Volleyballerin Evis Hofverberg über Abschied und Karriere

„Setze jetzt andere Prioritäten“

Gibt ihrem Leben einen neuen Dreh: Die Volleyballerin Evis Hofverberg hat ihre aktive Karriere beendet. Foto: Streuff

Kassel. 33 Jahre lang bestimmte Volleyball ihr Leben. Nun hat sich Evis Hofverberg vom aktiven „Leistungssport“ Sport verabschiedet. Wir blicken mit der ehemaligen Erstliga-Spielerin, die heute ihren alten Verein TG Wehlheiden im Oberliga-Heimspiel gegen Bad Homburg betreut (16 Uhr) zurück auf eine lange Karriere. Evis Hofverberg über...

• ... ihren Abschied: Nach der Saison und dem Abstieg war die Entscheidung gefallen. Mein Gefühl sagte mir, es ist der richtige Zeitpunkt: Du möchtest den Platz erhobenen Hauptes verlassen, nicht noch einmal den Verein wechseln. Natürlich haben auch die Mädels um Samira Fromm und Julia Wagner eine Rolle gespielt, die mit mir aufgehört haben. Wir waren über Jahre eine echte Bank auf dem Spielfeld. Ich hätte vllt. noch ein, zwei Jahre gut mithalten können, aber hätte durchaus noch mehr Zeit für Fitness aufbringen müssen. Dazu war ich nicht mehr bereit. Es ist jetzt die Phase, in der ich anderen Dingen mehr Platz in meinem Leben Zeit einräumen möchte.

• … neue Prioritäten: In den vergangenen Jahren habe ich in Vollzeit gearbeitet und in der Woche mit Spielen bis zu 20 Stunden mit Volleyball verbracht. Die neugewonnene Freizeit ist mir wichtig. Ich gehe gern Essen oder ins Kino, möchte mehr verreisen, kann relaxen, kreative Momente haben oder „auch einfach mal nichts tun“.

• ... Anfänge: Ich bin über meine Mum zum Volleyball gekommen. Als Fünfjährige hatte ich zum ersten Mal einen Volleyball in der Hand.

• ... ihre Zieh-Eltern: Als wir mit Dinamo Tirana in der Champions League gegen Feuerbach gespielt haben, haben sich 9 von 17 Spielerinnen abgesetzt und sind in Deutschland geblieben. Mein Onkel, der damals schon hier lebte, hat mich nach Kassel geholt. Ich war 15-einhalb Jahre alt. Während der Schulzeit, lernte ich Karin Lichte, Frau von Bernd Lichte, und Kristian Kühn kennen, sie waren meine Lehrer. Kristian und seine Frau Elisabeth nahmen mich auf gaben mir ein neues, wunderbares Zuhause. Karin lud mich sofort in ihre sportverrückte Familie ein. Fredy und Kirsten Zech gaben mir eine Volleyball-Heimat. Ich war sehr dankbar dafür. Irgendwann, so hoffe ich, kann ich diesen Menschen auch Etwas zurückgeben, ähnlich wie auf dem Volleyballfeld. Die Mannschaft und Fredy konnten sich immer auf mich verlassen, wenn es eng wurde.

• ... die Höhepunkte: Ich habe drei Länderspiele für Albanien in der Jugendnationalmannschaft gemacht. Das Nationaltrikot zu tragen, war das Größte. Ich war gerade 14 und die anderen Spielerinnen erheblich älter. Mich durchzusetzen, war nicht einfach. Mit Tirana durfte ich Champions League spielen. Ein Heimspiel gegen Feuerbach haben wir vor 5000 Zuschauern absolviert. Plötzlich ging das Licht aus und Leute holten Kerzen raus. Ein anderer Höhepunkt war 2001, der Gewinn des German Beachcups. Es ist das zweithöchste Turnier hierzulande. Es fand in Bremen statt, wo ich damals 1. Liga gespielt habe. Ein Wechsel zum Beachvolleyball war aber nie ein Thema.

• ... Höhepunkte in Kassel: Als wir mit der TSG Wilhelmshöhe in die 2. Liga aufgestiegen sind, haben wir Wetzlar aus der Hegelsberghalle gefegt. Auch der Zweitliga-Aufstieg mit Vellmar und der Drittliga-Aufstieg mit der TGW sind mir unvergesslich. Zweimal habe ich auch das Beachvolleyballturnier auf dem Königsplatz gewonnen, einmal mit Annette Sewz, einmal mit Jacqueline Pfeiffer.

• ... Tiefpunkte: Da gibt es zwei, die mich lange beschäftigt haben. Wir hätten 2001 in Timmendorf bei der Deutschen Meisterschaft im Beachvolleyball antreten können. Allerdings hatten wir es sportlich unsinnig verschenkt, im letzten Turnier ins Hauptfeld zu kommen. Bitter war auch der Erstliga-Abstieg mit Bremen.

• ... die Zukunft: Ich habe seit sieben, acht Jahren einen Trainerschein, die B-Lizenz. Sie berechtigt mich, Mannschaften bis zur 2. Liga zu trainieren. Erste Einsätze als Abwesenheitsvertreterin von Fredy Zech sind bereits erfolgt. Reizen würde mich der Trainerjob in absehbarer Zeit schon. Ab April 2017 gebe ich zweimal pro Woche Beachvolleyballkurse an der Uni Kassel. Außerdem freut sich die Lehrermannschaft meiner Schule schon auf meine Unterstützung. Auch wenn Volleyball mein Leben war: Ich falle in kein sportliches Loch. Es gibt noch andere Sportarten wie Badminton und Laufen, die mir Spaß machen und mich fit halten.

• ... den heutigen Einsatz: Die Vertretung von Fredy bleibt eine einmalige Sache. Ich möchte die Mannschaft unterstützen. Und es ist ein schönes Gefühl, wieder einmal in die Aueparkhalle zurückzukehren.

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