Bob-Weltcup: Jan Speer ist nur Wasserträger in Winterberg

Nur als Zuschauer in Winterberg dabei: Bob-Anschieber Jan-Martin Speer (links), auf unserem Archivbild mit seinem ehemaligen Piloten Manuel Machata. Foto: Göbel

Wirmighausen. Als das Handy bei Jan-Martin Speer klingelt, verlässt er mit seinem Auto gerade Winterberg. Ein richtungsweisendes Sportlerschicksal.

Denn der Wirmighäuser Bobfahrer wäre zu dieser Zeit vermutlich auf dem Weg nach Winterberg gewesen, wenn für ihn diese Saison nach Plan laufen würde. Im Eiskanal im Sauerland wird an diesem Wochenende der Weltcup ausgetragen - ohne den Sportler Speer, aber mit dem Zuschauer und Team-Helfer Speer.

Dass er diesen Rollentausch vornehmen muss, hat einen Grund: Der 28-Jährige hatte sich im August einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen, der erste Leistungstest der deutschen Bobelite fiel dadurch für ihn aus. Dann verpasste Speers neuer Pilot Johannes Lochner mit dem Vierer auch noch die Qualifikation für den Weltcup und muss sich aktuell im Europacup beweisen.

Der Riss der Muskelfaser ist längst wieder geheilt. Das reicht aber noch nicht aus, für einen Einsatz im Spitzensport. Speer trainiert seit einigen Wochen in Adorf oder Winterberg. „Ich bin gut im Plan“, sagt der 28-Jährige. „Der Muskel hält, die Kraft ist da, mir fehlt eigentlich nur noch die Athletik.“ Die Topform erwartet Speer von seinem Körper am 23. Dezember. Dann steht der nächste Leistungstest an.

Speer ist kein Träumer, er weiß, dass einiges zusammenkommen muss, um vom Bundestrainer noch solch eine Fahrkarte zu erhalten. Zumal es gut läuft bei den drei deutschen Weltcup-Teams: Sie feierten zum Saisonauftakt in Altenberg am vergangenen Wochenende einen Dreifachtriumph im Vierer. Francesco Friedrich siegte vor den Bobs von Nico Walther und Maximilian Arndt.

„Klar, es wird schwer für mich, obwohl Altenberg eigentlich kein Maßstab ist, weil auf dieser Bahn fast immer die Deutschen vorn liegen“, betont Speer. „Mein Ziel lautet, bei dem Test so gut abschneiden, dass ich mit zu den Weltcup-Teams nach Übersee fahren kann und wenn es nur als Ersatzmann ist.“ Und was würde Lochner dazu sagen? „Das wäre für ihn so in Ordnung, schließlich nominiert der Bundestrainer und wenn der mich für gut genug hält, gäbe es keine Probleme.“

Angst vor einer Saison ohne eine Wettkampffahrt hat Speer nicht. Er sei für das Lochner-Team immer eine Verstärkung, betont Speer. Das klingt nicht überheblich, sondern eher nach Selbstbewusstsein, das man in diesem Bobfahrer-Rudel haben muss, um nicht ans Ende der Anschieberkette abzurutschen.

Dennoch hat Speer Erfahrungen mit Rutschpartien. Der Außenbetrachter attestiert ihm Wechselpech bei der Pilotenwahl. Mit Arndt ist er Junioren-Weltmeister geworden, als der Oberhofer Pilot dann Senioren-Weltmeister wurde, saß Speer im Bob vom entthronten Weltmeister Manuel Machata, der nie wieder diese Klasse erreichte. „Klar, lief da nicht alles optimal für mich, aber ich bereue keinen dieser Wechsel, weil jeder erfolgsversprechend war“, sagt der Wimighäuser. (rsm)

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