Samstagsinterview: Stützpunkttrainerin Stefanie Sendler über Zustände und Perspektiven für das Turnen in Nordhessen

Per Handstand in die Zukunft

Mit voller Kraft: Ein Turner zeigt eine Übung am Barren. Foto: dpa

kassel. Stefanie Sendler ist seit 1. September 2015 hauptberufliche Trainerin in der Turn-Talentschule Nordhessen, die dem männlichen Turnleistungszentrum auf dem Sensenstein angegliedert ist. Das Leistungszentrum wird fachlich und organisatorisch von dem Lehrer-Trainer Hans-Rüdiger Matzner geleitet. Der Hessische Turnverband unterstützt diese Stelle. Wir sprachen mit der 32-Jährigen.

Eine neue Position als Trainerin der Turn-Talentschule. Das ist schon ziemlich anspruchsvoll, oder?

Sendler: Das ist es durchaus. Vor allem, weil das Turnen eine sehr vielseitige Sportart ist. Bei der Vermittlung kommt es darauf an, auf jedes Detail zu achten. Beim Erarbeiten der Grundlagen werden die Weichen für das spätere Erlernen hochwertiger Elemente gelegt.

Was ist denn für die Kinder besonders wichtig?

Sendler: Die Inhalte werden für die Einsteiger im Alter von fünf bis sechs Jahren spielerisch vermittelt. Es werden Lauf- und Sprungübungen sowie Hang- und Stützübungen angeboten. Erst wenn die Kinder länger dabei sind, wird auch die Arbeit genauer, weil einzelne Körperpositionen erarbeitet werden.

Aber die Kleinen wollen doch alle möglichst schnell einen Flick-flack lernen, oder?

Sendler: Das schon, und auch die Riesenfelge und der Salto stehen hoch im Kurs, aber damit fangen wir nicht an.

Sie sind Inhaberin der B-Lizenz und waren selbst ambitionierte Turnerin. Worauf wollen Sie bei der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen besonderen Wert legen?

Sendler: Das A und O ist eine solide Grundlagenausbildung, weil das die Basis für die Zukunft bildet. Wer keinen ordentlichen Handstand beherrscht, wird auch später Probleme mit der Riesenfelge am Reck haben.

Vier Sensensteinturner haben es schon in die dritte Turnbundesliga geschafft und stehen in der Mannschaft der KTV Fulda. Gibt es weitere Perspektiven für das Turnen in Nordhessen?

Sendler: Auf alle Fälle. Die Bundesliga ist das eine. Unser Schwerpunkt liegt in der Ausbildung von national und international erfolgreichen Turnern. In unserem Leistungszentrum haben wir zum jetzigen Zeitpunkt bereits vier Bundeskaderathleten. Die jüngeren Jahrgänge sollen und wollen ihren Vorbildern nacheifern.

Für hochklassiges Training sind Hallen mit feststehenden Geräten erforderlich. Ist das ein Problem für den Turn-Standort Nordhessen?

Sendler: Ja, das ist ein Problem. Wir haben eine solche Halle leider nur am Sensenstein, die aber im Vergleich zu anderen deutschen Leistungszentren nicht optimal ausgestattet ist. Es ist vor allem für die Eltern, die ihre Kinder zu uns bringen wollen, schwer erreichbar. Eine Halle in Kassel würde das Turnen in Nordhessen sicherlich voranbringen.

Sie arbeiten dann zusammen mit Hans-Rüdiger Matzner. Wie sieht diese Zusammenarbeit aus?

Sendler: Wir haben im Moment zwölf Jungs zwischen 5 und 15 Jahren am Turnleistungszentrum. Der Nachwuchs bis zu zehn Jahren wird von mir trainiert, das Anschlusstraining leitet Hans-Rüdiger Matzner. Wir sind ein gutes Team. Dazu kommt die Kooperation mit dem Schulsportzentrum am Kasseler Goethegymnasium. Durch zusätzliche Trainingsmaßnahmen auch im Vormittagsbereich werden unsere Athleten dort zusätzlich gefördert.

An Schulen werden immer mal wieder Stimmen laut, die es nicht für nötig erachten, dass Turnen noch eine der klassischen Schulsportarten ist. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

Sendler: Turnen ist die Basissportart, bei der die Koordination und Kondition ganzheitlich am besten entwickelt werden. Das leistet keine andere Sportart. Turnen ist daher aus meiner Sicht unverzichtbar für den Schulsport. Damit hat man zudem die besten Voraussetzungen für andere Sportarten.

Von Martin Scholz

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