HNA-Serie: SVH-Sportakrobatin Lucia Guthardt trainiert im Sportinternat in Riesa

Von Heimweh keine Spur

Seltene Augenblicke: Lucia kommt nur noch an den Wochenenden oder in den Ferien nach Hause zu ihren Eltern Sandra und Mirco Guthardt. Foto:  Bergholter

EDERMÜNDE. Mit ihren neun Jahren hat Lucia Guthardt aus Edermünde bereits beachtliche sportliche Erfolge vorzuweisen. 2014 gewann sie die Hessenmeisterschaften im Turnen, im Jahr darauf belegte sie dort den dritten Platz, beim Hessischen Turnfest im selben Jahr gewann sie Silber und Bronze. Zugleich versuchte sich Lucia schon damals in der Sportakrobatik. Und das mit Erfolg. Sie belegte gleich den ersten Platz beim Ligawettkampf 2015.

Vater Mirco Guthardt erinnert sich: „Wir fuhren morgens zum Wettkampf der Sportakrobaten nach Pfungstadt, direkt im Anschluss nach Limburg zu den hessischen Turnmeisterschaften und sofort zurück nach Pfungstadt zur Siegerehrung. Das war einfach zu viel.“ Sieben Tage die Woche Training, teils erst spät abends daheim und am Wochenende Wettkämpfe, auch das war zu viel für Lucia.

Also entschloss sie sich gegen das Turnen und für die Sportakrobatik. „Es gefiel mir besser, weil es kein Einzelsport ist und man eigene Ideen und Musik einbringen kann“, sagt Lucia. Sie wechselte vom KSV Baunatal zu den Sportakrobaten des SV Harleshausen, wo sie auf höchstem Leistungsniveau trainierte.

Bald wurde Lucias Talent, die zu den größten sportlichen Hoffnungen der Region zählt, auch von höherer Stelle erkannt. In den Herbstferien 2015 folgte sie einer Einladung des Sportinternats ins sächsische Riesa, Kaderstandort und Sitz des Bundestrainers für Sportakrobatik. Nach der Probewoche wollte sie gar nicht mehr zurück, womit sie ihre Eltern vor eine schwere Entscheidung stellte: „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, die Entscheidung nach langen Diskussionen aber unserer Tochter überlassen.“

Nun ist Lucia seit Anfang des Jahres im Sportinternat in Riesa, trainiert dort mit dem Bundestrainer. Der Tag ist durchorganisiert, durch die kurzen Wege bleibt mehr Zeit für Training, zugleich steigen die Erwartungen.

„Dort fährt man nicht zur Deutschen Meisterschaft, um nur teilzunehmen, der Leistungsdruck ist größer“, stellt Sandra Guthardt fest. Das Ziel der Leistungsgruppe ist klar definiert: Nationalmannschaft. Doch Lucia gefällt es gut auf dem Internat: „Heimweh habe ich nicht, auch wenn’s zu Hause natürlich schöner ist“, sagt sie. Tägliche Videotelefonie und die Heimfahrt am Wochenende lindern den Trennungsschmerz, stellen aber auch die Eltern auf eine harte Probe: „Wir sind sehr stolz auf Lucia, aber es ist nicht leicht, die Erziehung aus der Hand geben zu müssen“, gesteht Mutter Sandra.

Von Peer Bergholter

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