Der Syrer Mohamad Khier Ashour trainiert die jungen Turner des TV Hersfeld

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Haben gut Lachen: Die Turnerinnen des TV Hersfeld mit ihrem syrischen Trainer Mohamad Khier Ashour.

Bad Hersfeld. Zahlreiche deutsche Profisportler sagten es schon in einer Werbekampagne im Jahr 2011: Integration gelingt am besten spielend. Das beste Beispiel dafür liefert gerade der TV Hersfeld.

Dort ist der Syrer Mohamad Khier Ashour, der vor eineinhalb Jahren nach Deutschland flüchtete, als Turntrainer beschäftigt - und bringt seine Vereinskameraden ins Schwärmen.

„Wir freuen uns, dass wir nicht nur einen super Menschen für unsere Turner hinzugewonnen haben, sondern auch einen sehr guten Sportler“, sagt TVH-Jugendwartin Jutta Braun. Das Lob kommt nicht von ungefähr. Mohamad Khier Ashour begann bereits im Alter von vier Jahren mit dem Turnen und übte den Sport über 20 Jahre lang aus.

Nachdem der Krieg ihn und seine Familie Anfang 2015 dazu zwang, aus der syrischen Hauptstadt Damaskus nach Deutschland zu fliehen, ist Ashour froh, endlich wieder ein Stück Normalität in seinem Alltag zu haben. „Ich wurde sehr herzlich beim TVH aufgenommen und ich kann hier das tun, was mir Spaß macht. Noch dazu habe ich sozialen Kontakt“, sagt der 30-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht.

Dreimal Training

„Die Verbindung zu unserem Verein entstand durch die Mutter eines Mädchens, das bei uns turnt“, erklärt Sportwart Werner Schneider. „Sie sagte uns, Mohamad könne gut turnen. Daraufhin luden wir ihn zum Training ein und nach der ersten Einheit war klar, dass er wiederkommen muss.“ Seitdem hilft Ashour jeden Mittwoch, Donnerstag und Freitag, den Turn-Nachwuchs des TVH zu trainieren.

„Der Weg nach Deutschland war sehr gefährlich.“

„Ich hoffe, dass ich den Kindern helfen kann, besser zu werden“, sagt er bescheiden. Doch nicht nur die Kinder lernen von ihrem neuen Trainer, auch Ashour bekommt Tag für Tag viel beigebracht. „Die Kleinen trauen sich, mich zu korrigieren, wenn ich ein Wort falsch verwende. Das tun die Erwachsenen meistens nicht“, sagt er und lacht.

Der 30-Jährige hat Spaß an seiner neuen Beschäftigung beim TVH - und möchte diese noch lange ausüben. Nach seiner Flucht aus Syrien, die nach Ägypten, über das Mittelmeer nach Italien und schließlich nach Deutschland führte, fühlt er sich nun endlich wieder wohler. „Der Weg hierher war sehr gefährlich. Hier in Deutschland sind die Menschen aber sehr nett zu mir. Das macht mich sehr glücklich.“

Ashours Zukunft ist bereits geklärt. Sein Asylantrag wurde angenommen, er wohnt mit seinen Eltern und seinen Geschwistern in Bad Hersfeld. Seine Zukunft hat der 30-Jährige, der in Syrien BWL studiert hatte, auch schon geplant: „Ich möchte gerne als Buchhalter arbeiten. Oder im Qualitätsmanagement.“ Dazu hat er noch einen weiteren Wunsch: „Turnen möchte ich in Zukunft auch weiterhin.“

Von Kevin Hildebrand

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