eben nach hinten verlassen werden, was ja ohnehin eigentlich Regel ist. Und im Sprint sind dann statt acht oder sechs eben nur vier oder drei Bahnen besetzt.“ Ein Problem gebe es höchstens bei Mittel- und Langstreckenläufern. Die müssten dann „wie im Einzelzeitfahren im Radsport“ starten, lautet Triebsteins Überlegung.

Übrigens: Bei dem eingangs erwähnten Stabhochsprung-Dreikampf ging es nicht um die höchste Höhe, sondern darum, in zweimal 15 Minuten so oft wie möglich fünf Meter zu überwinden. Duplantis und Lavillenie teilten sich mit 36-mal den Sieg, Kendricks schaffte es 26-mal.

Kürzlich zogen die Frauen nach – nicht im Garten, sondern auf ihren Trainingsanlagen. Sie mussten vier Meter bewältigen. Weltmeisterin Katerina Stefanidi (Griechenland) schaffte es 34-mal, ihre Gegnerinnen Katie Nageotte (USA, 30) und Alysha Newman (Kanada, 21) mussten sich geschlagen geben.

Martin Triebstein Trainer TV Hersfeld
Cheikh-Idriss Gonschinska DLV-Generalsekretär

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