Gastgeber siegen im Krimi

Regionalliga-Derby zwischen TV Jahn und TG Wehlheiden

Im Angriff: Die Wehlheiderin Samira Fromm.

Kassel. Liebesgrüße aus Kassel an den Volleyball. So lautet die Botschaft des Regionalliga-Derbys zwischen dem TV Jahn und der TG Wehlheiden (TGW). Es ist ein Krimi, den die Gastgeberinnen des TV in der Aueparkhalle mit 3:1 (25:18, 20:25, 25:22, 25:22) für sich entschieden. Vor Ort bei einer Partie, die die Jahnerinnen unter das Motto „James Bond“ gestellt haben – und das auch sportlich beide Teams mit Leben füllen werden.

Vor dem Spiel

Ein bisschen was hat sie von Miss Moneypenny. Mit einer leeren Kaffeekanne in der Hand eilt Alexandra Schwindt vom TV Jahn durch den Flur. In Sportklamotten. Ihr Auftrag aber hat so gar nichts Sportliches an sich, sondern erinnert eben eher an den einer Sekretärin: „Ich muss noch schnell Kaffee fürs Buffet holen“, erklärt sie im Vorbeilaufen. In diesem Augenblick ist der Flur menschenleer. Noch.

Noch hat auch Alina Lange viel Zeit, jeden Zuschauer persönlich zu begrüßen, jedem einen Popcorn-Gutschein fürs Kino und einen Beutel selbst gemachtes Popcorn in die Hand zu drücken und Teilnahmezettel für die Verlosung zu verteilen. Daniel Craig alias James Bond hält an der Eingangstür Wache – von einem Poster aus.

Ein paar Minuten später ist es mit der Ruhe vorüber. Die Fans strömen herein. Doch es drängelt niemand. Die Engländer hätten ihre helle Freude an der ordentlichen Schlange vor dem Kassentisch.

Viele drücken Jahn die Daumen, andere der TGW. So wie Gerhard Hartwig aus Niestetal. Sein Enkel Florian ist mit Lea Theis liiert. Er sagt: „Unsere Mädels stecken leider in der Krise. Ich hoffe, sie gewinnen zumindest einen Satz.“ Optimismus sieht anders aus.

Das Spiel

Wie, das zelebrieren die Hauptdarstellerinnen unten auf dem Parkett. Ein Quantum Trost will heute niemand haben. Und alle spielen, als gäbe es kein Morgen. Mal führt die TGW, mal Jahn. Erst beim 18:15 liegen die Gastgeberinnen knapp vorn. Nach 22 Minuten gewinnen sie den ersten Satz 25:18. Doch die TGW kontert. Angetrieben von der überragenden Evis Hofverberg holen sich die Gäste Durchgang zwei 25:20. Sie spürt, da könnte was gehen. Ihr Ansporn: „Mädels, wir sind gut“ ist bis auf die voll besetzte Tribüne, auf der 250 Zuschauer sitzen, zu hören.

Doch nun schlägt Jahn zurück. Die Gastgeberinnen sind in den entscheidenden Momenten im Angriff den entscheidenden Tick gefährlicher. Sie machen beim Aufschlag weniger Fehler. Symptomatisch: Jahn holt sich den dritten Durchgang 25:22, nachdem die TGW-Angabe im Aus landet.

Was folgt, ist beste Krimi-Unterhaltung. Die Gäste haben einen Lauf. Holen acht Punkte in Folge. Führen 8:1. Jahn kämpft sich zurück. Punkt um Punkt. Die TGW leistet sich vier Annahmefehler in Folge, als Folge geht Jahn beim 21:20 erstmals im vierten Satz in Führung und holt sich diesen am Ende mit 25:22. Der Sieg. Die selbst ernannten Volley-Hühner des TV Jahn sind obenauf.

Nach dem Spiel

98 packende Spielminuten haben ihre Spuren hinterlassen. Die Abgezocktheit eines 007 haben die Trainer beider Teams längst verloren. „Das war nervenaufreibend“, erklärt Florian Margraf, Trainer des TV Jahn. „Ich hätte es mir klarer gewünscht. die TGW war bärenstark. Wer sich in diesem Spiel eine kurze kreative Pause gegönnt hat, ist sofort bestraft worden.“

Sein Gegenüber Fredy Zech ist zwiegespalten. „Das war ein sehr gutes Spiel auf hohem Niveau. Da rächen sich Kleinigkeiten“, sagt er. „Den einzigen Vorwurf, den wir uns machen müssen ist der, dass wir beim 20:16 den Sack nicht zugemacht haben.“ Hofverberg ergänzt: „Den vierten Satz hätten wir verdient gehabt zu gewinnen. Es zermürbt, schon wieder verloren zu haben. Der zehnte Tabellenplatz zeigt nicht das, was wir können.“ Für das Liga-Schlusslicht TGW lautet nun das Motto: „Der Morgen stirbt nie“, während sich die „Goldfinger“ des TV Jahn über Rang zwei freuen – punktgleich mit dem Spitzenreiter.

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