Rückblick auf erfolgreiche Fußball-Zeiten

Bild-Schlagzeile: Mühlbach/Raboldshausen -
Die Mannschaft mit den größten Füßen

Schossen einst viele Tore für die SG Mühlbach/Raboldshausen: Von links Reinhard Harle, Manfred Wiegand und Heinrich Schmidt.
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Schossen einst viele Tore für die SG Mühlbach/Raboldshausen: Von links Reinhard Harle, Manfred Wiegand und Heinrich Schmidt.

In den 1970er und 1980er-Jahren galt die SG Mühlbach/Raboldshausen als tolle Adresse im Fußball. Zahlreiche gute Kicker brachte sie hervor – und ein Dreier-Sturm machte damals von sich reden.

Mühlbach – Selbst die Frage, was sie einst ausmachte, beantworten sie auf spezielle Weise. „Weil Reinhard die meisten Elfer rausgeholt hat“, sagt Heinrich Schmidt trocken. „Das glaubst Du. Das ist doch gar nicht wahr“, entgegnet Reinhard Harle. Manfred Wiegand rundet ab: „Das hab’ ich mir dann auch abgeguckt“ und spielt auf Harles Können an, als der Schiedsrichter mal wieder auf den Punkt gezeigt hatte. Die Einen nannten das erschlichen, die Anderen Schläue, Begabung und Abgezocktheit.

Harle spielte Rechtsaußen, galt als schnell und dribbelstark - Schmidt als Mannschaftsspieler in der Sturmmitte - Wiegand wirbelte links und lief allen davon. So gut, dass ihn Fliedens Trainer Theo Diegelmann am liebsten gleich mitgenommen hätte, nachdem Wiegand den gegnerischen Verteidiger schwindlig gespielt hatte. Eines hatte das Trio gemeinsam: Es suchte den direkten Weg zum Tor. „Hast du fünf Tore gekriegt, dann hast du halt sechs oder sieben geschossen“, bringt Harle das Spektakel und Erlebnis-Kino Mühlbach/Raboldshausen auf den Punkt.

Jahrelang schoss das Team mehr als 100 Tore pro Saison - als die SG in der Bezirksliga kickte, waren es annähernd so viel. Nur an ein torarmes Spiel erinnern sich die Drei sofort. 0:1 gegen Borussia Fulda hieß es da, die Gäste-Leitfigur Uli Jakobi traf schon in der 4. Minute. Ebenso ist eines der vielen torreichen Spiele noch gegenwärtig: Gegen Ziegenhain lag die SG zur Pause 1:5 hinten - am Ende stand es 5:5.

Vereine prominenten Namens schlugen damals auf, als der Höhenflug der SG begann, sie 1974 Meister der B-Klasse wurde und zwei Jahre später in der Bezirksliga angekommen war. Germania Fulda, Borussia Fulda, Hohenzell oder Neuhof waren die Gegner. Wiegand erinnert sich an die ersten Duelle in der Bezirksliga. „Im ersten Heimspiel gab’s ein 6:1 gegen Großenlüder, dann ein 1:5 in Künzell - und als passende Antwort einen 5:1-Heimsieg gegen Flieden.“

Zahlreiche Spieler zog es seinerzeit nach Neuenstein. Anfangs war es der Hersfelder Ottmar Schmidt, später kamen Reinhard Lissek, Manfred Wanke, Karl-Heinz Hamp, Siegfried Schüler, Manni Winter, die Schwarzenbörner Dieter Munk, Hans-Georg und Manni Zinn hinzu. Auch Torwart Dieter Kniese sei genannt. Oder die Keeper Lothar Bock aus Sorga, der für den nach einem Motorrad-Unfall bei der Mühlbacher Kirmes tödlich verunglückten Heinrich Landsiedel ganz kurzfristig einsprang.

Ab und an raunzten sich die Kicker an auf dem Spielfeld, was der Leistung aber nicht abträglich war. Im Gegenteil. „Damals konntest du noch miteinander reden. Harmonie war immer da“, entfährt es Harle. Der ergänzt seine Art, dafür zu sorgen, dass der Schiri Elfmeter pfiff. „ Ich bin mit Tempo auf den Gegenspieler zu, einen Antritt hatte ich natürlich. Die konnten das nicht begreifen. Jedes Mal haben sie ins Leere getreten.“ Als Beispiel nennt er eine Szene, in der es Uwe Habedank von Hessen Kassel so erging. Stolz kramt er einen Zeitungsbericht dieses Duells, den er auf seinem Handy gespeichert hat, hervor.

Es war die Zeit, in der es die SG Mühlbach/Raboldshausen bis in die Bildzeitung geschafft hatte. Ihr gehörte die Schlagzeile als „die Mannschaft mit den größten Füßen“.

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