Reitsport

Wanitschkas vierter Streich: Erneut Deutscher Meister im Distanzfahren

Mit Schärpe und Trophäe: Mit seiner Stute Astoria wurde Manfred Wanitschka zum vierten Mal Deutscher Meister im Distanzfahren.
+
Mit Schärpe und Trophäe: Mit seiner Stute Astoria wurde Manfred Wanitschka zum vierten Mal Deutscher Meister im Distanzfahren.

Mit seiner Stute Astoria wurde Manfred Wanitschka zum vierten Mal Deutscher Meister im Distanzfahren.

Oberrieden – Er hat es wieder gemacht: Mit seiner zehnjährigen Trakehner-Stute Astoria holte sich Manfred Wanitschka (66 Jahre) aus dem Bad Sooden-Allendorfer Stadtteil Oberrieden soeben zum vierten Mal die Deutsche Meisterschaft im Distanzfahren.

Im nordrhein-westfälischen Warburg legte sein Einspänner die 100 Kilometer lange Querfeldeinstrecke in fünf Stunden und 58 Minuten zurück, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 17,21 Kilometern pro Stunde entspricht.

Für den Bundesbahn-Pensionär ist es nach 2019 der zweite Titelgewinn mit Astoria, die er vor fünf Jahren gekauft hatte. Im vergangenen Jahr war das Rennen coronabedingt ausgefallen. Ebenfalls ganz oben auf dem Siegertreppchen gestanden hatte Wanitschka bei den Meisterschaften der Jahre 2003 und 2012, damals mit seinen Stuten Fancy Girl 8 beziehungsweise Itwhuna. Zu seiner imposanten Titel-Sammlung gehören außerdem sieben Vizemeisterschaften.

Wanitschka setzte sich gegen zwei Titelträgerinnen durch

Bei seinem Sieg in Hessens Nachbarland setzte sich der 66-Jährige gegen zwei ehemalige Titelträgerinnen durch. Claudia Bretthauer (Warburg) landete bei ihrem „Heimspiel“ mit einem Rückstand von exakt einer Stunde auf Rang zwei.

Schärfste Konkurrentin war die lange Zeit mit wenigen Sekunden Vorsprung führende Christina Böker (Trendelburg). Am Ende jedoch wurde sie aus der Wertung genommen, weil ihr Traber noch vor der Siegerehrung eine Kolik erlitten hatte. Per Infusion half der Tierarzt dem Pferd aber auf die Beine, sodass es am nächsten Tag wieder transportfähig war.

Auf die anspruchsvolle Strecke – zwei jeweils 25 Kilometer lange Rundkurse, die zwei Mal zu bewältigen waren – waren die Teilnehmer im Fünf-Minuten-Takt gestartet. „Es ging ständig hoch und runter“, kommentierte Wanitschka den beschwerlichen Umstand, dass die Gespanne insgesamt 3000 Höhenmeter zu überwinden hatten.

Veterinärmediziner immer mit dabei

„Für die Tiere eine schweißtreibende Arbeit mit einem unheimlich hohen Wasserverlust.“ Deswegen stand seine Frau Andrea in den drei jeweils 40-minütigen Pausen stets parat, um die Stute zu tränken und zu füttern, was der Veterinärmediziner mit einem Hautfaltentest beziehungsweise anhand der Darmgeräusche penibel überprüfte.

Schwerstarbeit: 3000 Höhenmeter hatte Wanitschkas Stute auf der 100 Kilometer langen Strecke zu überwinden.

Jede Unregelmäßigkeit hätte die sofortige Disqualifikation nach sich gezogen. Das gilt auch für die Überprüfung der Pulsfrequenz. Im Ruhestand, erläutert Wanitschka, schlage das Herz des Pferdes rund 40 Mal pro Minute, bei Höchstleistungen dreimal so schnell.

Innerhalb von 20 Minuten nach Beginn jeder Pause müsse der Pulsschlag bei 64 oder niedriger liegen, sonst sei das Rennen per Ausschluss beendet. Nach dem Zieleinlauf hatten sich die Pferde außerdem einer Dopingprobe zu unterziehen.

Zwei weitere Trakehner im Stall

Auf das Meisterschaftsrennen Ende August hatte sich Wanitschka akribisch vorbereitet. Seit dem Frühjahr stand für seine Stute bis zu drei Mal pro Woche ein Ausdauertraining auf dem Programm mit Strecken von 25 oder 33 Kilometern in hügeligem Gelände.

Mit Oxalis (15) und Olivia (8) hat der Oberriedener zwei weitere Trakehner im Stall. Die jüngere Traber-Stute hat bereits eine Distanz von 80 Kilometern bravourös bewältigt. Sie scharrt sozusagen schon mit den Hufen. Zum Distanzsport gekommen ist Wanitschka Mitte der 1990er-Jahre, als er sich bei einem Fahrkurs in Echte bei Northeim in die Trakehner-Rasse verliebte: „Temperament, Aussehen, Beweglichkeit – top.“

Bis dahin hatte er Ponys oder Haflinger geritten und gefahren. Wie selbstverständlich sprang die Liebe zu den Pferden auch auf seine Kinder Mareike (34) und Carsten (31) über. Schon mit zwölf Jahren machte der Sohn sein Fahrabzeichen und schnupperte vor fünf Jahren erfolgreich in den Distanzsport rein: mit einem ersten Platz über 80 Kilometer. Seit Juli verheiratet und Vater einer neun Monate alten Tochter, genießt Carsten jetzt aber vorwiegend das junge Familienglück. (Chris Cortis)

Hauptsache: Sicher und Pferde schonend

Distanzfahren bedeutet, mit einem Pferd vor dem Wagen an nur einem Tag eine Strecke zwischen 25 und 160 Kilometern zurückzulegen.

Dieser Sport, tierärztlich streng überwacht, verlangt absolute Fitness und kombiniert die Partnerschaft zwischen Mensch und Tier mit einem Hauch von Abenteuer und einem schönen Naturerlebnis. Anders als beim klassischen Fahrsport, wie man ihn von Reitturnieren kennt, sind die zahlreichen Detailregelungen dem Distanzsport wesensfremd. Erlaubt ist alles, was sicher und Pferde schonend ist, so die Maxime des Vereins Deutscher Distanzreiter und -fahrer (VDD).

Anspannungsart und Stil seien völlig frei wählbar, und vom historischen Wagen bis zum sportlichen Sulky sei alles möglich. Unter dem Motto „Alle Fahrer – alle Pferde“ seien sämtliche Huftiere, vom Pony bis zum Großpferd, teilnahmeberechtigt.

Einige Dinge sind dann doch vorgeschrieben: ein verkehrssicherer Wagen mit Bremse, Licht und Reflektoren, Zaum mit Gebiss und Helm für den Fahrer. Grundsätzlich, heißt es, sei jedes gesunde Pferd zum Distanzfahren geeignet.

Wichtigster Aspekt beim Training sei der langfristig orientierte Aufbau des Pferdes. Eine gute Grunderziehung und Nervenstärke seien gefragt, um sich leichter an Begegnungen mit Reitern oder anderen Gespannen zu gewöhnen. Auch Überholvorgänge sollten dann kein Problem sein. Üblicherweise finden Distanzfahrten auf Wald-, -Feld- und Wiesenwegen statt.

Straßen werden gemieden. Allenfalls muss mal eine Fahrbahn überquert werden. Großen Wert legen die Veranstalter von Distanzfahrten auf landschaftlich reizvolle und pferdefreundliche Strecken, von denen es in Deutschland laut VDD eine große Anzahl gibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.