Ein Vorzeige-Athlet

Linus Natho nominiert zur Wahl des Behindertensportler des Jahres

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In seinem Element: Linus Natho von den Northeimer Wasserfreunden hat bereits deutschlandweit für Furore gesorgt. Nun wurde er für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres in Niedersachsen nominiert.

Northeim / Einbeck. Wenn jemand für die Wahl zum niedersächsischen Behindertensportler des Jahres nominiert ist, dann muss er in seiner Sportart Außergewöhnliches leisten.

So wie der Einbecker Schwimmer Linus Natho, der für die Wasserfreunde Northeim seit Jahren einen Titel nach dem anderen holt. Und der dafür jetzt vom Behinderten-Sportverband Niedersachsen (BSN) als einer von sechs Sportlern auf die begehrte Wahlliste gesetzt wurde.

Wer Linus Natho zum ersten Mal in der Badehose sieht, denkt sofort an die ganz Großen seiner Zunft wie Michael Groß oder Michael Phelps. Breite Schultern, schmale Hüften, 76 muskulöse Kilogramm verteilt auf 1,87 Meter Körpergröße. Allerbeste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schwimmerkarriere. Wäre da nicht seine linke Hand, an der von Geburt an außer dem Daumen alle übrigen Finger fehlen. „Spalthand“ heißt der Gen-Defekt, der für den 17-Jährigen Zeiten eines nicht behinderten Spitzenschwimmers unerreichbar macht.

Zwischen Abi und Becken

„Dass Linus 2014 trotz dieser Behinderung alle Normen für die Teilnahme an den norddeutschen Meisterschaften der Nicht-Behinderten geschafft hat, zeigt seine Extraklasse“, schwärmt BSN-Landeskader-Trainerin Regine Breuer, die seit acht Jahren mit Natho zusammenarbeitet. Kein Wunder also, dass der Einbecker bei Behindertenwettkämpfen in seiner Altersklasse längst zu den Allerbesten gehört. Internationale und Deutsche Meistertitel hat er bereits erschwommen, von den ungezählten Spitzenplatzierungen bei Landes- und Bezirksmeisterschaften ganz zu schweigen.

„Linus hat die seltene Fähigkeit, sich auf den Punkt zu konzentrieren und im Wettkampf seine Bestform abzurufen“, sagt Breuer. Gerade wenn es drauf ankommt, sei ihr Schützling äußerst ehrgeizig.

So geht das: Landeskader-Trainerin Regine Breuer gibt Linus Natho Tipps, wie er seine Brustschwimmtechnik noch weiter verbessern kann.

Dass Linus Natho überhaupt mit dem Schwimmen begonnen hat, ist eher Zufall. „Eine Nachbarin hat einmal gefragt, ob sie ihn mitnehmen soll zu einem Seepferdchen-Kurs“, erzählt Linus´ Mutter Uta. Dort habe der damals Siebenjährige schnell Talent bewiesen. „Bei ersten Wettkämpfen mit Nicht-Behinderten hat er oft den undankbaren vierten Platz belegt“, erinnert sie sich zurück.

„Der Spaß am Schwimmen kam aber erst nach und nach“, sagt Linus selbst. Erst als er mit neun Jahren mit dem Behindertensport in Berührung gekommen und dort bei Wettkämpfen gesehen habe, wie gut er tatsächlich ist, sei sein Ehrgeiz so richtig geweckt worden. Wegen des Abiturs, auf das er sich aktuell vorbereitet, komme das Training derzeit etwas zu kurz. „Sechs Stunden pro Woche sind tatsächlich zu wenig, zumal im kommenden Jahr der Sprung in den Seniorenbereich ansteht“, sagt auch Kadertrainerin Breuer.

Ob Linus eine internationale Karriere bevorstehe, hänge stark davon ab, wie er sein Leben gestaltet, wenn er mit der Schule fertig ist. „Wenn er bereit ist, mehr Zeit ins Training zu investieren, dann schafft er auf jeden Fall den Sprung in die Nationalmannschaft“, ist sie sich sicher.

Eine Aussage, die ihren Schützling natürlich freut. „Den Ehrgeiz dazu habe ich auf jeden Fall“, sagt Linus. (per)

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