Vor Ort beim Adventsschwimmen: Schiedsrichter Manfred Dörrbecker beendet Karriere

Nach 43 Jahren ist Schluss

Ein letztes Mal mit Zetteln und Stoppuhr am Beckenrand: Schwimm-Schiedsrichter Manfred Dörrbecker beendete beim Adventsschwimmen nach 43 Jahren seine Karriere. Fotos:  Fischer

Kassel. Zufrieden und mit sich im Reinen verließ Manfred Dörrbecker am Sonntag um 16.30 Uhr das Kasseler Auebad. Siebeneinhalb Stunden hatte er als Schiedsrichter die Wettkämpfe des 41. Adventsschwimmfestes der TSG 87 Kassel-Niederzwehren begleitet. Doch als die 200-Meter-Lagenschwimmerinnen, die den sportlichen Abschluss bildeten, am Beckenrand anschlugen, war nicht nur der Arbeitstag für Dörrbecker beendet. Für den 59-Jährigen war es zugleich der Abschied vom Wettkampfsport.

„Vor 41 Jahren habe ich als Kampfrichter den Wettkampf begleitet, der von meinem eigenen Verein ausgerichtet wird. Deshalb habe ich mich entschieden, hier auch meine Laufbahn zu beenden“, erklärte der Fuldataler. In seiner Kampf- und Schiedsrichterkarriere hat Dörrbecker eine mustergültige Karriere hingelegt, die ihn bis zu den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona sowie zahlreichen Welt- und Europameisterschaften führte. Stets wichtig waren dem Träger des Bundesverdienstkreuzes die lokalen Wettkämpfe: „Wer bei großen Wettkämpfen tätig ist, darf die Basis nicht vergessen.“

Wichtig seien eine klare Linie und Fingerspitzengefühl. Selbst Schwimmlegende Michael Groß kassierte in seiner Laufbahn eine Verwarnung von Dörrbecker aufgrund unsportlichen Verhaltens: „Man darf keine Angst vor großen Namen haben. Wichtig ist dabei der Dialog, wir arbeiten gemeinsam für den Schwimmsport und nicht gegeneinander. Daher muss man sich bei einem Regelverstoß im Anschluss die Zeit nehmen und dem Sportler seinen Fehler erklären.“

„Wer bei großen Wettkämpfen tätig ist, darf die Basis nicht vergessen.“

maNFRED dörrbecker

Bei den lokalen Wettkämpfen gehe es auch darum, unerfahrene Kampfrichter zu unterstützen. Genug Möglichkeiten hatte Dörrbecker bei 896 Einzel- und 45 Staffelstarts beim Adventsschwimmen zur Genüge. Dabei kam es zu einer Premiere: Erstmalig ging die neu gegründete SG Hessen Nord, die sich aus der TSG Niederzwehren und dem TSV Oberzwehren zusammensetzt, an den Start. Im 4x50-Meter-Freistilrennen sprang in 2:07,07 Minuten auf Anhieb die Silbermedaille heraus.

„Gegen die Erwartung konnten wir das Rennen so erfolgreich gestalten, das ist schon ein cooles Gefühl“, meinte SG-Schwimmer Philipp Lorenz. Für Trainerin Kerstin Struif war der Wettkampf ein Fingerzeig für die kommenden Monate: „Die Form bleibt so bis zu den Festtagen bestehen und wir können im neuen Jahr auf dem Level weiterarbeiten.“

Besonders erfreut zeigte sie sich über die Leistungen der Nachwuchsschwimmer, allen voran Elisa Lipphardt, die erstmalig über 100 Meter Delfin ins Rennen ging und in 1:50,81 Minuten brillierte. „Es war anstrengend, aber das Rennen hat sich von Beginn an gut angefühlt“, meinte das elfjährige Talent. Momente wie diese waren es, die über die letzten 43 Jahre auch Manfred Dörrbecker immer wieder motivierten. Dem Schwimmsport wird er künftig als Zuschauer die Treue halten.

Von Tobias Kisling

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