Kombinierer Johannes Rydzek im Interview über Nervenkitzel, Durchhänger und Planungsprobleme

„Top-Ergebnisse kommen noch“

Rangiert derzeit auf Rang sieben der Weltcup-Gesamtwertung: Johannes Rydzek aus Oberstdorf. Foto: dpa

Seefeld. Vier Medaillen hat der Nordische Kombinierer Johannes Rydzek allein bei der Weltmeisterschaft 2015 in Falun abgeräumt - und die Saison als Dritter der Gesamtwertung abgeschlossen. Derzeit rangiert der Oberstdorfer auf Rang sieben im Weltcup. Anlässlich des Viessmann-Pressewochenendes in Seefeld traten der 24-Jährige und sein Trainer Kai Bracht zum gemeinsamen Interview an.

Herr Rydzek, die vergangene Saison hätte kaum besser laufen können. Derzeit hakt es aber noch etwas. Woran liegt’s?

Johannes Rydzek: Natürlich erwartet man nach so einer Saison mehr von sich. Aber ich wusste, dass es schwierig wird, weil sowohl meine Erwartungen als auch die von Außen einfach größer geworden sind.

Kai Bracht: Der Auftakt war etwas holprig, aber ich bin mir sicher, dass der Februar Johannes Rydzek gehört. Bei den letzten Weltcups kann er eine Serie zünden, die Schanzen in Skandinavien liegen ihm. Außerdem weiß er, dass er dort schon des Öfteren erfolgreich war, das spielt auch eine große Rolle.

In Seefeld hat’s ja schon dreimal für die Top Ten gereicht.

Rydzek: Da bin ich auch umso glücklicher, dass es jetzt wieder besser läuft und ich mich konstant weiter vorn platzieren kann. Ich denke, dass die Top-Ergebnisse noch kommen werden.

Ist es eigentlich möglich, die ganze Saison über ein konstant gutes Niveau zu halten?

Bracht: Wir planen zumindest so, dass die Saison über gute Leistungen abrufbar sein sollten, das ist unser Ziel. Wir wollen nicht nur zu den Höhepunkten konstante Leistungen abliefern. Wenn wir mit einem guten Ergebnis in die Saison kommen, dann ist das für Motivation und Selbstvertrauen viel mehr wert.

Ist das Springen für Sie mittlerweile schon Routine, Herr Rydzek?

Rydzek: Nervenkitzel ist immer dabei, das muss aber auch so sein, das macht schließlich den Reiz aus.

Erst als Skispringer und kurze Zeit später im Skilanglauf unterwegs. Wie passt das überhaupt zusammen?

Bracht: Eigentlich überhaupt nicht. Das Langlaufen ist eine Ausdauersportart, die viel Trainingumfang benötigt. Dem Gegenüber steht das Springen, eine technische Schnellkraftsportart. Du brauchst eine starke Psyche, einen starken Kopf und Risikobereitschaft, um überhaupt zu bestehen.

Zwischen den beiden Disziplinen bleibt oft nur wenig Zeit. Wie verbringt man die?

Rydzek: Jeder versucht, noch einmal kurz abzuschalten, bevor sich dann umgezogen und warmgelaufen wird. Außerdem nimmt man Riegel oder Gels zu sich, um Power für den Lauf zu haben. Dass man vorher kein Schnitzel mehr ist, dürfte klar sein. Wer will schon mit einem vollen Magen starten ...

Kann Erfolg auch hemmen, wenn man zu sehr darüber nachdenkt?

Rydzek: Jede Saison fängt wieder bei Null an, da bringen mir die Ergebnisse aus der Vergangenheit nichts. Man muss schauen, wo man sich einreiht. Es ist auch ganz normal, mal einen Durchhänger zu haben, da mache ich mir keine Angst, das passiert jedem mal. Nur wenn du vorher immer im Fokus gestanden hast und Topergebnisse abgeliefert hast, dann fällt das natürlich mehr auf, als wenn du vorher nicht so erfolgreich gewesen bist.

Auch die Nordische Kombination hatte bisher Pech mit dem Wetter - gerade einmal neun Wettbewerbe fanden bisher statt. Der erste Wettkampf musste wegen zu viel Wind abgesagt werden, im Januar fielen zwei Wettkämpfe wegen Schneemangel aus. Der Aufwand, solche Veranstaltungen austragen zu können, wird immer größer ...

Rydzek: Wir wollen Wettkämpfe haben, dafür trainieren wir das ganze Jahr, da sind die Ausfälle schon sehr ärgerlich. Uns ist bewusst, dass da ein erheblicher Aufwand betrieben wird. Deswegen sollte man eher gucken, wohin man die Wettkämpfe vergibt, also in Regionen, die schneesicher sind. Dann ist der Aufschrei auch nicht so groß.

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