22-Jähriger hat große Ziele

Welleröder Schachspieler Dennis Wagner will unter die Top 100 der Welt

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Er ist am Zug: Schachspieler Dennis Wagner aus Wellerode hat weiter große Ambitionen und Ziele. 

Fitness-Angebote über Live-Stream, Fußball-Mannschaften wie der FC Bayern trainieren in Video-Konferenzen zusammen – in der aktuellen Corona-Krise mit den Ausgehbeschränkungen blühen digitale Sportangebote wie noch nie. Für Schach-Großmeister Dennis Wagner aus Wellerode nichts Neues. Er trainiert seit Jahren fast ausschließlich online. Aber auch der 22-Jährige kann seinen Sport derzeit nicht wie gewohnt ausüben.

Mit der Elo-Zahl – sie beschreibt die Spielstärke von Schachspielern – von 2581 im April 2020 ist der Welleröder die Nummer 14 der Schachspieler in Deutschland. „Mein Kalender war mit Turnierterminen gut gefüllt“, erzählt der Physik-Student. „Nur kann ich die streichen, denn alle Turniere sind erst einmal abgesagt worden.“ Wie zum Beispiel die EM in Slowenien im Mai. Die Schacholympiade ist auf 2021 verschoben.

Auch die Bundesliga-Saison ist erst mal unterbrochen. In der nach eigenen Angaben stärksten Schach-Liga der Welt ist das Team von Wagner – der SV Hockenheim – Rekordmeister OSG Baden-Baden so dicht wie zuletzt nie auf den Fersen. Beide Mannschaften teilen sich nach acht Spieltagen den ersten Platz.

Und auch Wagner spielt bisher eine starke Saison. An Brett sechs bis acht eingesetzt, weist er bis dato den zweitbesten Scorerschnitt seines Teams auf. Bei zwei Unentschieden ging noch keine seiner Partien verloren. „Das ist eine einmalige Chance für uns“, sagt der 22-Jährige in Bezug auf das Titelrennen, das sich eigentlich bei der Endrunde in Berlin Ende April entscheiden sollte.

„Ich hoffe, dass die Saison noch zu Ende gespielt werden kann“, erklärt der Großmeister aus Söhrewald. Wobei er die Entscheidung der Organisatoren nachvollziehen kann, Turniere abzusagen und auch die Meisterschaft zu unterbrechen. „Das ist gerechtfertigt. Es gibt eine Ansteckungsgefahr“, sagt er. „Schließlich fasst man dieselben Figuren an und sitzt sich lange Zeit gegenüber.“

Kann die Meisterschaft nicht online beendet werden? Theoretisch ja, die Umsetzung ist aber nicht so einfach. „Jeder müsste vor einer Kamera spielen. Es müsste gewährleistet werden, dass niemand Hilfe von außen bekommt und niemand betrügt“, sagt Wagner, der nichtsdestotrotz auch weiß, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern aktuell in der glücklichen Lage ist, seinen Sport zu betreiben.

„Internet-Schach boomt zur Zeit“, sagt der Nordhesse. „Auf den Servern werden zum Beispiel viele historische Partien gezeigt.“ Aktuell läuft auch die Deutsche Schach-Internetmeisterschaft. Wagner nimmt etwa einmal im Monat an einem Online-Turnier teil, schränkt aber ein: „Schach und Internet-Schach sind komplett was anderes. Wenn ich jemandem live gegenüber sitze, kann ich mich viel besser konzentrieren, und das macht mir auch mehr Freude.“

Wagner arbeitet zwar gerade mit seinem Physik-Studium in Heidelberg an einem zweiten Standbein, hat im Schach aber weiter große Ambitionen. So will er in die Top 100 und sich zum dauerhaften Nationalmannschaftsmitglied entwickeln. Um das zu schaffen, gilt es, die 2600er Marke zu knacken und „möglichst in den 2650er Bereich“ vorzustoßen. „Das ist mein großes Ziel“, sagt Wagner, der im Januar 2020 seine bisher beste Elo Zahl (2595) erreicht hatte. Der Weltranglisten-100. hat aktuell 2649 Punkte.

„Auf dem Niveau ist das schwer, aber bei einem guten Lauf nicht unmöglich. Von der Spielstärke her ist das zu schaffen“, schätzt der 22-Jährige, der 2016 vielleicht zu schnell mit aller Macht angestrebt hatte, in die absolute Weltspitze vorzustoßen, wie er sagt. Den Druck hat der Nordhesse inzwischen rausgenommen. „Ich versuche einfach, immer nur gute Partien zu spielen. Dann ist alles andere eine Frage der Zeit.“

Von Sebastian A. Reichert

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