Im Familienboot zum großen Sieg

Auf dem 1000 Meilen langen Weg: 14 Tage waren die Yachten und ihre Besatzungen auf dem Wasser, unterwegs zwischen Kroatien und Griechenland. Mit dabei der Rotenburger Ralf Teichmöller, der von der Annabella aus diesen schönen Blick auf die Konkurrenz hatte. Foto:  nh

Rotenburg. "The Race 1000 Miles" - wie aus dem Rotenburger Ralf Teichmöller ein ambitionierter Fahrtensegler wurde.

Eigentlich ist Ralf Teichmöller ja eine Landratte. In Vacha geboren und aufgewachsen, lebt er jetzt in Rotenburg. Mittelgebirgslandschaft eben. Und doch ist er als Crewmitglied der Annabella, einer Bavaria Cruser 43, in diesem Herbst Klassensieger einer internationalen Segelregatta geworden - „The Race 1000 Miles“ heißt sie. Das Rennen mit Zeitlimit wird in zwei Etappen ausgetragen. Die erste führt vom kroatischen Biograd zur griechischen Insel Lefkas, die zweite wieder zurück. The Race ist eine der größten Langstreckenregatten Europas für „ambitionierte Fahrtensegler“, wie es in der Ausschreibung heißt.

Keinerlei Erfahrung

Ein ambitionierter Fahrtensegler war Ralf Teichmöller noch nicht, als er vor zehn Jahren auf einem Campingplatz in Kroatien einen Österreicher traf, der als Skipper an Regatten teilnahm. „Ich hatte einen Segelschein, mehr aber auch nicht, gar keine Erfahrung“, berichtet der 54-Jährige. Deshalb hat er sich auch nicht getraut, das Angebot anzunehmen, sich den Seglern aus Wien bei einer Regatta anzuschließen. Seine Frau Ines aber überredete ihn, diese Gelegenheit zu ergreifen.

Die Besatzung hat im Laufe der Jahre gewechselt,doch der Skipper ist der gleiche. Und auch Ralf Teichmöller ist an Bord geblieben. Dabei hatte er 2007 eigentlich die Nase kurzzeitig voll vom Segeln. Auf einer ebenfalls 1000 Meilen langen Regatta hatten Gewitter und Sturm ihm und seinen Kameraden arg zugesetzt. Dann zog es ihn aber doch wieder hinaus aufs Meer.

Zwei seiner bisherigen Mitstreiter hatten in diesem Herbst extra für The Race auf einem anderen Schiff angeheuert. „Sie wollten endlich einmal gewinnen. Und die Annabella ist ja eigentlich ein Familienboot“, erzählt Ralf Teichmöller amüsiert. Dieser Partnerwechsel war ein blöder Fehler, wie sich gezeigt hat.

Denn die vom Material her unterlegene 13 Meter lange Annabella machte das Rennen. Sie ließ die acht Konkurrenten unter den Fahrtenyachten ohne Spinnaker hinter sich.

Das abtrünnige Duo hatte Pech. Es war in eine Notlage geraten und gezwungen, den Motor zu anzuwerfen - und das führt bei The Race zur Disqualifikation.

Die vier Österreicher, zwei Deutschen und der Pole auf der Annabella aber durften einen völlig unerwarteten Triumph feiern. „Wir waren ein zusammengewürfelter Haufen. Aber es hat gut funktioniert bei uns“, sagt der Sieger aus Waldhessen.

Zur Person

Ralf Teichmöller ist 54 Jahre alt. Er wuchs im thüringischen Vacha auf und ist verheiratet mit Ines Teichmöller. 2008 ist er nach Rotenburg gezogen. Zur Familie gehören drei Kinder: Marcell (27), Janne (25) und Nicola (17). Ralf Teichmöller ist gelernter Schreiner. Heute arbeitet er als Niederlassungs-Leiter eines Betriebes, der Fenster und Türen herstellt. Zum Fahrtensegeln kam er vor zehn Jahren durch eine zufällige Urlaubsbekanntschaft.

Von Thomas Walger

Mehr zum Verlauf des 1000-Meilen-Rennens lesen Sie in der morgigen gedruckten Rotenburg-Bebraer Samstagausgabe.

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