Am Rimberg entstand vor 50 Jahren eine Freizeitanlage mit Sessellift

Das Skiparadies an der Autobahn

Malte und Mele Stutz fahren mit dem Schlitten den Rimberg hinunter.
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Rodeln auf einer ehemaligen Skipiste: Malte und Mele Stutz fahren mit dem Schlitten den Rimberg hinunter. In der Mitte ist gut die Baumgruppe zu erkennen, die einst die C- und die B-Piste teilte.

Am Rimberg entstand in den 70er-Jahren ein Ski- und Freizeitparadies – direkt neben der Autobahn. Vor etwa 50 Jahren wurde dort sogar ein Sessellift eröffnet.

Breitenbach/Herzberg – Wer vom LKW-Parkplatz an der Raststätte an der A5 von Kassel nach Frankfurt eine Wald-Wanderung unternimmt, kann immer noch Reste dieses Skigebiets und der dazugehörigen Funktionsgebäude erkennen.

Nur wenige Meter hinter der Schranke, die nachts die Straße hoch zu den Sendemasten absperrt, stehen noch heute Betonfundamente, die einst Basis für Haltemasten und eine kleine Brücke über die Straße waren. Am Gipfel angekommen, hat man eine herrliche Aussicht über den Knüll. Die Piste unterhalb des Fernsehturms ist noch gut sichtbar. Ab und zu verirren sich noch Wintersportler hierher, allerdings nur zum Rodeln.

Einer der sich besonders gut am Rimberg auskennt, ist Heinrich Stiebing. Der 78-jährige Oberjossaer, der heute noch im Gemeindeparlament sitzt, war beim Investor Hans-Friedrich von Dörnberg, selbst ein begeisterter Skifahrer und Waldbesitzer am Rimberg, als Betriebsleiter angestellt, zusammen mit Heinrich Sohl und Karl Moritz verantwortlich für das Aushilfspersonal und für den Einkauf. „Damals, Ende der 60er-, Anfang der 70-er Jahre, herrschten noch perfekte Schneeverhältnisse bei uns“, erzählt er.

Zeitzeuge: Heinrich Stiebing aus Oberjossa.

Die Pisten waren gewalzt und gut gepflegt. Das Skifahren ging gut am Rimberg“, erzählt Stiebing. Es gab sogar drei Pisten mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden: schwarz (A), rund 500 Meter lang und sehr steil, rot (B, 900 Meter) und blau (C, fast 1200 Meter). Nicht nur Anfänger kamen auf dem Rimberg-Hang auf ihre Kosten. Während die schwarze Piste heute vollständig bepflanzt und überwachsen ist, zeigen große Lichtungen im Wald noch immer den Verlauf der Strecke der B- und C-Pisten, gut zu erkennen auch auf Luftbildaufnahmen im Internet.

Anfangs wurden die Skifahrer noch mit der Pistenraupe zum Gipfelhaus gefahren. Das änderte sich 1970. Kurz vor Weihnachten eröffnete der Investor eine Sesselbahn, beginnend auf der Höhe des Rasthauses bis hoch zum Gipfel. Der Lift mit 48 Doppelsitzen beförderte stündlich bis zu 900 Personen, Kosten: 800 000 Mark. Später kam noch ein kleinerer Schlepplift hinzu. Es entstand ein Parkplatz mit 800 Plätzen nur wenig unterhalb der Talstation.

Zur Eröffnung vor großer Journalistenschar in der Raststätte am Rimberg hatte sich sogar Ski-Prominenz angesagt. Heidi Biebl, die Goldmedaillengewinnerin im Abfahrtslauf der Frauen bei der Winter-Olympiade 1960 in Squaw Valley, war von ihrem Heimatort Oberstaufen im Hubschrauber nach Waldhessen eingeflogen worden, um das Projekt auch medial zu unterstützen. Anfangs gab es am Rimberg auch Skirennen, darunter auch Grasskirennen, einige davon mit überregionaler Bedeutung.

Das Freizeitparadies sollte nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer auf Hochtouren laufen. Darauf war auch die Bewirtschaftung eingestellt. Autofahrer, so der Plan, sollten am Rimberg eine längere Rast einlegen können. Das Gelände war als Ausflugsziel für ganze Familien gedacht. Und deswegen wurde direkt neben dem Sessellift eine Sommerrodelbahn gebaut – ein Vorläufer der Rodelbahnen, die heute auf der Wasserkuppe oder in Winterberg ihren Dienst tun.

Fundament: Noch heute sind Betonreste der Anlage im Wald zu sehen.

Es gab zudem auch eine elektrische Kindereisenbahn, einen Autoscooter, ein Indianer-Zeitdorf. Ein Streichelzoo war in Planung. Stiebing: „Im Sommer zog der Schlepplift die Rodelwagen auf den Gipfel.“ Doch der Investor hatte seine Rechnung nicht mit dem Wetter gemacht. Im Winter blieb der Schnee aus, die Sommer waren verregnet. Stiebing erinnert sich: „Die Besucher blieben aus, es war eine Katastrophe.“

1974 ging der Rimberg in Konkurs, der Sessellift wurde abgebaut und nach Aschau am Chiemsee verkauft. „Mit den Beschäftigten hatten wir dann zum Abschluss noch einen Grillabend veranstaltet.“ „Heute“, so stellt Stiebing fest, „würde so eine Anlage sicherlich besser laufen.“ Der Tourismus in Breitenbach hatte damals schnell ein neues Ziel gefunden: Den Silbersee - nur knapp zwei Kilometer vom Rimberg entfernt. » FOTOSTRECKE

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