Erschöpft aber glücklich

Video: In fünf Stunden und 25 Minuten durch den Edersee

Edersee. Er war schneller unterwegs, als es im Vorhinein kalkuliert war. Björn Hauptmannl hat es trotz der schwierigen Wetterbedingungen geschafft.

Er hat es tatsächlich geschafft: 5 Stunden und 25 Minuten hat es gedauert, da durfte sich Björn Hauptmannl offiziell als erster Mensch überhaupt bezeichnen, der den Edersee in seiner kompletten Länge von Herzhausen bis zur Sperrmauer durchschwommen hat.

Aktualisiert um 15.12 Uhr

„Ich bin sehr glücklich“, sagt er am Montagvormittag zurück im heimischen Bad Nauheim. Nach dem Kraftakt durch gut 20 Kilometer eisig kaltes Ederseewasser war er am Sonntagnachmittag nicht mehr fähig gewesen, Interviews zu geben. „Ich wollte nur noch zurück ins Hotel und heiß duschen, irgendwie die Kälte aus meinem Körper bekommen“, so der 33 Jahre alte Wirtschaftsingenieur.

Die Vaseline, die er als Kälteschutz dick auf seinem Körper aufgetragen hatte, habe nämlich nur anfangs ein wenig vor der Kälte schützen können. „Es war sehr, sehr hart“, resümiert der ehemalige Leistungsschwimmer. Das Wasser sei mit 14,6 Grad von Anfang an sehr frisch gewesen, doch während der ersten Hälfte habe zumindest noch die Sonne geschienen.

Nach knapp drei Stunden und acht zurückgelegten Kilometern dann der erste Tiefpunkt: Kraftreserven aufgebraucht, Sonne weg, zunehmender Wind. Eine Situation, ans Aufgeben zu denken, gab es nach Hauptmannls Bekunden aber nur einmal im Fürstental. „Ich musste ein halbe Stunde dagegen ankämpfen“, räumt er ein. „Ab dem Rehbacher Becken war es die absolute Hölle mit Windstärken über sieben und am Ende vor der Sperrmauer teilweise sogar mit Sturmwarnungen.“

Davon aber wusste Hauptmannl nichts, denn sein erfahrenes Team in den zwei Begleitbooten mit seinem Betreuer Johannes Tump und seiner Freundin Alexandra Oehm wollte es ihm nicht sagen. „Das war auch gut so, das wäre mental nur noch schwieriger für mich geworden, “ sagt Björn Hauptmannl.

Rückblickend ist er mehr als zufrieden, hat sogar weniger Zeit gebraucht, als ursprünglich geplant. „Die Route war nahezu perfekt, wir haben 400 Meter mehr gebraucht als die Idealroute, eine wirkliche Superleistung, auch von meinem Team.“

Während des Schwimmens stand Hauptmannl unter ständiger Beobachtung durch seinen Coach Johannes Tump, der viel Erfahrung mit Langstreckenschwimmern und Triathleten aufzuweisen hat. Er achtete unter anderem darauf, das der Extremschwimmer im kalten Wasser nicht auskühlte. Das passierte nicht und Hauptmannl durfte am Ziel angekommen vielmehr die heißen Glückwünsche von engen Verwandten und Freunden entgegen nehmen. „Ich bin total stolz auf meinen sportlichen Patenonkel Björn“, freute sich nicht nur die zehnjährige Lisa-Marie Bell aus Karben.

Extremschwimmer durchquert Edersee

Obwohl die Freude mittlerweile die Strapazen nahezu vergessen lasse, plant Hauptmannl demnächst kein vergleichbares Mammutprojekt. Ganz sein lassen kann er es dann aber nicht: Im Herbst will sich der Rekord-Ederseeschwimmer beim Nordseeschwimmen von Norddeich nach Norderney in die Fluten stürzen. Für ihn ein Klacks, denn das sind gerade einmal achteinhalb Kilometer.

Von Sascha Hoffmann

Rubriklistenbild: © Korte

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