"Der richtige Zeitpunkt, um zu gehen"

Skispringerin Anna Häfele beendet Karriere

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Kehrt dem Skispringen nach 17 Jahren den Rücken: Anna Häfele.

Willingen. Sonntag, 15. Februar 2015, Ljubno: Anna Häfele vom SC Willingen sichert sich mit 82,5 und 83 Metern den 16. Platz beim Skisprung-Weltcup in Slowenien - dass es ihr letzter Wettbewerb sein wird, steht für die 25-Jährige da bereits fest.

Den Entschluss zum Rücktritt hatte sie schon im Laufe des Winters gefasst.

„Ich habe mir viele Gedanken gemacht und zum Ende der Saison stand für mich fest, dass ich nicht weitermachen werde.“ Die Entscheidung traf sie - wie im Leistungssport meistens nicht üblich - allein: „Bundespolizei und Bundestrainer waren überrascht. Auch für die neue Saison wäre nämlich wieder alles in Richtung Kaderstatus gegangen“, sagt die 25-Jährige und fügt an: „Das hat für mich aber nichts geändert. Ich habe immer gesagt, dass ich selbst entscheiden möchte, wann ich aufhöre. Und rein vom Bauchgefühl her war genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu gehen“, so die gebürtige Schwalefelderin.

Seit 1998 ist Häfele als Skispringerin unterwegs gewesen, davor probierte sie sich zwei Jahre lang als Langläuferin. „Mein Bruder hat mich damals einfach mit zum Skispringen genommen. Und da bin ich dann hängen geblieben.“ Die ersten Erfolge ließen auch nicht lang auf sich warten: 2004 wird sie Vierte bei der Deutschen Meisterschaft, 2007 springt sie erstmals auf Platz zwei bei einem Continentalcup - insgesamt vier Conti-Cup-Siege verbucht sie auf ihrem Konto. Außerdem gab’s 2009 Rang zwei bei der Junioren-Weltmeisterschaft. „Das war auf jeden Fall ein Höhepunkt meiner Karriere“, sagt die Bundespolizistin. „Genauso wie das Springen 2014 in Oslo am Holmenkollen, das war genial.“ Und ihr größter Erfolg? „Das mache ich nicht an einer Platzierung fest. Bei der ersten WM überhaupt dabei gewesen zu sein und auch der Start beim ersten Frauen-Weltcup werte ich als Erfolg.“

„Ich habe immer gesagt, dass ich selbst entscheiden möchte, wann ich aufhöre. Vom Bauchgefühl her war genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu gehen.“

Schließlich war das Skispringen lange Zeit eine reine Männerdomäne. Erst seit den 90er Jahren gibt es organisierte Wettkämpfe, Frauen-Weltcups finden erst seit der Saison 2011/12 statt. Während Häfele noch beim Conti-Cup vordere Platzierungen abräumt, reicht es beim Weltcup nie zu einem Podestplatz. Rang acht 2014 in Planica auf der Großschanze ist ihr bestes Resultat.

„Seit es den Weltcup gibt, ging die Entwicklung ziemlich schnell voran. Da bin ich teilweise nicht mehr ganz mitgekommen“, sagt Häfele und fügt an: „Ich habe jetzt aber genug Zeit gehabt, mich mit allem auseinanderzusetzen. Ich freue mich jetzt darauf, auch mal etwas anderes zu machen.“

Auch wenn sie dem Leistungssport den Rücken kehrt, so bleibt sie trotzdem weiterhin bei der Bundespolizei, bei der sie 2008 an der Sportschule Bad Endorf ihre Ausbildung aufgenommen hat und mittlerweile als Polizeimeisterin unterwegs ist. Ab dem 1. August wird sie in Rosenheim bei einer Einheit eingesetzt. „Sicherlich wird es den ein oder anderen Tag geben, an dem ich das Skispringen vermissen werde. Es wäre ja auch komisch, wenn es nicht so wäre. Trotzdem freue ich mich darauf, mehr zuhause zu sein und die Füße auch mal hochzulegen, anstatt zum Training zu gehen.“

Eine Karriere als Trainerin kam für Häfele übrigens nicht in Frage: „Ich habe nur ganz kurz darüber nachgedacht und schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich sehe mich einfach nicht in der Position.“

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