WR-Serie: Unsere sportlichen Anfänge (7)

Vor über 60 Jahren: 3500 Zuschauer bei Eröffnung der Eschweger Torwiese

Das Stadion Torwiese Eschwege
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Das Stadion Torwiese Eschwege 63 Jahre nach der Eröffnung. Lauf- und Sprunganlagen haben eine Kunststoffbahn erhalten. Die SV 07 Eschwege spielt seit jeher auf der Torwiese, zuvor auf dem Werdchen.

Die Torwiese in Eschwege ist eine der bekanntesten und am meisten frequentierte Sportstätte im gesamten Werra-Meißner-Kreis. Wir blicken auf die Entstehung in der WR-Serie „Unsere sportlichen Anfänge“.

1952 begannen Planung und Bau des Stadions. 1957 wurde die Torwiese mit einem Fußball-Freundschaftsspiel offiziell in Betrieb genommen. Die ihr 50. Jubiläum feiernde SV 07 Eschwege unterlag am 5. August in dieser Partie Hannover 96, dem norddeutschen Oberligisten und Deutschen Fußballmeister 1954, vor 3500 Fans 0:5.

Die Pläne des Baurats

22. März 1952 in der WR: Der damalige Eschweger Baurat Buff stellte unter der Überschrift „Großzügige Sportplatzanlage vor den Toren der Stadt“ die Pläne der Stadt Eschwege vor und lieferte gleich einen Entwurf der Anlage mit (Abbildung unten). Weil die Platzverhältnisse auf dem Werdchen wegen des lebhaften Sportbetriebes der Hand- und Fußballer, der Leichtathleten und der Schulen, auch wegen des Hochwassers und der durch das Wetter entstehenden schlechten Platzverhältnisse auf dem Ascheplatz unzureichend seien, habe sich die Stadt entschlossen, eine neue Sportanlage zu erschaffen.

Buff versprach eine großzügige Ausstattung, die in mehreren Bauabschnitten verwirklicht wird: Ein Rasenplatz, sechs Laufbahnen, Sprung- und Wurfanlagen, Ränge für Zuschauer, ein Tribünenbau, der sanitäre Anlagen, Club- und Schulungsräume enthielt, ja sogar eine Turnhalle, ein 50-m-Schwimmbecken und einiges mehr waren geplant. Um die Hochwassergefahr zu beseitigen, wurde der ehemalige Müllabladeplatz 60 Zentimeter über den Höchststand aufgefüllt. Tatsächlich begannen schon Anfang 1952 die Bauarbeiten, für die 60 Arbeitslose eingestellt wurden. Eine gute Drainage war notwendig, die Erdarbeiten machten Fortschritte. Eine Eisbahn war bald benutzbar, 1957 auch der Platz, sodass Fußball gespielt werden konnte. Hannover 96 konnte kommen.

Hannover, der Meister

Die Eschweger waren froh, gegen die von Helmut Kronsbein trainierten Hannoveraner zu spielen. Dem 07-Vorstand um Alfred Krämer gelang die Verpflichtung der Truppe, nachdem das erst geplante Spiel gegen eine Mannschaft aus Thüringen nicht zustande kam. Als Meister der Oberliga Nord 1953/54 sorgte Außenseiter 96 in der Endrunde der Deutschen Meisterschaft für die Sensation, als am 23. Mai 1954 vor 80 000 Zuschauern in Hamburg den mit allen 54er-WM-Nationalspielern angetretenen 1. FC Kaiserslautern 5:1 bezwang und zum zweiten Mal Meister wurde. In der Saison 1955/56 erreichten die Hannoveraner noch einmal die Endrunde, schieden dann aber aus. 1957 dann das Gastspiel von 96 in Eschwege.

Würdige Eröffnung

Vom Jubiläumsspiel selbst ist nicht sehr viel überliefert. In der WR vom 5. August 1957 war zu lesen: „Hannover 96 zeigte große Fußballkunst. Die verstärkte 07-Elf war vor 3500 Zuschauern trotz der 0:5-Niederlage ein tapferer Verlierer. Die Rede ist von großer Gegenwehr einer jungen Eschweger Mannschaft, die mit Spielern wie Peter Hagemann, Wolfgang Warnat, Karl-Heinz Gienger, Günter Schellhas, Heinz Wiechert, Herbert Lieberknecht, Jürgen Mehmel und den Gastspielern Hinderer, Binkowski und Jakobus aus Sontra antrat. Für 96 spielten bekannte Spieler wie Torwart Krämer, Wewetzer, Paetz und Hundertmark.

Der Weg nach oben

Im Jubiläumsjahr 1957, in dem die SV 07 sieben Mannschaften stellte (Senioren und Jugend) holte sich die Reserve die B-II-Klassenmeisterschaft, die 07-Schüler gewannen den ersten Kreistitel. 1959 glückte mit dem hohen 7:2-Sieg gegen die SG Nesselröden/Wommen der Gewinn des Dr.-Hans-Kalb-Pokals. Dennoch war (Zitat des damaligen Kreis-Pressewartes Herbert Loewe) in den folgenden Jahren „ein ständig sinkendes Niveau des Eschweger Fußballsports“ zu bemerken. Die Lage des Kreises im Zonenrandgebiet und die damit oft verbundene Abwanderung talentierter Fußballer wurden als Gründe genannt. Ein Tiefpunkt 1960 der Abstieg der SV 07-Mannschaft in die B-Klasse. In den folgenden Jahren aber der Aufschwung, der schon 1968 unter Trainer Böhme den Aufstieg in die Bezirksklasse brachte.

