„Wir denken nur von Tag zu Tag“

Interview: Karin Reschel vom Eschweger TSV über die Lage in der Leichtathletik

Die weltweite Pandemie hat auch die Leichtathleten fest im Griff: Karin Reschel vom Eschweger TSV hofft darauf, bald wieder in den Trainings- und Wettbewerbsalltag zurückkehren zu können.
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Die weltweite Pandemie hat auch die Leichtathleten fest im Griff: Karin Reschel vom Eschweger TSV hofft darauf, bald wieder in den Trainings- und Wettbewerbsalltag zurückkehren zu können.

Wegen der Pandemie hat in der Leichtathletik schon die Saison 2020 nur bruchstückhaft stattgefunden und auch die ersten Veranstaltungen im laufenden Jahr bereits sind abgesagt worden.

Eschwege - Über die aktuelle Situation, die Hoffnungen und Wünsche, aber auch die Bedenken, haben wir mit Karin Reschel, der Abteilungsleiterin Leichtathletik beim Eschweger TSV, im Interview gesprochen.

Frau Reschel, die Pandemie stellt die Welt auf den Kopf. Betroffen sind alle Lebensbereiche – auch die Leichtathletik. Welche Bilanz ziehen Sie nach einem Jahr?

Es ist sicherlich keine einfache Zeit für uns gewesen. Für unsere Topathleten wie Jan Volkmar gab es zwar gelegentlich die Möglichkeit, bei Einladungswettkämpfen ihre Form unter Beweis zu stellen, aber eine kontinuierliche Saisonplanung war kaum möglich. Und auch die 48. Auflage der „Rund um die Leuchtberge“-Läufe, die eigentlich an diesem Wochenende stattfinden sollte, ist bereits abgesagt. Alles in allem befinden wir uns in einer schwierigen Situation, wie viele andere Sportarten auch. Aber wir gucken optimistisch nach vorne und hoffen auf bessere Zeiten.

Wo nimmt man als Abteilungsleiterin derzeit die Motivation her?

Es ist schön, gemeinsam mit anderen Menschen sportbegeisterten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Perspektive der Freizeitgestaltung geben zu können. Das treibt mich an. So bereitet es mir immer wieder persönlich große Freude, unsere jungen Sportler für die Saison vorzubereiten. Gemeinsam mit Klaus Volkmar an meiner Seite erfahren wir aber auch viel Dankbarkeit. Durch die vorsichtigen Lockerungen, die jetzt im Raum stehen, haben wir die Möglichkeit, uns gezielt auf die Saison vorzubereiten, auch wenn wir heute noch nicht wissen, in welchem Rahmen sie stattfinden kann.

Wie waren die Reaktionen auf die Lockerungen?

Als wir jetzt über Whatsapp die ersten Trainingstermine bekannt gegeben haben, gab es für uns ein großartiges Feedback, denn die Rückmeldungen waren allesamt positiv. Es besteht immer die Gefahr, dass bei einer so langen unfreiwilligen Pause der ein oder andere abspringt oder andere Interessen entdeckt. Aber bisher haben wir keine Abgänge zu vermelden.

Wie schwer ist Training mit Hygienekonzepten?

Konzepte sind sinnvoll und müssen auch umgesetzt werden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Darüber gibt es keine zwei Meinungen. Aber in der Leichtathletik ist das noch mal etwas anderes im Vergleich zu anderen Sportarten. Manches kann nur sehr eingeschränkt, anderes gar nicht durchgeführt werden.

Was zum Beispiel?

Staffelläufe sind gar nicht möglich, zur Vorbereitung eines Startblocks bei Kurzstreckenläufen benötigen wir im Schnitt fünf Minuten – anstatt wie im Normalfall zwei. Alles muss doppelt und nach jedem Lauf erneut desinfiziert werden. Da sind schon eine Menge helfende Hände notwendig, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Kreismeisterschaft im vergangenen Jahr mussten wir absagen, weil die Auflagen einfach zu hoch waren. Das ist schade, denn letztendlich wünscht sich jeder Athlet, ob jung oder alt, den sportlichen Wettkampf und Vergleich.

Was ärgert Sie an der derzeitigen Situation?

Es gibt manchmal Momente, wo ich an der Verhältnismäßigkeit zweifele. Wir halten bei unseren Trainingsangeboten alle Vorschriften ein – wie zum Beispiel, dass maximal fünf Sportler gleichzeitig auf der Torwiese trainieren dürfen. Und dann schaue ich nach links zum Basketballfeld und muss sehen, wie dort „wild“ Jugendliche Basketball spielen und keinerlei Regeln zu gelten scheinen. Das passt dann einfach nicht.

Wie lauten Ihre Ziele und Wünsche für die Zukunft in der Leichtathletik?

Wir hoffen, dass sich die Situation bald normalisiert und wir wieder mit allen Sportlern in den gewohnten Trainings- und Wettbewerbsalltag zurückkehren können. Uns ist natürlich bewusst, dass dies nicht von heute auf morgen passieren kann. Aber bis dahin versuchen wir im Training mit der richtigen Planung und Gestaltung die Athleten fit für den Tag X zu bekommen. Denn eines ist klar: Am Ende kann kein Training den Wettkampf ersetzen. Die sportliche Auseinandersetzung mit dem Kontrahenten ist das Wichtigste für jeden Sportler. Im Moment denken wir jedoch nur von Tag zu Tag und hoffen einfach, dass sich alles positiv entwickelt. (sk)

Zur Person

Karin Reschel (67) wohnt in Eschwege-Oberdünzebach, ist verheiratet und Mutter eines Sohnes. Nach langjährigem Engagement beim Kinderturnen ihres Wohnortes übernahm die passionierte Läuferin die Leichtathletik-Abteilungsleitung beim Eschweger TSV vor mehr als zehn Jahren von Franz Moll. Die 67-jährige frühere Postangestellte engagiert sich zudem bereits seit vielen Jahren als Übungsleiterin im Jugendbereich der Sparte.

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