HNA-Serie "Unser Spiel"

Mit Elfentrank und Einhorn: Volleyballerinnen des FSV Bergshausen setzen auf Rituale

Die Volleyballerinnen mit ihrem Elfentrank: (vorn, von links): Kristina Afanasjev, Bianca Grünewald, Tina Petzold, Barbara Grünewald, Julia Sander, Maria Schulze, (hinten, von links) Christine Selle, Myriam Ben-Brahim, Neria Hotho, Sabrina Spiller, Lena Pollmann, Tanja Dehnert, Jana Krug, Stephanie Wager, Christiane Wieja und Lisa Reißig. 2 Fotos:  Schachtschneider

Fuldabrück. Der Blick auf die Spielerbank macht stutzig. 16 Capri-Sonnen stehen dort. Mittendrin ein leicht kitschiges, weiß-rosafarbenes Einhorn mit drei Herzen auf dem Bauch.

In einer Klarsicht-Box daneben: blaue Fruchtgummi-Schlümpfe. Wird hier tatsächlich Oberliga-Volleyball gespielt? Oder doch eher ein Kindergeburtstag gefeiert? Die Irritation währt allerdings nur kurz. Denn der weitere Blick in die Sporthalle vor der Söhre zeigt: Es geht doch um Sport.

Gerade spielen sich die Volleyballerinnen der FSV Bergshausen warm. In gut einer Stunde beginnt ihr Pflichtspiel. „Unser Spiel des Wochenendes gegen den Tabellenersten der Oberliga, DJK 1. SC Klarenthal“. So lautete der Titel ihres Bewerbungsschreibens, mit dem sie sich für „Unser Spiel“ beworben hatten.

Ihr Vorspiel 

Sekt gehört dazu: Im Getränkeraum lagert stets ein kleiner Vorrat. Jana Krug (von links), Christine Selle und Lisa Reißig zeigen eine kleine Auswahl.

Das Aufwärmen ist beendet. Leicht verschwitzt kommen die Spielerinnen zur Bank, greifen zur Capri-Sonne. Christine Selle, die alle nur Tine nennen, leert sie in einem Schluck, lacht und erklärt die Sache mit dem Getränk: „Das ist mal aus einem Gag entstanden. Mittlerweile gehört es einfach dazu.“ Heißt: Kein Spiel ohne Elfentrank. Hat zur Folge: Die Volleyballerinnen gingen vor Saisonbeginn auf Hamsterkauf – und legten sich gleich einen Vorrat von 40 Paketen zu.

Dann folgt Ritual, zweiter Teil: Christiane Wieja küsst das Einhorn kurz – es war das Geschenk ihrer Mitspielerinnen zum 30. Geburtstag. Und gleich danach Ritual, dritter Teil: Tanja Dehnert greift sich einen Fruchtgummi-Schlumpf. Selle stellt sich zwei Meter entfernt von ihr auf und fängt mit geöffnetem Mund den Schlumpf. Volltreffer. Eigentlich ein gutes Omen für’s Spiel.

Ihr Spiel 

Doch das läuft nur bis zum 11:11 nach Plan. Danach ziehen die Gegnerinnen auf zwei, drei, vier, am Ende sogar auf sieben Punkte davon. 18:25 geht der erste Satz verloren. Es gibt eine Runde Fruchtgummi-Schlümpfe für alle. Und die scheinen zu helfen. Bis zum 14:7 liegen die Bergshäuserinnen klar auf Kurs Satzgewinn. Doch dann Auszeit. Klarenthal macht Punkt um Punkt. Geht beim 17:16 erstmals in Führung. Von den Gastgeberinnen kommt zu wenig. 19:25 verlieren sie Durchgang zwei. In der Pause appelliert Trainer Dietmar Gottschlich: „Das ist unsere Halle. Das sind unsere Zuschauer. Das könnt ihr besser. Wir ziehen das jetzt volles Rohr durch. Wir wollen jetzt 3:2 gewinnen.“

Die Bergshäuserinnen baggern, pritschen, hechten – doch es reicht nicht. Mal misslingt die Annahme. Mal klappt der Block nicht richtig. Und der Tabellenführer ist einfach zu gut. So tritt ein, von dem die FSV-Damen auch gern erzählen: „Dem Trainer die letzten Haare rauben.“ Ein paar behält Dietmar Gottschlich am Ende noch. Nach anderthalb Stunden geht eine FSV-Angabe ins Aus. Mit 21:25 ist auch Satz drei futsch. Auf der einen Seite tanzt der Gegner. Klarenthal ist Meister.

Die Fruchtgummi-Freundinnen versammeln sich in der Mitte ihrer Hälfte. Klatschen sich ab und skandieren ihren Schlachtruf „Im Team“. Ein bisschen Trotz schwingt mit. Dann noch schnell eine La Ola mit den Fans. Gut 60 Zuschauer haben die Partie auf den Rängen verfolgt. „Das war eine super Stimmung. Vielleicht hat uns das etwas nervöser gemacht“, sagt Lisa Reißig und verschwindet vor die Tür.

Ihr Nachspiel 

Denn dort beginnt nur Momente später das Nachspiel. Die ersten Sektflaschen werden geköpft. Trotz Niederlage wird ein wenig gefeiert. Denn die Bergshäuserinnen bleiben Zweiter. Die Relegation winkt. Und sollte es klappen, vielleicht entscheiden sie sich ja auch, das Abenteuer Regionalliga zu wagen.

Volleyballerinnen der FSV Bergshausen verlieren Topspiel

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