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„Einfach nur der Wahnsinn“ - Wanfrieder ist Europapokalsieger mit der Eintracht

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Von: Stefan Konklowsky

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Überglücklick: Der Wanfrieder Physiotherapeut Patrick Kux holte mit der Frankfurter Eintracht in Sevilla gegen Glasgow die Europa League.
Überglücklick: Der Wanfrieder Physiotherapeut Patrick Kux holte mit der Frankfurter Eintracht in Sevilla gegen Glasgow die Europa League. © Eintracht Frankfurt

Der Wanfrieder Physiotherapeut Patrick Kux holte mit der Frankfurter Eintracht in Sevilla die Europa League. Wir sprachen mit ihm im Interview über den sensationellen Erfolg.

Wanfried – Bereits zwei Geschichten im Februar 2018 und im Mai 2018 habe ich über meinen ehemaligen Spieler Patrick Kux schreiben dürfen. Und beides Mal waren wir eigentlich der Meinung, dass das der jeweiligen Geschichte zugrunde liegende Ereignis kaum noch zu überbieten sei. So kann man sich täuschen.

Zunächst freuten wir uns gemeinsam über seine Festanstellung als Physiotherapeut in der Lizenzspielerabteilung der Frankfurter Eintracht, als er den damaligen Sportchef Bruno Hübner und Trainer Nico Kovac im Vorstellungsgespräch überzeugen konnte und nur wenige Monate später, als der ehemalige Libero des VfL Wanfried gemeinsam mit der Elf der Adlerträger im Berliner Olympiastadion und auf dem Frankfurter Römer den DFB-Pokalsieg gegen den FC Bayern feiern durfte.

Dass nun fast vier Jahre später Patrick Kux als festes Mitglied des Frankfurter Stuffs im Stadion von Sevilla den Europapokal in die Luft stemmen durfte, konnte damals sicherlich niemand erahnen. Wir haben mit dem frischgebackenen Vater nach den Tagen von Sevilla ausführlich über seine Erlebnisse gesprochen.

Patrick, wie geht es dir?

Mir fehlen auch heute noch etwas die Worte. Das was wir in Europa erlebt haben, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. 2018 war schon sensationell, aber diese Europapokalsaison war einfach nur der helle Wahnsinn. Angefangen vom Support der Fans, den Auftritten in Barcelona, London und Sevilla war alles wie ein Traum.

Jetzt werde ich so langsam wach und realisiere das alles erst. Allein die Feier nach der Heimkehr verdient das Prädikat „Weltklasse“. Nach dem Empfang im Römer und der anschließenden Feier sind wir Freitag noch mal für 24 Stunden nach Mallorca geflogen. Ohne eine Minute Schlaf, aber mit einer großartigen Siegesfeier am Bierkönig und im Megapark. Jetzt freue ich mich erst mal auf den Urlaub mit der Familie.

Was hat sich seit 2018 für dich alles verändert?

Unabhängig davon, dass ich meine langjährige Freundin Viktoria geheiratet habe und zum ersten Mal Vater geworden bin, hat sich auch mein Aufgabenbereich deutlich verändert. Im Jahr 2018 war ich der „Neuling“ im medizinischen Bereich der Eintracht, heute bin ich fast am längsten dabei. Zudem habe ich auch meine Ausbildung als Osteopath abgeschlossen.

Bei der Eintracht haben sich meine Aufgabengebiete verschoben. Während ich anfangs „nur“ als Physio tätig war, erstelle ich heute Dienstpläne, pflege die Kontakte zu unseren Dienstleistern, unseren Köchen und der Ernährungsberatung. Zudem übernehme ich die Equipmentplanung der Frauenmannschaft, des Nachwuchsleistungszentrums und der neuen U21. Es macht wahnsinnig viel Spaß, Verantwortung zu übernehmen, und ich bin froh, dass meine Familie so hinter mir steht und mich unterstützt.

Auch insgesamt ist unsere Abteilung gewachsen in den letzten Jahren und hat sich deutlich professionalisiert. Nur so kann man sich aber auch dauerhaft weiterentwickeln als Verein und da haben wir noch einiges vor.

Wie war das nun in Sevilla generell?

Ich bin mit unserem Koch bereits am Montag nach Sevilla geflogen, um alles optimal vorzubereiten. Im Vorfeld wurde ein Anforderungsprofil erstellt, das wir dann vor Ort gecheckt haben, damit die Elf optimale Voraussetzungen bei ihrer Ankunft vorgefunden hat. Der Finaltag war dann einfach wie im Rausch.

Natürlich sind beim 0:1 die Ereignisse aus 2019 (die Eintracht verlor im Elfmeterschießen gegen Chelsea, Anm. d. Red.) kurz wieder hochgekommen, aber nach dem Ausgleich und erst recht nach der Parade von Kevin Trapp kurz vor dem Ende wusste ich, dass wir es schaffen werden.

Im Elfmeterschießen habe ich bei den ersten drei Schüssen gar nicht hinschauen können, das war eine extreme Anspannung. Und nach dem Siegtor war dann nur noch Jubel. Ein überragendes Erlebnis mit unbeschreiblichen Gefühlen bei allen. Egal ob Spieler, Stuff, Familie, sportlich Verantwortliche – es war einfach sensationell. Mit Worten nicht zu beschreiben.

Im Gegensatz zu 2018 haben wir dich während des Finales öfters im Einsatz gesehen, wie kam das?

Mittlerweile gehöre ich zum alten Eisen in unserem Team, da darf man dann auch mal Wünsche äußern. Und das ist dann natürlich noch einmal ein gigantischer Unterschied, ob du auf der Tribüne oder der Bank sitzt.

Als wir dann vor der Fankurve standen und ebenso wie alle anderen gefeiert wurden und den Pokal in den Händen hielten, war es schon schwer, die Beherrschung zu behalten. Da ist viel Ballast abgefallen, denn ohne den Sieg wäre unsere Saison eine höchst durchschnittliche gewesen. Aber so war alles perfekt und unbeschreiblich schön.

Und wie verlief die Feier?

Feuchtfröhlich vom Abpfiff bis zum Wochenende. Wir haben es heftig krachen lassen. Aber es bleibt noch eine Menge Arbeit und da möchte ich gerne meinen Teil zu beitragen, um die Eintracht mit nach vorne zu bringen.

Hast du aktuell noch einen Wunsch?

Rein sportlich wäre es toll in der Champions League in Liverpool zu spielen, um die Atmosphäre erleben zu dürfen. Dann würde ich gerne mal wieder Fußball in der Heimat und alte Freunde sehen.

Und weil der SV Adler Weidenhausen sensationell in die Hessenliga aufgestiegen ist, möchte ich unbedingt, wenn es die Zeit zulässt, bei dem Spiel gegen unsere U21 als Zuschauer dabei sein. Ansonsten bin ich wunschlos glücklich. Heirat, Geburt des Sohnes und Europapokalsieger in kürzester Zeit – das dürften nicht viele erlebt haben. Dafür bin ich sehr dankbar.

Zur Person

Patrick Kux (33) ist seit 2017 Physiotherapeut bei der Eintracht-Frankfurt-Fußball-AG im Lizenspielerkader. Zuvor arbeitete er fünf Jahre für Borussia Mönchengladbach. Der Wanfrieder war aktiver Fußballer beim VfL Wanfried sowie beim SC Niederhone. Seit 2021 ist er verheiratet, in diesem Jahr brachte Frau Viktoria den gemeinsamen Sohn zur Welt. Kux hat eine Personal-Trainer A-Lizenz und ist DOSB-Sportphysiotherapeut.  

(Stefan Konklowsky)

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