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„Die WM war richtig krass“ - Skiläuferin Luisa Grube aus Nörten-Hardenberg im Interview

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Von: Marco Washausen

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Es darf gejubelt werden: Luisa Grube (weiße Mütze) gewann bei der DM im Slalom und auch im Riesenslalom den Titel.
Es darf gejubelt werden: Luisa Grube (weiße Mütze) gewann bei der DM im Slalom und auch im Riesenslalom den Titel. © Privat

Para-Schneesport-Weltmeisterschaft in Norwegen, die verpasste Teilnahme an den Paralympics in Peking und zum Abschluss zwei Deutsche Meistertitel! Die Saison von Skirennläuferin Luisa Grube aus Nörten-Hardenberg, die mittlerweile in Innsbruck lebt, hatte einiges zu bieten. Wir haben mit der 21-Jährigen Bilanz gezogen.

Frau Grube, wenn man Ihnen auf Instagram folgt, hat man kürzlich Urlaubsbilder gesehen. Wohin ging es denn?

Luisa Grube: Ich war in Marokko. Das war ziemlich cool. Endlich mal was anderes als Skifahren. Eine schöne Abwechselung.

Ihre Saison hat viel zu bieten gehabt. Der Höhepunkt war vermutlich die Para-Schneesport-WM im Januar in Lillehammer, oder?

Grube: Auf jeden Fall. Die WM war richtig krass. Das war ein ganz anderes Erlebnis als sonst bei unseren Rennen. So viel Aufmerksamkeit bekommen wir sonst nicht ansatzweise. Das war echt aufregend, auch wenn das Ganze für mich letztlich gar nicht so gut gelaufen ist.

Erzählen Sie mal: Was war da los?

Grube: Mein Guide Luca Traichel und ich sind beim Riesenslalom eigentlich richtig gut losgekommen, aber dann ist meine Bindung aufgegangen und wir sind ausgeschieden. Das hat mich verunsichert. Der Slalom zwei Tage später, als wir Elfte geworden sind, war dann für unsere Verhältnisse richtig schlecht. Das können wir viel besser. Auf der anderen Seite war ich aber auch einfach nur super froh, überhaupt im Ziel angekommen zu sein. Da war ich schon ziemlich hin- und hergerissen.

Auf dem Weg zum deutschen Meistertitel: Luisa Grube mit ihrem Guide Benedikt Staubitzer bei der internationalen DM im österreichischem Kühtai.
Auf dem Weg zum deutschen Meistertitel: Luisa Grube mit ihrem Guide Benedikt Staubitzer bei der internationalen DM im österreichischem Kühtai. © privat

Und im Hinterkopf hatten Sie sicher immer, dass nur zu den Paralympics darf, wer bei der WM einen guten Eindruck hinterlässt.

Grube: Genau. Die WM war ja quasi die Generalprobe für die Paralympics. Als ich dann die Absage für Peking bekam, habe ich das erst gar nicht so realisiert. Das kam erst, als die Athleten, die dabei sein durften, sich auf die Reise gemacht haben. Da wurde mir richtig bewusst, dass ich nicht dabei bin.

Waren Sie enttäuscht?

Grube: Na klar. Die Paralympics waren in den vergangenen drei, vier Jahren mein ganz großes Ziel. Da wollte ich hin. Dieses Ziel zu verfolgen, hat mein komplettes Leben verändert. Ich wohne mittlerweile in Innsbruck und habe wirklich alles auf das Skifahren ausgerichtet. Aber ich bin zufrieden, wie es jetzt ist. Vielleicht hat es mir geholfen, dass meine Freundin Isabell Thal auch nicht nach Peking durfte. Vorher wurde uns gesagt, dass das letzte Ticket einer von uns beiden bekommt. Das wäre sicher komisch gewesen, wenn einer gefahren wäre und einer nicht. So haben wir uns beim nächsten Rennen wiedergetroffen und uns gegenseitig ein bisschen getröstet.

Luisa Grube (rechts) mit ihrer Freundin Isabell Thal.
Luisa Grube (rechts) mit ihrer Freundin Isabell Thal. © Privat

Aber mit der Paralympics-Absage war ja die Saison noch nicht vorbei.

Grube: Nein, aber ich war erstmal ein paar Wochen raus. Ich hatte Corona und dann auch noch einen Bänderriss im Sprunggelenk. Ich bin aus dem Bus ausgestiegen, habe Skiausrüstung getragen und bin umgeknickt.

Rechtzeitig zu den internationalen Deutschen Meisterschaften im April waren Sie aber wieder fit.

Grube: Und auch total motiviert. Endlich konnte ich wieder auf Skiern stehen. Vielleicht war das der Knackpunkt. Mit Blick auf die Paralympics war ich bei der WM zu verbissen. Bei der DM bin ich viel lockerer an die Sache gegangen. Und prompt hat es mit den Titeln im Slalom und Riesenslalom geklappt.

Und seit die DM vorbei ist und der Sommer vor der Tür steht, legen Sie als Wintersportlerin die Füße hoch und warten auf die nächste Saison.

Grube (lacht): Schön wäre es. Nein, natürlich nicht. Im Sommer steht richtig viel Training bei uns an. Im Moment mache ich viel Trailrunning, also Laufen in den Bergen. Außerdem fahre ich Mountainbike, mache Krafttraining und Übungen für das Gleichgewicht. Das ist extrem wichtig. Man kann grob sagen, dass im Mai, Juni und Juli heftig Kondition trainiert wird. Ab August geht es wieder mehr auf die Skier.

Was steht denn im Winter 2023 so an?

Grube: Es ist wieder eine WM geplant, die in Schweden stattfinden soll. Da möchte ich dabei sein. Aber man muss sagen, dass die Konkurrenz immer größer wird. Gerade bei den Sehbehinderten kommen richtig viele gute Leute. Gegen die muss ich mich erstmal durchsetzen. (Marco Washausen)

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