Mehrere Ehrenämter unbesetzt 

Vorstandssuche: TSV Vellmar wirbt auf ungewöhnlichem Weg

Gehen neue Wege: Rainer Zülch (links), Schatzmeister des TSV Vellmar, und Vorsitzender Gunter Schmidt suchen per Flyer nach neuen Vorstandsmitgliedern. 
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Gehen neue Wege: Rainer Zülch (links), Schatzmeister des TSV Vellmar, und Vorsitzender Gunter Schmidt suchen per Flyer nach neuen Vorstandsmitgliedern. 

Es ist ein Problem, das viele Vereinsvertreter kennen: Vorstandsposten müssen nachbesetzt werden, aber die Kandidaten sind rar. Der TSV Vellmar geht nun einen ungewöhnlichen Weg. 

Zwei, die vom Problem der Postennachbesetzung ein Lied singen können, sind Gunter Schmidt (79), Vorsitzender des TSV Vellmar, und Rainer Zülch (77), Schatzmeister des Vereins. Seit vier Jahren sucht der 850 Mitglieder starke Klub einen Nachfolger für Schmidt, der in diesem Jahr 80 wird und sich deswegen von seinem Amt zurückziehen möchte.

Weil der Erfolg bislang allerdings ausblieb, schlagen die TSV-Verantwortlichen nun einen ungewöhnlichen Weg ein: Mit knallgelben Flyern werben sie zunächst vereinsintern für einen neuen Vorsitzenden, Stellvertreter, Pressewart und Schriftführer. Um passende Nachfolger zu finden, wurde zudem die Hauptversammlung des Vereins extra ans Ende des Jahres verschoben.

TSV-Flyer informieren über Aufgaben ans Ehrenamt

Normal würden die Abteilungsleiter die Gesuche für nachzubesetzende Posten in die Sparten wie Badminton, Basketball und Handball tragen, sagt Zülch. „Das erfolgt aber nur verbal. Mit den Flyern liegt nun etwas zum Anfassen vor“, sagt der TSV-Schatzmeister. 

Zu finden sind darin die Aufgaben, die Anforderungen und Informationen über die Vergütung, die 60 Euro pro Monat für Vorstandsmitglieder beträgt. Seit Ende Februar liegen die Flyer vor, Schmidt und Zülch behalten sich aber offen, damit auch in der Öffentlichkeit für ihren Verein zu werben.

Gunter Schmidt ist seit 48 Jahren TSV-Vorsitzender

Schmidt bekleidet den Posten des TSV-Vorsitzenden seit 48 Jahren. Er weiß, wovon er spricht, wenn es um die Vereinsarbeit geht: Die Menschen seien heutzutage weniger dazu bereit, Ehrenämter auszuüben. „Das Gefühl, man ist ein Gesamtverein, ist heute nicht mehr so gegeben wie früher“, sagt der 79-Jährige, der Zeit seines Lebens vor allem eine Vorliebe für den Turnsport hatte.

In Laboe an der Ostsee aufgewachsen, führte seine Arbeit als Pharmareferent ihn und seine Frau 1971 nach Vellmar. „Da war die gegenseitige Unterstützung im Verein noch selbstverständlicher“, sagt Schmidt. Die Menschen seien heute weniger verwurzelt in den Städten und Dörfern, wechselten deswegen auch häufiger die Vereine. 

Außerdem würden potenzielle Vorstandsmitglieder häufig mit dem Grund absagen, die eigene Arbeit lasse es nicht zu, in der Freizeit noch einen Vorstandsposten im Verein vor Ort zu besetzen.

"Sport ist ein wichtiges gesellschaftliches Element" 

„Dabei ist Sport ein wichtiges gesellschaftliches Element für die Erziehung, für das Wohlbefinden und den sozialen Umgang“, sagt der TSV-Vorsitzende. Neben dem häufigen Austausch mit seinen Mitmenschen seien das die Gründe dafür, weswegen er das Amt des Vorsitzenden so lange bekleidet hätte.

Wichtig ist den beiden Vereinsmitgliedern, dass sie Menschen für die Posten finden, die etwas bewegen wollen. „Dann ist der Schritt auch einfacher, so ein Amt zu übernehmen“, sagt Zülch. Und die Unterstützung der erfahrenen Mitglieder könnte sich der neue Vorstand sicher sein. 

Eine Sache ist für Zülch noch bedeutend: „Wir hoffen auch, genügend Nachfolger zu finden, damit es nicht irgendwann zu einer Fusion mit anderen Vereinen kommen muss.“

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