Sportgeschichte: Verkehrchaos bei August Frank und der ABC-Staffel

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Die Rechte nach vorn: August Frank (rechts) 1957 in der Kasseler Stadthalle beim Sieg über den Offenbacher Heini Freytag (links).

Kassel. Die Ordner mit den Zeitungsausschnitten von früher müssen wieder in den Keller. „Sonst bleibe ich immer wieder an den alten Artikeln hängen“, sagt Käthchen Frank. „Man kann solche Erinnerungen nur schlecht wieder aus der Hand legen.“

Mit den Erinnerungen meint die heute 81-Jährige unter anderem die aktive Box-Zeit ihres 1997 wenige Monate nach seinem 70. Geburtstag verstorbenen Mannes August.

Käthchen Frank

Und der war zu seiner Zeit wohl einer der erfolgreichsten und populärsten Sportler Kassels. Erst im Weltergewicht zuhause, weil er nach der russischen Kriegsgefangenschaft noch nicht so viel auf den Rippen hatte, später boxte er im Mittelgewicht. In dieser Gewichtsklasse wurde er in den Auswahlkader der Nationalstaffel berufen und holte sich 1957 den Hessenmeistertitel. Unvergessen unter anderem seine Kämpfe in der proppevollen Kasseler Stadthalle vor begeistertem Publikum gegen den Wetzlarer Förster oder den bärenstarken Heini Freytag aus Offenbach.

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1954 hatte August Frank für Hessen schon Länderkämpfe in Waterford gegen Irland (Abbruchsieg in Runde zwei über Graham) und in Birmingham gegen England (Punktsieger über Kingston). Mit dabei waren auch die Kasseler Clemen, Höhmann (ESV Jahn) und Nicolaus (ABC) Die Ansichtskarten, die er an seine damals noch Verlobte schickte, hat Käthchen Frank aufgehoben. Sie liegen mit den Fotos und den Ordnern mit den Zeitungsausschnitten in einem großen Karton im Keller. Käthchen Frank hat fast zu jedem der Bilder eine Erinnerung und kennt meist die Namen auf den Fotos.

Erinnerungen gibt es auch zu dem Zeitungsausschnitt aus der Neuwieder Zeitung vom September 1992. Zwei Journalisten aus Neuwied hatten beim Turnier in Kassel August Frank zum Kampf zweier Boxer befragt, und ihn mit Max Schmeling verwechselt. So war August Frank in Neuwied unter dem Titel „Max Schmelings Einschätzung“ in der Zeitung abgebildet.

Der Kasseler Journalist Horst Biese hatte zu Franks 70. Geburtstag am 14. Juli 1970 unter anderem folgendes geschrieben: „Wenn August Frank mit seinen Staffelkameraden Thielemann, Hauptreif, Meibert, Großkurth, Schweda, Stübner, Hussarek oder Nikolaus im Saal der Gaststätte Fontäne oder bei schönem Wetter auf dem Schulhof der benachbarten Bürgerschule 19/29 (heute Reformschule) boxte, herrschte in Wilhelmshöhe Verkehrschaos.“

August Frank hatte 1947 in der Boxabteilung des SV Wilhelmshöhe begonnen und gehörte dann noch im gleichen Jahr mit zu den Initiatoren der Gründung des 1. ABC Wilhelmshöhe. Auch nach seiner aktiven Zeit war Franks Popularität ungebrochen. Wenn er die Spiele der Traditionsmannschaft des KSV Hessen organisierte, dann kamen alle, ob sie Loweg, Velhorn oder Jendrosch hießen. Und die Franksche Tankstelle in der Leipziger Straße nahe dem Kreisel war Treffpunkt für Sportler aller Couleur.

Von Peter Fritschler

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