Unruhe wegen Coronatests

Vize-Weltmeisterin Melat Yisak Kejeta nach WM-Silber im Halbmarathon positiv getestet

Auf dem Foto sind drei Läuferinnen zu sehen, mit Maske.
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Auf dem Podest: Silbermedaillen-Gewinnerin Melat Yisak Kejeta (links), neben Gewinnerin Peres Jepchirchir aus Kenia und der Drittplatzierten Yalemzerf Yehualaw aus Äthiopien bei der Siegerehrung der Halbmarathon-WM im polnischen Gdynia am 17. Oktober.

Die Nachricht ist nicht neu, wurde aber erst jetzt bekannt: Melat Yisak Kejeta vom Laufteam Kassel wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Für Unruhe beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sorgt die inzwischen überstandene Erkrankung der Athletin vor allem, weil weder sie noch ihr Trainer Winfried Aufenanger die Erkrankung öffentlich gemacht haben.

Kassel - Zu den Fakten: Die Vize-Weltmeisterin des Laufteams Kassel war unmittelbar nach der Halbmarathon-WM im polnischen Gdynia am 17. Oktober nach ihrer Rückkehr positiv auf das Coronavirus getestet worden, hatte sich offensichtlich in Quarantäne begeben aber nicht darüber informiert. Auch aktuell war die 28-Jährige, die in Baunatal lebt, nicht für uns erreichbar. Wir haben trotzdem nachgefragt.

Die Bundestrainerin

„Dass ich erst zwei Wochen nach der WM von dem Vorgang erfahren habe, ärgert mich schon. Ich hätte mir da mehr Transparenz gewünscht“, kritisiert Katrin Dörre-Heinig die Läuferin. Die in Erbach im Odenwald lebende Marathon-Bundestrainerin war selbst nicht bei der WM in Polen vor Ort. Fakt sei allerdings, dass Kejeta in Polen vor dem Lauf negativ getestet wurde. „Sonst wäre der Start gar nicht möglich gewesen“, sagt die 59-Jährige.

Nach Dörre-Heinigs Informationen habe dann allerdings in Polen ein unmittelbar vor der Abreise durchgeführter Test Unregelmäßigkeiten gezeigt. Kejeta habe sich dann wohl nach der Ankunft in Frankfurt einem weiteren Test unterzogen. „Mir liegt nichts Schriftliches vor, aber offensichtlich war der Test positiv, sodass sich die Athletin danach in Quarantäne begeben musste“, sagt die Bundestrainerin weiter. Auch habe Dörre-Heinig versucht, Kejeta zu erreichen, was allerdings nicht möglich gewesen sei. „Insgesamt kann ich nicht nachvollziehen, dass man eine solche Information zurückhält“, ärgert sich die Bundestrainerin über Kejetas Schweigen.

Besonders herrscht Unsicherheit über den Umgang Kejetas mit den Kontaktbeschränkungen. Vor allem in diesem Bereich war es zuletzt in Kassel und im Kreis der DLV-Athletinnen zu Gerüchten gekommen.

Der Manager

Ebenfalls nicht immer einverstanden mit dem Kommunikationsverhalten von Melat Kejeta ist ihr in Berlin lebende Laufmanager Christoph Kopp. „Die Zusammenarbeit mit Melat werden wir nicht fortsetzen. Formal hat sie zwar gekündigt, aber unser Entschluss war schon vorher gefallen. Sie wird künftig von einer in Italien lebenden Spanierin vertreten: Monicá Pont-Chafer“, sagt Kopp, der Kejeta zuletzt noch für einen Marathon-Elitelauf im spanischen Valencia am 6. Dezember gemeldet hatte. „Den Start dort musste Melat nun allerdings absagen“, teilte Kopp mit.

Der Trainer

Kejetas Kasseler Trainer Winfried Aufenanger nimmt dagegen seine Athletin in Schutz. „Es gibt keine Unregelmäßigkeiten. Melat war in der Betreuung des Gesundheitsamtes und ihres Hausarztes. Auch wurde sie nach der Quarantäne negativ getestet und ist jetzt gesund.“ (Martin Scholz)

Blickt nach vorn: der Kasseler Trainer Winfried Aufenanger (ganz links).

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