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In Hessen: So bereiten sich Skigebiete auf die Energiekrise im Winter vor

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Von: Christoph Sahler

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Die hessischen Skigebiete um Wasserkuppe und Mühlenkopfschanze liegen in den Planungen für die Wintersaison. Die Energiekrise ist zentrales Thema.

Gersfeld/Willingen - Rund 200 Kilometer trennen Gersfeld in der Rhön und Willingen im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Beide Kleinstädte zählen etwas mehr als 6000 Einwohner - und beide sind Zentrum hessischer Skigebiete. Die einen werben mit der Wasserkuppe, die anderen mit der Mühlenkopfschanze. Und beide stehen bei den Planungen für die kommende Skisaison vor derselben Herausforderung: Wie kann angesichts der drohenden Energiekrise im Winter Energie gespart werden?

„Das wird ein wirtschaftlich schwieriger Winter“, sagt Jörg Wilke, Sprecher des größten hessischen Skigebiets in Willingen gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). „Wir müssen sparen und noch effizienter werden.“ Die größten Energiefresser seien die bis zu 1500 Meter langen Seilbahnen. „Sie sind hinsichtlich effizienter Energienutzung und -einsparung schon gut aufgestellt“, sagte Wilke. Dennoch sieht er Einsparpotenzial - vor allem bei der Geschwindigkeit der Lifte. Für die Kunden sei die kaum spürbar, „aber für uns macht da eine geringe Anpassung relativ viel aus.“

Kunstschnee auf den Pisten: Naturschützer kritisieren Energie- und Wasserverbrauch in Willingen und Gersfeld

Naturschützer kritisieren wegen des Energie- und Wasserverbrauchs auch immer wieder die künstliche Beschneiung der Pisten. In Willingen gebe es Wilke zufolge rund 120 Schneekanonen, schreibt die dpa. Sie seien im Schnitt nicht mehr als 250 Stunden jährlich in Betrieb. „Die Grundbeschneiung der 65 Pistenkilometer im gesamten Sauerland verbraucht so viel Energie wie ein mit 250 Personen besetztes Flugzeug auf dem Hin- und Rückflug von Frankfurt in die Karibik“, rechnet Wilke vor. Das sei ein hoher Energieverbrauch in kurzer Zeit, den man aber in Relation zum Nutzen sehen müsse. „Bis zu 19 Millionen Menschen im Umland haben damit Wintersport vor der Tür“, betont Wilke.

In Hessens Skigebieten, wie hier auf der Wasserkuppe, laufen die Planungen, wie im Winter Energie eingespart werden kann.
In Hessens Skigebieten, wie hier auf der Wasserkuppe, laufen die Planungen, wie im Winter Energie eingespart werden kann. © Sebastian Gollnow/dpa

Zudem werde für die Beschneiung überwiegend die Nachtzeit genutzt, wenn Strom gut verfügbar ist. „Das werden wir noch weiter in den Abend schieben.“ Ein regelmäßiger Skibetrieb sei in Willingen ohne Kunstschnee aber nicht möglich. Und auf den Tourismus im Winter ist die Region angewiesen. „Wir leben von Weihnachten bis zum März vom Wintersport“, erklärt Wilke weiter, „daran hängen viele Arbeitsplätze.“

Hessen: Skigebiete an Wasserkuppe und Mühlenkopfschanze erhöhen Eintrittspreise

Auch auf der Wasserkuppe in der Rhön ist man auf die Beschneiung angewiesen. „Ohne künstlichen Schnee hätten wir in der vergangenen Saison 20 Tage Betrieb gehabt, mit waren über 90 Tage möglich“, sagt Jeremias Kümpel, Referent der Geschäftsführung der Wiegand Erlebnisberge GmbH gegegnüber der dpa. Im Landkreis Fulda habe man schon zwei stromsparende Schneekanonen und eine Teichkühlung angeschafft. Und auch sonst investiere man schon seit Langem in Energieeffizienz, betont Kümpel. Die aktuellen Kostensteigerungen für Strom, Heizöl, Diesel und Co. sowie für das Personal könnten damit aber nicht ausgeglichen werden. „Wir müssen deshalb in dieser Saison unsere Ticketpreise um zehn bis zwölf Prozent anheben.“ Das sei angesichts der Situation noch sehr moderat.

Und auch in Willingen werden die Tickets teurer. „Wir werden die Preise anheben, aber sicherlich nicht so, wie es notwendig wäre“, sagt Wilke. Die Tageskarte etwa werde für Erwachsene um 5,2 Prozent und somit um zwei Euro angehoben, für Kinder um 4,3 Prozent beziehungsweise um einen Euro. „Das deckt die Kostensteigerung nicht, aber wir haben versucht, den Spagat hinzubekommen, dass Skifahren noch eine bezahlbare Freizeitaktivität bleibt.“ Aus wirtschaftlicher Perspektive hätte die Erhöhung mindestens doppelt so hoch ausfallen müssen. (csa/dpa)

In der vergangenen Wintersportsaison minderte die Corona-Pandemie schon Erträge. Willingen kam auf 86 Betriebstage.

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