Hinrunde, die in Vellmar so keiner erwartet hatte

Interview  mit Volleyballer Dominik Sperling

Den Ball fest im Visier: Dominik Sperling war beim SSC Vellmar vor der Saison eigentlich für die Oberliga-Mannschaft vorgesehen, musste dann aber ab dem fünften Spieltag eine Klasse höher in der Regionalliga aushelfen. Seitdem ist er fester Bestandteil des Teams von Trainer Marcus Krössin. Foto:  Koch

Vellmar. Was war das für eine Hinrunde des Volleyball-Regionalligisten SSC Vellmar. Das Team hatte so viele Verletzte, dass nicht immer ganz klar war, ob denn noch wer auf der Ersatzbank sitzen würde.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Mannschaft von Trainer Marcus Krössin auf Platz vier nur vier Punkte hinter Spitzenreiter Speyer rangiert. Darüber sprachen wir mit Außen- und Diagonalspieler Dominik Sperling vor dem Rückrundenstart am Samstag ab 20 Uhr in Sinzig (nördlich von Koblenz in Rheinland-Pfalz).

Hat Ihr Team eigentlich hin und wieder auf der Kasseler Königsstraße Werbung gemacht, um neue Spieler zu gewinnen? 

Dominik Sperling: Das wäre eine super Idee gewesen. Aber Spaß beiseite. Erst mal wurde natürlich bei uns im Verein geschaut. Und dann bin ich auch schon gefragt worden.

Auf der Königsstraße? 

Sperling: Nein, irgendwann habe ich einen Anruf bekommen, ob ich denn kurzfristig aushelfen könnte. Das war am fünften Spieltag in Feldkirchen. Gleich nach drei Ballwechseln zog sich Alexander Trick einen Bänderriss zu, und ich kam rein. Verrückt.

Wieviele Verletzte waren es eigentlich in der Spitze? 

Sperling: Die eine Hälfte war verletzt, die andere einsatzbereit. Teilweise saß nur ein Spieler auf der Bank, das war schon echt bitter. Dann mussten wir aus der zweiten Mannschaft auffüllen, selbst Erik Niederlücke, der erst 15 Jahre alt ist, bekam seinen ersten Einsatz in der Regionalliga.

Wie erstaunlich ist es dann, dass Sie so gut dastehen? 

Sperling: Vor dem Hintergrund, dass unser Saisonziel der Klassenerhalt ist, müssen wir uns schon hin und wieder die Augen reiben. Ich glaube aber, dass wir in unserer Situation ohne großen Druck aufspielen können - das ist vielleicht unser Erfolgsrezept. Wir hoffen, dass wir Platz vier verteidigen können, und eventuell geht ja noch mehr.

Träumen Sie vom Titel? 

Sperling: Na klar, träumen darf man immer. Und im Training machen schon Späße die Runde - nach dem Motto: Es wäre echt cool, wenn wir aufsteigen würden. Mit so vielen Verletzten trotzdem die Dritte Liga zu erreichen - das ist doch ein klasse Traum.

Sie waren für die Oberliga vorgesehen und spielen jetzt in der Regionalliga. Wie groß ist der Unterschied? 

Sperling: Man merkt schon, dass in der Regionalliga Bälle rausgeholt werden, die in der Oberliga eher verloren gegeben werden. Zudem sind die Gegner in der Regionalliga natürlich sehr viel stärker, da machen die Duelle noch mehr Spaß.

Wieviel Spaß hatten Sie denn während Ihrer Zeit im Volleyball-Internat in Frankfurt, das Sie von 2009 bis 2011 besuchten? 

Sperling: Dort stand die Leistung im Vordergrund, und ich habe gelernt, dass Volleyball auch einfach nur aus Daten bestehen kann. Leidenschaft und Spaß standen leider nicht an erster Stelle. Nach einer langwierigen Knieverletzung bin ich dann wieder nach Vellmar zurückgegangen.

Zwei Anekdoten gibt es trotzdem noch aus Ihrer Zeit in Südhessen. Sie waren der Internats-DJ und kamen manchmal zu spät zum Training? 

Sperling: Das stimmt. Vor der Schule stand schon die erste Einheit an. Wer ein bisschen länger im Bett blieb, kassierte Straftraining. Heute habe ich mich da schon gebessert. Und zur Musik: Ja, das ist eine Leidenschaft von mir. Im Internat gab es keinen Tag ohne elektronische House-Musik, also all das, was so in den Clubs gespielt wurde.

Zurück zur aktuellen Saison: Entspannt sich denn am Samstag die Personallage? 

Sperling: Mit Alexander Trick kommt der Spieler zurück, für den ich am fünften Spieltag eingewechselt wurde. Da schließt sich irgendwie ein Kreis. Und dann müssen wir sehen, wie wir die Weihnachtspause verkraftet haben.

Und die Ersatzbank ist wieder besser besetzt? 

Sperling: Das hoffen wir natürlich. In Sinzig erwartet uns ja ein echtes Verfolgerduell.

Für das Sie keine Verstärkung mehr auf der Königsstraße anwerben müssen, oder? 

Sperling: Für die Regionalliga nicht. Aber wir haben ja auch noch andere Teams, bei denen man reinschnuppern kann. Und wer weiß, wie sich die Saison noch entwickelt.

Zur Person

Dominik Sperling (21) wurde am 15. August 1993 in Kassel geboren und wuchs in Vellmar auf. Mit 10 Jahren begann er mit Schwimmen und Volleyball beim SSC Vellmar. Von 2009 bis 2011 wohnte er im Volleyball-Internat in Frankfurt und spielte in der U16-Nationalmannschaft. Sperling lebt nun wieder bei seinen Eltern und arbeitet derzeit im Fitnessstudio „EuroFit“ in der Kurfürstengalerie. Demnächst will er ein Studium beginnen. Freundin Jenny (18) lernte er beim Badminton spielen kennen, seit elf Monaten ist er mit der Vellmarerin zusammen. (tor)

Von Torsten Kohlhaase

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.