Ruderin Leonie Pless wollte zu Olympia 

Wenn das Virus alles auf den Kopf stellt 

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Rennrad statt Ruderboot: Leonie Pless (links) beim Training in Spanien mit Zweierpartnerin Katrin Thoma.

Sie hatte alles auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen ausgerichtet. Ob Ruderin Leonie Pless das noch einmal in Kauf nimmt?  

Der Plan war perfekt – und ist nun doch Makulatur. Leonie Pless wollte ihre Ruder-Karriere mit einem Start bei den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Sommer krönen und abschließen. „Gerade in diesen Tagen Mitte Mai wäre in Luzern die entscheidende Qualifikation gewesen“, sagt das Leichtgewicht, das im Doppelzweier mit Katrin Thoma sich viel vorgenommen hatte.

2012 in London hat sie das Olympia-Feeling live erlebt, aber nur als Ersatzfrau, die nicht zum Einsatz kam. Seit 2010 ist sie stets bei Welt- und Europameisterschaften dabei gewesen. „Ein Abschluss in Tokio wäre also die finale Herausforderung gewesen“, sagt Pless. Dafür hatte sie zunächst auf eigene Kosten ihre Lehrerstelle halbiert, danach eine Freistellung für ein halbes Schuljahr erhalten.

Aber jetzt? Der Traum ist doch nur verschoben, nicht zerplatzt, oder? „Ich weiß es nicht, die Corona-Pandemie und die Verlegung der Spiele bringen mich echt in einen Zwiespalt, gesteht Leonie Pless ein. „Finden die Spiele überhaupt statt 2021 in Tokio? Kann ich von Kollegen und Umfeld noch länger so viel Rücksichtnahme erhoffen und dann annehmen? Will ich noch einmal ein Jahr lang viel entbehren für den Sport – berufliches Ankommen, Freiheiten, private Reisen, Ausgehen, Kontakte mit Freunden?“ Fragen über Fragen. Und noch eine schwirrt da in Kopf herum: „Ich bin jetzt 31, da ist es sportlich schwerer als früher, fit und vor allem international konkurrenzfähig zu bleiben. Und ich möchte gern dann auch mal Familie und Kinder haben.“

Dazu freilich fehlt ihr noch der passende Partner. „Es fehlt durch Sport und Beruf einfach die Zeit den Passenden kennenzulernen.“ Und so ist bislang nämlich Goethe der wichtigste Mann in ihrem Leben. Johann Wolfgang von

Goethe, geboren 1749 in Frankfurt, gestorben 1832 in Weimar. Also schon lange verblichen. Und dennoch sagt Pless lachend: „Er verfolgt mich.“ Wie das? In Kassel stand das Diakonissen-Krankenhaus an der Goethestraße, dort erblickte sie Silvester 1988 das Licht der Welt. Später hat sie am Goethegymnasium gelernt, ging später dann zum Studium nach Frankfurt an die - richtig - Goethe-Universität. Geradezu logisch war der nächste, bisher letzte Schritt: Nun unterrichtet die Nordhessin Sport und Französisch am Frankfurter Goethegymnasium. Und wo wohnt die junge Frau? Sie ahnen den Straßennamen ...

Zum Muttertag war sie daheim bei der Familie in Lohfelden. Corona macht’s möglich, ansonsten nämlich wäre Training angesagt gewesen. Trotz des (fast) freien Wochenendes ist Leonie Pless „ziemlich fit“, wie ihr Trainer Ralf Hollmann ausgeplaudert hat. Seit gut zwei Wochen schon ist sie wieder auf dem Wasser, hat bis dahin enorme Umfänge im Laufen und Radfahren absolviert. „Der Höhepunkt war eine 300-Kilometer-Tagestour von Frankfurt nach Ulm zum Besuch von Freunden“, berichtet Pless. Zurück allerdings ging’s ein paar Tage später mit der Bahn.

Ein Vorgeschmack auf die Zeit nach der Karriere. Aber wann – noch 2020 oder doch erst 2021 nach einem neuen, letzten Olympia-Anlauf?

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