Robert Groß und Peter Petermann.

Das Werdchen geliebt

Das Jubiläumsspiel der SV 07 im August 1957 gegen Hannover 96 fand in einem praktisch halbfertigen Torwiesen-Stadion statt. Das Spielfeld zwar bespielbar, doch viele Anlagen noch nicht fertig oder im Rohbau. Die Eschweger Fußballer wichen noch öfter auf das Werdchen oder in die Nachbarschaft aus, wobei der Schlackebelag des Werdchens keine Freude bereitete und für manche böse Schürfwunde sorgte. Robert Groß, ein ehemaliger 07-Akteur: „Wegen des noch nicht fertigen Stadions und schlechten Rasenplatzes spielten wir anfangs nicht so gern auf der Torwiese.“

Sein Teamkollege Peter Petermann stimmt zu: „Wir sind auf dem Werdchen groß geworden, kannten diesen Platz und seine Eigenheiten.“ Mit fortschreitendem Ausbau wurde die Torwiese aber dann doch eine Heimstatt für die SV 07, das Werdchen zurückgebaut. Aus finanziellen Gründen ließen sich nicht alle 1952er Pläne von Baurat Buff verwirklichen, doch das Stadion Torwiese wuchs. Die Stadt baute Umkleiden, die SV 07 ein Clubhaus. Auch in Zukunft, das haben die Stadtverordneten versprochen, will die Stadt in das Stadion investieren. Nach dem letzten sportlichen Einbruch vor zwei Jahren bemüht sich ein junges Team, auch wieder an die großen sportlichen Erfolge anzuknüpfen. Das gute Beispiel der Jahre um 1960: Da hat 07 den Aufschwung geschafft.

Einmal 07, immer 07

Sie haben alles miterlebt, die beiden Eschweger Altfußballer und Abwehrstrategen Peter Petermann und Robert Groß. Die beiden ehemaligen 07er, die von der B-Jugend bis zu den Senioren mindestens 14 Jahre im Eschweger Team ein Abwehrbollwerk bildeten, erinnern sich noch sehr gut an die Zeit, als aus einem Müllabladeplatz ein neues Stadion wuchs. Sie standen in dem Spiel gegen Hannover 96 zwar nicht auf dem Feld, trugen aber bereits einige Zeit das 07-Trikot, spielten gemeinsam in den Jugendmannschaften. Petermann: „Ich war als junger Spieler in der 1. Mannschaft für das Hannover-Spiel noch nicht stark genug.“ Groß: „Ich spielte noch in der A-Jugend, deshalb kam ein Einsatz bei unseren Senioren gegen Hannover nicht infrage.“

Robert Groß: Am 3. November 1939 in Eschwege geboren, war er erst Turner bei der TSG Jahn/Eintracht, ging 1952/53 zur SV 07 Eschwege, wo er unter Trainer Kurt Leistner zunächst in der B- und A-Jugend spielte. Die B-Jugend der SV 07 gewann 1954/55 den Bezirksmeister-Titel. Seinen Einstand in der „Ersten“ feierte Groß 1957 im Spiel gegen Hermannia Kassel, als der A-Jugendliche vom Trainer eingewechselt wurde. „Das war mein Einstand. Ich durfte ab dann nicht mehr in der Jugend spielen.“
Fast immer in der Abwehr aufgeboten, zeichnete sich Groß auch als Torschütze aus. So wie am 13. Oktober 1957, als die SV 07 laut Bericht in der Werra-Rundschau 4:4 in Ihringshausen spielte. Die Dietemänner, die nach zwei schweren Verletzungen mit nur neun Spielern auskommen mussten, lagen 3:4 zurück. Doch in der 90. Minute glückte der Ausgleich. Groß per Freistoß.
Von 1957 bis 97 trug Robert Groß in einigen hundert Spielen das Trikot der SV 07. Er hatte aber auch Angebote, in die Nachbarschaft zur damals sehr starken SG Sontra zu wechseln. Aber das kam für den Abwehrmann nicht in Frage: „Einmal 07, immer 07“ seine These. Auf die gerade in jüngster Zeit rege Wechseltätigkeit einer ganzen Eschweger Mannschaft anspielend: „Das hat es früher nicht gegeben, wegen Geld meinen Verein zu verlassen!“

Peter Petermann: Erblickte am 29. Januar 1939 in Eschwege das Licht der Welt. Wie sein Kumpel Robert Groß stieß Petermann 1954 mit 15 Jahren zu den 07-Fußballern, hatte aber sofort einen Stammplatz in der Abwehr der B- und A-Jugend sicher. „Vorher habe ich nur heimlich Fußball gespielt, weil meine Eltern das nicht so gern sahen.“
Schon 1957 holten ihn die Senioren in ihr Team. In der Abwehr verdiente sich Petermann die Lorbeeren. Alle Angreifer hatten es schwer, an ihm vorbei zu kommen. Am 3. Oktober 1971, nach 14 Jahren, beendete er seine aktive Laufbahn. : „Da haben wir 3:2 bei der TSG BSA gewonnen, die 29 Monate auf eigenem Platz unbesiegt war.“ Die WR bezeichnete Petermann als einen der herausragenden Spieler. Einen Tag nach dem Triumph verunglückte Petermanns Mannschaftskamerad „Nippes“ Berkele tödlich.
Vereinstreue war keine Floskel für Peter Petermann. Er spielte immer für die SV 07 Eschwege.

Von Siegfried Furchert

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