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Handball: TVH-Coach Christian Weiß übt Kritik

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Die Leiden des Trainers: Christian Weiß am Samstagabend am Spielfeldrand.
Die Leiden des Trainers: Christian Weiß am Samstagabend am Spielfeldrand. © Friedhelm Eyert

Bevor das Spiel des TV Hersfeld gegen den Hünfelder SV begann, liefen die Spieler der Gastgeber auf die gut besetzten Tribünen zu und warfen kleine Schoko-Nikoläuse ins Publikum. Eine schöne Aktion, die gut ankam.

Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, dass die Hersfelder im Spiel ihren Gegner ähnlich reich beschenken würden. Was der Handball-Landesligist seinem Gast durch technische Fehler und eigene überhastete Abschlüsse an Tempogegenstößen und freien Würfen kredenzte, hatte nichts mehr mit Nachbarschaftshilfe zu tun.

Es führte nicht nur dazu, dass die bis zur Pause eigentlich recht ausgeglichene Partie komplett kippte, sondern auch dazu, dass der TVH – man muss das so deutlich sagen – nach dem Seitenwechsel ein Debakel erlebte. 25:35 stand es am Ende.

Nicht nur die Spieler waren komplett bedient, sondern auch Trainer Christian Weiß. Der Coach bemühte sich dennoch um eine ruhige Spielanalyse. Die an sich gute Leistung der ersten Hälfte habe man nicht durchgehalten. Spielfluss und Zusammenspiel seien völlig verloren gegangen.

Weiß fand es besonders ärgerlich, dass der Gegner in seiner Spielanlage nicht überlegen gewesen sei: „So eine Mannschaft kann man schlagen. Sie sind halt schnell auf den Beinen und haben ihre konditionelle Überlegenheit ausgenutzt. Durch die vielen Tempogegenstöße ist es dann deutlich geworden.“

Wieder einmal war der TVH personell geschwächt in eine Partie gegangen. David Schikarski, Lukas Berger, Jonathan Kromm – sie waren nicht dabei.

„Die Führung fehlte“, sagte Weiß. Felix Abad war erst kurz zuvor aus dem Urlaub gekommen, Rechtsaußen Philipp Koch musste im Mittelblock aushelfen, was er bis zu seiner Roten Karte in der Schlussphase, einer überharten Entscheidung, überzeugend tat. Dass Jonas Rübenstahl seit Saisonbeginn wegen seines Kreuzbandrisses fehlt, erwähnte der Coach schon gar nicht mehr. Weiß mit Ironie: „Die, die uns fehlen, gäben zusammen eine gute Landesliga-Mannschaft ab.“

Da sie aber fehlten, wirkte die Mannschaft planlos, als die Partie kippte. Würfe in Serie gingen drüber, an den Pfosten oder an die Fäuste von Hünfelds Keeper Christian Krätzig.

Christian Weiß’ Analyse ging dann noch über den Spieltag hinaus. „Das Problem ist hausgemacht, wir spielen und trainieren zu wenig zusammen.“ Im Abschlusstraining seien sie zu fünft gewesen. Verletzungen, Krankheit, berufliche Verpflichtungen. Weiß: „Wir haben den Anspruch, in der Landesliga im Mittelfeld zu spielen. Dafür ist das zu wenig. Da muss man sich an die eigene Nase fassen und überlegen, wo man hinwill.“

Bevor Trainer und Mannschaft in der Kabine verschwanden, führte ihr Weg sie noch einmal Richtung Tribüne. Diesmal nicht fröhlich lachend und Schoko-Nikoläuse verteilend, sondern mit tief enttäuschten Gesichtern stellten sie sich ihren Fans.

Es gab tröstenden Applaus.

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